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Corona trotz 2G-Regel: Darum infizieren sich trotz scharfer Kontrollen immer mehr Geimpfte

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Von: Jennifer Köllen

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Die 2G-Regel gilt als sicher. Dennoch stecken sich in Restaurants und Clubs immer mehr Menschen mit Corona an. Das sind die Gründe – und so schützen Sie sich.

Hamburg – Die Corona-Zahlen sind jetzt höher als vor einem Jahr. Und das, obwohl zu dem Zeitpunkt noch keine Impfungen zur Verfügung gestanden haben. Ein weiterer Anstieg der Infektionszahlen im Herbst und Winter sei zu erwarten, vermutet das Robert Koch-Institut (RKI). Gründe dafür seien insbesondere die noch immer große Zahl ungeimpfter Personen – und mehr Kontakte in Innenräumen.

Corona trotz 2G-Regel? Darum infizieren sich bei Veranstaltungen immer mehr Geimpfte

Gesundheitsminister Jens Spahn sprach kürzlich auf einer Pressekonferenz von erschreckenden Corona-Zahlen: „Die 4. Welle ist mit voller Wucht da.“ Trotzdem kann man derzeit ohne Maske neben fremden Menschen im Club feiern oder in der Bar Gin Tonic trinken. Und auch ein Kino-Besuch ist wie früher – keine Maske, keine Einschränkung. Vorausgesetzt, der Veranstalter setzt auf die 2G-Regel, welche besagt: Herein kommt nur, wer geimpft oder genesen ist.

Bei einer Party im Blankenese Kiezinternat in Hamburg besagt ein Schild, dass auch beim Tanzen die Maske getragen werden muss. (Symbolbild)
Corona: Sind 2G-Veranstaltungen wirklich sicher? (Symbolbild) © Imago

Doch für immer mehr Menschen kommt nach so einer vermeintlich sicheren Veranstaltung der Schock: Trotz Einhaltung der 2G-Regel stecken sich auf solchen Partys, Veranstaltungen oder im Kino immer mehr Menschen mit Corona an. Im wohl berühmtesten Club des Landes, dem Berghain in Berlin, haben sich Mitte Oktober trotz 2G-Regel 19 von 2.500 Partygästen mit Corona infiziert. Und das, obwohl alle nachgewiesen hatten, dass sie geimpft oder genesen waren.

Da stellt sich die Frage: Ist 2G wirklich sicherer als 3G? Und: Wie kann es sein, dass man sich trotz Impfung mit Corona ansteckt? Dafür gibt es tatsächlich mehrere Gründe. Die Redaktion ist der Sache auf den Grund gegangen und hat alle Fakten zusammengetragen.

Corona trotz 2G-Regel – Grund 1: Der Impfstoff wirkt weniger gegen die hochansteckende Delta-Variante

Impfstoffe wie von Biontech/Pfizer oder Moderna wirken gegen die Alpha-Variante, welche zu Beginn von Corona dominiert hat, zu 95 Prozent. Doch derzeit ist die neuere Delta-Variante für 98 Prozent der Corona-Infektionen verantwortlich. Und diese ist weitaus aggressiver, ansteckender und leichter übertragbar als die Alpha-Variante. (Lesen Sie auch „Corona-Regeln besser verstehen: Von 3G bis 2G – das bedeuten die Kürzel“)

Und dazu kommt noch ein Problem: Die Impfstoffe wirken weniger zuverlässig gegen die Delta-Variante. Laut Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, liegt dieser Schutz nur noch bei ungefähr 80 Prozent. Aus diesem Grund stecken sich derzeit auch immer mehr Geimpfte mit Corona an, es kommt also zu sogenannten Impfdurchbrüchen. Diese Infizierten können wiederum, wenn sie die Erkrankung noch nicht bemerkt haben, andere Menschen auf einer 2G-Veranstaltung anstecken.

Vor einem Geschäft steht ein Schild mit der Aufschrift 2G Geimpft oder Genesen (Symbolbild)
Corona: Trotz harter Kontrollen der 2G-Regel (geimpft oder genesen) stecken sich immer mehr Menschen mit Covid-19 an. (Symbolbild) © Imago

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Corona trotz 2G-Regel – Grund 2: Die Corona-Zahlen steigen derzeit rapide an

Je höher die Inzidenz ist, also je mehr Menschen gerade mit Corona infiziert sind, desto höher ist das Risiko für Ungeimpfte und Geimpfte, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Und damit auch, andere anzustecken. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei über 150. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2020 lag der Wert nur bei etwas mehr als 120.

Dennoch sind wir dieses Jahr besser vor schweren Verläufen geschützt – durch die verfügbaren Impfstoffe. Nach einer aktuellen Studie aus Frankreich, welche die Daten von 22 Millionen Menschen ausgewertet hat, schützen die Impfstoffe im Schnitt zu rund 90 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt.

Corona trotz 2G-Regel – Grund 3: Geimpfte können ähnlich ansteckend sein wie Ungeimpfte

Mittlerweile gibt es verschiedene Studien, die darauf hindeuten, dass Geimpfte so ähnlich ansteckend sein können wie Ungeimpfte. Die neueste Studie kommt von Forschern aus Großbritannien und wurde im Fachblatt „The Lancet Infectious Disease“ veröffentlicht. Hierfür wurden die Atemwege von 602 Personen, die mit 471 Covid-19-Erkrankten in Kontakt waren, analysiert. Das Ergebnis: Vollständig Geimpfte, bei denen es zu einem Impfdurchbruch kommt, weisen eine ähnlich hohe Viruslast auf wie Ungeimpfte.

Auch vorherige Studien haben ähnliche Ergebnisse erzielt, welche Sie in diesem Artikel nachlesen können: „Corona-Virus: Geimpfte sind so ansteckend wie Ungeimpfte“

Corona trotz 2G-Regel – Grund 4: Ein Club bietet ein perfektes Umfeld für die Übertragung von Corona

Eine Party mit mehreren hundert Menschen, die eng an eng tanzen, es ist warm, viele schwitzen. Dazu wird laut mitgesungen, an der Bar kommt man sich bei Gesprächen näher – weil man wegen der lauten Musik sonst nichts versteht. All das bringe für ein infektiöses Aerosol ein ideales Umfeld, erklärt Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. (Lesen Sie auch „Corona-Ausbruch bei 2G-Party in Deutschland Kult-Club“)*

Wenn nur einer oder zwei der Gäste frisch infiziert sind, seien gerade bei der besonders ansteckenden Delta-Variante der Krankheit Infektionen auch bei Geimpften und Genesenen möglich.

Corona trotz 2G-Regel: Darum ist 2G immer noch viel sicherer als 3G

Ist die 2G-Regel also überflüssig? Oder ist die 3G-Regel ausreichend? Experten sind sich einig: auf keinen Fall.

2G steht für vollständig geimpft und genesen – 3G steht für vollständig geimpft, genesen oder negativ getestet. Als Testnachweis gelten PCR-Tests und Antigen-Schnelltests. Letztere können jedoch nicht alle Infektionen sicher erkennen. Das steht auf der Webseite der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“. Je mehr Ungeimpfte an einer 3G-Veranstaltung teilnehmen, desto höher das Risiko, dass sich falsch-negativ Getestete unter ihnen befinden. Das macht eine Ansteckung wahrscheinlicher – für Ungeimpfte und Geimpfte.

RKI Corona: Darum sind 2G-Veranstaltungen sicherer als mit 3G. (Symbolbild)
Corona: Darum sind 2G-Veranstaltungen sicherer als mit 3G. (Symbolbild) © Robert Koch-Institut (RKI)

Corona trotz 2G-Regel: So schützen Sie sich bei 2G zusätzlich gegen Corona

Wenn Sie diese Regeln beachten, sind Sie laut „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ auch bei einer 2G-Veranstaltung zusätzlich gegen Corona geschützt:

*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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