1. 24vita
  2. Verbraucher

Corona: Schrumpft Gehirn nach Covid-19-Erkrankung?

Erstellt:

Von: Judith Braun

Kommentare

Gedächtnisprobleme zählen zu den Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung. Eine Studie zeigt, dass das Gehirn sogar kleiner werden kann.

München – Wer sich mit Corona infiziert, den kann die Krankheit in manchen Fällen auch nach dem Abklingen der ersten Symptome weiter beschäftigen. Man spricht dann von sogenannten Langzeitschäden. Neben Müdigkeit, Erschöpfung und Kurzatmigkeit zählen auch Gedächtnisprobleme oftmals zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Britische Wissenschaftler fanden in einer Studie sogar heraus, dass das Gehirn bei einigen Patienten nach einer Infektion geschrumpft war.

Corona: Wird das Gehirn nach einer Infektion kleiner? Studie macht verblüffende Beobachtung

Anhand von jeweils zwei Kernspin-Aufnahmen von 401 Corona-Infizierten erkannten Forscherinnen und Forscher um die Neurowissenschaftlerin Gwenaëlle Douaud der Universität Oxford, dass die Infektion mit dem Coronavirus wohl monatelang anhaltende Spuren hinterließ. Die Hirnaufnahmen wurden vor und nach der Infektion gemacht. Dazwischen lag ein Zeitraum von ungefähr 140 Tagen. In ihrer Studie, die in dem Fachmagazin „Nature“ erschien, zog das Team eine Kontrollgruppe von 384 Personen heran, von denen sich keiner mit Sars-CoV-2 infiziert hatte. Das Ergebnis der Untersuchung war verblüffend.

Corona-Studie liefert verblüffende Ergebnisse: Gehirn schrumpft offenbar nach Covid-19-Erkrankung

Denn die Hirnscans der mit Corona Infizierten wiesen mehr Auffälligkeiten auf als die Kontrollgruppe. Schon frühere Studien zeigten, dass eine Infektion mit dem Virus dem Gehirn schaden kann. So war das Gehirn der Infizierten auf den Bildern nach der Infektion etwas kleiner als zuvor und somit offenbar geschrumpft. Die Wissenschaftler konnten zudem erkennen, dass Bereiche, die für den Geruchssinn zuständig sind, beschädigt waren. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinn ist ein häufiges Symptom bei der Erkrankung mit Covid-19.

Außerdem hatte sich die graue Substanz, die Erinnerungen und Emotionen lenkt und in den Arealen des orbitofrontalen Cortex und des Gyrus parahippocampalis sitzt, verringert. Die Veränderungen zeigten sich selbst bei der Betrachtung der Gehirne von Patienten, die nicht in Krankenhäusern behandelt werden mussten und daher vermutlich mildere Verläufe hatten.

Noch mehr spannende Gesundheitsthemen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können

Nach Corona-Infektion: Forscher beobachten Veränderungen im Gehirn – doch erklären können sie es nicht

Während die Wissenschaftler all diese Beobachtungen in ihrer Untersuchung gemacht haben, fehlte ihnen zunächst jedoch eine Erklärung für die Veränderung der Gehirnareale, wie „Süddeutsche Zeitung Online“ berichtet. Bei den Auslösern könnte es sich möglicherweise um Entzündungen handeln, die während einer Covid-19-Erkrankung auftreten. Denkbar ist aber auch, dass die Schäden im Gehirn von dem Virus selbst ausgelöst wurden. Andererseits könnte der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns wiederum zum Abbau der dafür zuständigen Gehirnzellen führen. Bei der Untersuchung der Ursachen von Long-Covid machten Experten nun allerdings Fortschritte.

Ein Gehirn und das Coronavirus nebeneinander. (Symbolbild)
Wird das Gehirn nach einer Corona-Infektion kleiner? Eine Studie lieferte Ergebnisse. (Symbolbild) © Alexander Limbach/IMAGO

Gehirn-Veränderungen nach Corona-Infektion: Dennoch besteht kein Grund zur Sorge

Ein Grund zur Beunruhigung besteht allerdings nicht. Mit zwei Prozent Unterschied zwischen den beiden Gruppen sind die Auffälligkeiten relativ klein. Diese Veränderungen könnten auch andere Ursachen haben. Unklar ist außerdem, ob die beobachtenden Veränderungen auf Dauer bestehen bleiben. Laut „Süddeutsche Zeitung Online“ weiß Rebecca Dewey, Neurologin der University of Nottingham: Das Gehirn ist ein anpassungsfähiger Hochleistungsapparat, der Schäden dieses Ausmaßes vermutlich kompensieren kann. Die Mehrheit der Patienten erholt sich von der Infektion, bisher ohne bekannte und bleibende Schäden des Gehirns.

Long Covid und auch die Corona-Infektion selbst geben Forschern nach wie vor Rätsel auf, da jede Infektion anders verlaufen kann. Im Rahmen ihrer intensiven Analysen zur hochansteckenden Omikron-Variante stellten sie auch fest, dass es neue Symptome zu geben scheint*. *fr.de und HEIDELBERG24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare