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Volkskrankheit Burnout: „Auch immer mehr Schüler sind betroffen“ – Psychiater führt typische Symptome auf

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Ausgebrannt und erschöpft? Die Krankheit „Burnout” macht auch vor Jugendlichen keinen Halt. Dr. Andreas Hagemann klärt im Gespräch über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten auf.

Burnout ist als Krankheit in der Arbeitswelt nichts Ungewöhnliches mehr. Doch scheinbar erkranken auch immer mehr Jugendliche am Burnout-Syndrom. Dr. Andreas Hagemann, Psychiater und Ärztlicher Direktor der Privatklinik Merbeck sowie der Röher Parkklinik, klärt im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news auf: „Fachärzte gehen davon aus, dass heute fast jeder Fünfte in seiner Jugend eine depressive Phase erleidet.“ Hagemann erklärt, weshalb mittlerweile fast alle Generationen von diesem Leiden betroffen sind und wie erkrankte Personen dagegen vorgehen können.

Erschöpfter Schüler liegt auf Tisch
Die Krankheit „Burnout” macht auch vor Jugendlichen keinen Halt. © Imago

Was ist ein „Burnout”?

Dr. Andreas Hagemann: Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei einem Burnout (englisch: „Ausgebranntsein“) um einen tiefgreifenden psychischen und körperlichen Erschöpfungszustand. Entgegen der Meinung vieler Menschen sind Burnout und Depression längst nicht dasselbe. Sie benötigen deshalb auch unterschiedliche Therapiemaßnahmen und einen anderen Behandlungs-Fokus. Aufgrund der ähnlichen Symptomatik sind beide Erkrankungen aber schwer voneinander zu trennen.

Weshalb bricht die Krankheit aus?

Hagemann: Ausgelöst wird der tiefgreifende psychische und körperliche Erschöpfungszustand meist durch hohe berufliche Anforderungen, also chronischen Stress über längere Zeit. Vielfach geraten Menschen auch durch lange Arbeitslosigkeit, die intensive Pflege kranker Angehöriger oder ähnliche Probleme so heftig unter Druck, dass es zu einer seelischen Störung kommt. In diesen Fällen genügen über kurz oder lang übliche Erholungszeiten nicht mehr zum Regenerieren. Die Folge ist ein chronischer Erschöpfungszustand.   

Welche Symptome kommen vor?

Hagemann: Typische Burnout-Symptome sind Antriebs-, Freud- und Mutlosigkeit, Schwermut, Müdigkeit, Energieverlust sowie innere und emotionale Leere. Sie ähneln damit einer Depression. Permanente Gereiztheit ist hingegen eher ein typisches Folge-Symptom eines Burnouts. Hinzu kommen in manchen Fällen körperliche Beschwerden wie etwa Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Darmprobleme. Grundsätzlich unterscheiden sich die Beschwerden von Fall zu Fall. Zudem weisen Zynismus und Depersonalisation (so bezeichnet der Arzt einen Zustand der Selbstentfremdung) auf eine Erschöpfungs-Depression hin.

Welcher Teil der Gesellschaft leidet am häufigsten an Burnout?

Hagemann: Vielfach betroffen sind „selbstlose“, leistungsorientierte und verantwortungsbewusste Menschen sowie Perfektionisten. Es etwas gelassener angehen, nicht immer alles 150-prozentig machen wollen und mehr auf die eigenen Bedürfnisse hören - so lautet deshalb auch die grundlegende Vorsorge-Maßnahme.

Galten früher Manager oder Menschen aus Sozialberufen (wie etwa Lehrer) als besonders gefährdet, so zählt das Burnout inzwischen zu den „Volksleiden“. So sind beispielsweise auch immer mehr Schüler betroffen - und das immer früher: Fachärzte gehen davon aus, dass heute fast jeder Fünfte in seiner Jugend eine depressive Phase erleidet. Einer der Gründe: Die Erwartungen der Eltern und die Ansprüche der Schule sind in den letzten Jahren zunehmend gestiegen.

Während 5,2 Prozent aller Frauen einmal in ihrem Leben eine „Erschöpfungsdepression“ durchleben, sind es bei den Männern laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur 3,3 Prozent. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass Frauen weitaus häufiger ihre Überforderungssituation thematisieren und früher professionelle Hilfe suchen. Hinzu kommt, dass viele Frauen durch die Mehrfachbelastung Kind, Haushalt und Beruf Tag für Tag vor eine Vielzahl komplexer Aufgaben und Herausforderungen gestellt werden. 

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Wie wirkt sich ein Burnout auf die Gesundheit aus?

Hagemann: Aufgrund der belastenden Symptomatik geraten oftmals selbst geschätzte Hobbys oder Treffen mit Familie und Freunden mehr und mehr ins Hintertreffen. Dafür wird häufiger zum Alkohol oder zur Zigarette gegriffen. Ein Gefühl von Misstrauen, Sinnlosigkeit und Verzweiflung macht sich zunehmend breit. Zuletzt ist es den Betroffenen aufgrund des tiefgehenden emotionalen, psychischen und körperlichen Erschöpfungszustandes vielfach kaum noch möglich, täglichen Verpflichtungen nachzukommen.

Wird ein Burnout nicht behandelt, so kann es bei ausgeprägten Symptomen u.a. in eine Depression übergehen. Zudem sind körperliche Folgen wie Atembeschwerden, Muskelverspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen oder Herz-Rhythmus-Störungen möglich.

Wie hoch ist die Anzahl der erkrankten Personen?

Hagemann: Experten schätzen, dass in Deutschland bis zu 20 Prozent der Berufstätigen im Laufe ihres Arbeitslebens Burnout-artige Phasen durchleiden. Schuld an der Misere sind Arbeitsverdichtung, Multitasking, Digitalisierung und weitere Stress-Faktoren unserer Zeit, die uns einfach nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.

Wie kann man einen Burnout behandeln?

Hagemann: Eine Standard-Therapie gibt es nicht. Vielmehr bestimmen die konkreten Beschwerden, Bedürfnisse sowie Lebensverhältnisse des Betroffenen das Behandlungskonzept. Die Psychotherapie, insbesondere die Verhaltenstherapie, hat sich generell als sehr hilfreich erwiesen. Dabei werden insbesondere auch eigene Verhaltensmuster und Ansprüche reflektiert. Therapieziel ist es, dem Patienten eigene Belastungsgrenzen bewusst zu machen und gemeinsam mit ihm einen Weg zu finden, um Stress besser bewältigen und negative gesundheitliche Folgen verhindern zu können.

Einen Überblick über alle kassenärztlich zugelassenen Therapeuten der Region und deren Behandlungsmethoden bieten die Krankenkassen (gegebenenfalls auch deren Internetseiten). Und steht trotz belastender Symptomatik kein Therapieplatz in Aussicht, so können (Tages-)Fachkliniken eine gute Alternative sein. Dabei gilt: Egal ob Burnout oder Depression - je früher die Therapie beginnt, desto effizienter und schneller ist erfahrungsgemäß der Behandlungserfolg. Dieser ist beachtlich: Über 90 Prozent aller Betroffenen gelingt die Rückkehr in ihren Beruf.

(eee/jok/spot)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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