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Zweifel an RKI-Zahlen: Corona bei 80 Prozent der Covid-Toten doch nicht Todesursache?

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Von: Jennifer Köllen

Ein Corona-Patient wird von wird von medizinischen Fachkräften in Schutzanzügen aus dem Flugzeug in einen Intensiv-Krankenwagen überführt (Symbolbild)
Corona soll bei vielen der offiziellen Covid-Toten gar nicht die Todesursache sein. (Symbolbild) © Max Stein/Imago

Mediziner behaupten: Es wurden im Juli und August vom RKI deutlich mehr Todesfälle gemeldet, als tatsächlich an Corona gestorben sind. Der aktuelle Stand.

Update vom 2. September 2021, 12:27 Uhr: Nach bundesweiten Diskussionen zu den IGES-Zahlen hat sich der zitierte Wissenschaftler Bertram Häussler mittlerweile von der Darstellung der von uns zitierten WELT distanziert. Die Diskussion darüber war entfacht, da vielen Lesern nicht klar war, dass bei der Untersuchung nicht alle Todeszahlen seit Beginn der Pandemie berücksichtigt wurden, sondern nur die Zahlen von Juli und August 2021. Im Sommer gab es nur sehr wenige Todesfälle, im Juli beispielsweise waren es 233. Zum Vergleich: Im Dezember 2020 gab es fast 22.000 Todesfälle.

Auch das RKI hat sich mittlerweile zu der Thematik geäußert. Auf Nachfrage von tagesschau.de teilte eine Sprecherin des Instituts mit, es sei in die Auswertungen des zitierten Wissenschaftlers nicht einbezogen gewesen. Daher könne es auch nicht zu den Ergebnissen Stellung nehmen. Es fänden überhaupt keine Datenbereinigungen am RKI statt, die Daten würden von den Gesundheitsämtern eingegeben und geprüft. Bei Personen, bei denen bestimmte Vorerkrankungen beständen, sei das Risiko höher, an Covid-19 zu sterben. Es sei daher häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die Corona-Infektion zum Tod beigetragen habe. Es liege im Ermessen des Gesundheitsamtes, ob ein Fall als verstorben an beziehungsweise mit Covid-19 an das RKI übermittelt werde oder nicht, so die RKI-Sprecherin weiter. „Bei einem Großteil der an das RKI übermittelten Covid-19-Todesfälle wird ‚verstorben an der gemeldeten Krankheit‘ angegeben.“

Erstmeldung vom 31. August 2021, 14:48 Uhr: Berlin – Bei einem Großteil der vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Corona-Toten ist nicht klar, ob sie tatsächlich an Corona gestorben sind. Das wollen Mediziner des unabhängigen Gesundheitsforschungsinstituts IGES in Berlin herausgefunden haben. Die Sterbestatistik werde dadurch zunehmend verzerrt, sagt der IGES-Leiter und Mediziner Bertram Häussler in einem Interview mit der WELT. Trotz steigender Infektionszahlen schließt er künftig eine „massive Sterblichkeit“ aus.

Häusslers Team erstellt seit August 2020 den IGES Pandemie Monitor auf Basis wissenschaftlicher Analysen. Dieser wurde von Forschern und Medizinern in die Welt gerufen, um der Öffentlichkeit das Infektionsgeschehen so aufbereiten, dass kurz-, mittel- und langfristige Trends sichtbar werden. „Wir haben ermittelt, dass bei gut 80 Prozent der offiziellen Covid-Toten*, die seit Anfang Juli gemeldet wurden, die zugrundeliegende Infektion schon länger als fünf Wochen zurückliegt und man daher eher davon ausgehen muss, dass Corona nicht die wirkliche Todesursache war“, sagt Häussler im Interview.

Corona: Bei 80 Prozent nicht die Todesursache? Darum werden mehr Tote gemeldet

So kommt es zustande, dass andere Zahlen gemeldet werden: In Deutschland gäbe es mittlerweile 3,8 Millionen Menschen, die eine Corona-Infektion überlebt hätten. Rechnerisch würden täglich etwa 100 dieser Genesenen an regulären Todesursachen sterben. „Nun kommt es vor, dass solche Fälle im Gesundheitsamt einer vor Monaten gemeldeten Coronainfektion zugeordnet werden. Sie gehen dann in die Statistik des RKI als Corona-Sterbefall ein“, erklärt Häussler. Dabei könne es sich dabei einfach um einen alten Menschen handeln, der sich zwar infiziert hätte, jetzt aber an Herzversagen gestorben sei.

Corona: Bei 80 Prozent nicht die Todesursache? Darum meldet das RKI andere Zahlen

Laut Häussler wisse man beim RKI davon. Doch das Institut wolle sichergehen, dass in der Statistik kein Corona-Toter fehle. Doch angesichts der Menge der Meldungen werde die Sterbestatistik zunehmend verzerrter, findet Häussler.

Die wesentliche empirische Quelle für den IGES Pandemie Monitor sind die Daten, die das RKI täglich veröffentlicht. Diese wiederum werden von den 379 Gesundheitsämtern über die jeweiligen Landesbehörden an das RKI gemeldet. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz (IfSG). Die Forscher des IGES Gesundheitsinstituts verfügen über eine spezielle Datenbank, in der sie jeden Tag die gesamte RKI-Statistik speichern. Jeder Tag wird gesondert geführt. So können die Forscher jedem Corona-Toten ein Infektionsdatum zuzuordnen. Mit der regulären RKI-Datenbank funktioniert das nicht.

Bei diesen Berechnungen muss man allerdings beachten, dass sie lediglich im Juli und August 2021 erhoben wurden. Im Sommer gab es nur sehr wenig Todesfälle. Damit wurden die Berechnungen von IGES mit sehr wenigen Daten erhoben. Eine Untersuchung, die sich auf wenige Daten bezieht, ist nicht sehr aussagekräftig. Außerdem kann die Behandlung von Covid-19 Wochen dauern, die Menschen können auch nach fünf Wochen daran sterben. Es bleibt abzuwarten, was das RKI zu dieser Behauptung, das weniger Menschen tatsächlich an Corona gestorben sind, sagen wird.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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