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Corona-Ausbruch bei EM: Zwölf Handballer infiziert – warum Deutschland dennoch siegte

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Von: Jennifer Köllen

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Gegen Polen fielen neun Spieler aus. Das spornte das restliche deutsche Team zur bisher besten Turnierleistung an. Ein Psychologe erklärt, warum.

Update vom 19. Januar, 10:19 Uhr: Im Spiel gegen Polen am Dienstag überragte die deutsche Handball-Mannschaft trotz Ausfall von neun Spielern und gewann. Die Motivation war hoch. Doch jetzt die nächste Hiobsbotschaft: Drei weitere Spieler haben Corona – damit erhöht sich die Zahl der Corona-Infektionen in der Mannschaft seit Turnierbeginn auf zwölf Spieler. Mittlerweile befindet sich fast die ganze Mannschaft in Isolation. Es gibt noch 13 gesunde Spieler, die heute gegen Spanien antreten. Es sei denn, es gibt im Laufe des Tages noch weitere positive Tests. Und dann?

Ein Rückzug der deutschen Mannschaft aus dem Turnier ist bereits Thema, berichtet die Hamburger Zeitung „Mopo“. Uwe Schwenker, der Präsident des Ligaverbands HBL, sagt: „Die Frage ist, ob es noch einen Sinn macht, das Team in Bratislava zu lassen“. 

Bratislava – Corona, Corona, Corona, und das ausgerechnet jetzt: Bei der Handball-EM 2022 in der Slowakei und Ungarn erwischte es in den vergangenen Tagen einen deutschen Nationalspieler nach dem anderen. Vor dem Spiel am Dienstagabend (18. Januar) gegen Polen dann die nächste Hiobsbotschaft: Wenige Stunden vor dem Anpfiff wurden auch Marcel Schiller und der Torwart Till Klimpke positiv getestet. Damit erhöhte sich die Zahl der Corona-Ausfälle im Kader auf neun Spieler!

Corona-Ausbruch bei EM: Neun Handballer infiziert – warum Deutschland dennoch siegte

Als erstes waren Julius Kühn und dessen Ersatzmann Hendrik Wagner positiv auf das Virus getestet worden. Am Montag erwischte es dann noch Torwart Andreas Wolff, die Außenspieler Timo Kastening und Lukas Mertens und die Rückraumspieler Kai Häfner und Luca Witzke. Alle neun infizierten Spieler haben sich im Hotel in Quarantäne begeben.

Im letzten Gruppenspiel gegen Polen am Dienstagabend war von Bundestrainer Alfred Gislason Ideenreichtum gefragt. Dieser zahlte sich aus: Deutschland bezwang Polen souverän mit 30:23 – auch dank des 39 Jahre alten Johannes Bitter, der als letzter Torwart im Kader überzeugte und viele Bälle halten konnte. Der Corona-Schock setzte bei den verbliebenen Spielern offenbar Kräfte frei – sie schafften es sogar, die „beste Turnierleistung“ zu spielen, feiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) das Team.

Jetzt heißt es Daumendrücken, damit nicht noch mehr Spieler krankwerden. Das nächste Spiel ist am Donnerstag um 18.00 Uhr gegen Spanien. Die Spieler sind zuversichtlich und motiviert. „Wir nehmen alles mit und wollen alles gewinnen“, sagte Christoph Steinert, der mit neun Treffern diesmal beste Torschütze zur FAZ. „Ab sofort gibt es nur noch Endspiele.“

Die Handballer Sebastian Heymann, Philipp Weber, Simon Ernst und Lukas Zerbe feiern ihren Sieg gegen Polen. (Symbolbild)
Trotz Corona-Ausfällen gewonnen: Die deutschen Handballer feiern nach ihrem Sieg über Polen. © Axel Heimken/Imago

Corona-Ausbruch bei EM: Hat der Vorfall die restlichen Spieler beflügelt?

Dass nach einem solchen Vorfall im Team die Spieler Bestleitung erbringen, geschieht im Sport immer wieder. Zuletzt bei der Fußball-EM 2021. Da brach am ersten Spieltag Dänemarks Top-Spieler Christian Eriksen auf dem Platz zusammen und wurde minutenlang wiederbelebt. Seine Mitspieler weinten, schirmten ihn von den Blicken der Zuschauer ab, dachten, er würde sterben. Die medizinische Helfer mussten sogar die lebensrettenden Maßnahmen per Herzmuskelmassage anwenden – mit Erfolg.

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Das Drama erlebten die Zuschauer vor den Fernsehern mit und es ließ wohl niemanden kalt. Nach einer Spielunterbrechung meldete sich Eriksen dann aus dem Krankenhaus per Video-Call bei seinen Kollegen. Und bat sie, gegen Finnland weiterzuspielen. Die Dänen verloren zwar das Spiel gegen Finnland, doch der Zusammenhalt des Teams setzte anschließend Kräfte frei. In den folgenden Spielen brillierten die Dänen, auch für ihren Teamkollegen und Freund, wie sie betonten. Sie spielten tollen Fußball und wurden wohl die beliebteste Mannschaft der EM.

Corona-Ausbruch bei EM: So ein Vorfall kann mentale Kräfte freisetzen, sagt ein Psychologe

Laut dem Sportpsychologen René Paasch hat das psychologische Gründe. Denn aus solchen Erlebnissen könne ein besonderer Teamgeist entstehen, der Kräfte freisetzt – vor allem, wenn die Spieler ein gutes Verhältnis zueinander haben. „Das kann schon zu einer Dynamik und einer höheren Leistung führen“, sagt er im Interview mit dem Magazin Stern. Dass die dänische Mannschaft mental gestärkt war, hätte auch daran gelegen, dass sie Eriksen und quasi ganz Dänemark im Rücken gehabt hätte. „Das kann für eine stärkere Geschlossenheit als Team sorgen und besondere Kräfte freisetzen.“

Das wünschen wir jetzt natürlich auch unseren Handballern bei der EM. Wobei der Sieg am Ende zweitrangig ist. Am wichtigsten ist nach wie vor die Gesundheit. Doch nach bisherigen Berichten geht es keinem der Handballer lebensbedrohlich schlecht. Und das bleibt hoffentlich so. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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