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Steigendes Risiko für Übergewicht durch Corona-Pandemie: Auch einige Kinder sind betroffen

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Von: Christine Pander

Ein molliger Junge ist im Ganzkörperporträt zu sehen, der Hintergrund ist gelb
Kinder nehmen im Lockdown einer Studie zufolge an Gewicht zu (Symbolfoto). © imago-images.de

Ein Viertel aller Eltern und immerhin neun Prozent der Kinder unter zehn Jahren haben während des ersten Lockdowns an Gewicht zugelegt: Das zeigt eine Erhebung des Münchner Zentrums für Ernährungsmedizin.

München – Die meisten Kinder lieben Süßigkeiten. Das alleine wäre auch nicht dramatisch, ein wenig naschen ab und zu ist für gesunde Kinder in Ordnung. Während der Corona-Pandemie leben aber auch Kinder und Teenager im Ausnahmezustand: Ihre Kontakte sind stark eingeschränkt, Schule und Kindergarten findet mal statt, dann wieder nicht.

Corona-Pandemie und Übergewicht: Zu viel Süßes, zu wenig Bewegung

Dazu kommt, dass Spielplätze phasenweise geschlossen waren, Sport in Gruppen nicht erlaubt war und die Eltern im Balanceakt zwischen Arbeit und Kinderbetreuung zu Hause an die Grenzen der Belastbarkeit kamen. In manchen Haushalten hatte das zur Folge, dass nicht nur die Fernseh- und Online-Zeiten der Kinder ausgeweitet wurden, sondern dass teilweise auch ungesünder gegessen wurde.

Drei Trends zeichnen sich einer Studie des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der Münchner Universität zufolge bei Kindern und Jugendlichen ab: Rund die Hälfte der Zehn- bis 14-jährigen bewegen sich weniger. Viele ältere Kinder essen mehr Süßigkeiten und mehr salziges Knabberzeug und spülen alles mit mehr Softdrinks hinunter. Erschienen ist die repräsentative Studie im Fachmagazin „Annals of Nutrition and Metabolism“.

Corona-Pandemie und Übergewicht: Vor allem Jungen knabbern gerne

Das fatale: Mit dem steigenden Konsum energiereicher Snacks erhöht die Covid-19-Pandemie indirekt das Risiko für Übergewicht und Fehlernährung bei Kindern. Für die Studie befragte ein Team um Ernährungsmediziner Professor Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin München und das Meinungsforschungsunternehmen Forsa im September vergangenen Jahres rund tausend Elternteile von Kindern bis 14 Jahren. 38 Prozent der Eltern geben damals an, dass sich ihr Kind seit Beginn der Pandemie weniger bewegt hat.

So viele Kinder sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) in Deutschland übergewichtig:

Besonders oft ist dies den Ergebnissen zufolge bei den Zehn- bis 14-Jährigen der Fall. Mehr als die Hälfte bewegten sich deutlich weniger. Die Studie zeigt zwar, dass die älteren Kinder seit dem Lockdown mehr Obst und Gemüse und dafür weniger Fleisch und Wurst essen. Auf der anderen Seite greifen sie aber auch häufiger zu Schokolade, Gummibärchen, Eis oder Chips und Salzstangen.

Vor allem Jungen konsumieren den Forschern zufolge häufiger als vor der Pandemie Knabberartikel (20 Prozent), Süßigkeiten (22 Prozent) und Softdrinks (zwölf Prozent). Zu einer Gewichtszunahme kam es den Erhebungen zufolge vor allem bei zehn- bis zwölfjährigen Kindern, wobei Jungen mit 27 Prozent doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen (14 Prozent).

Corona-Pandemie und Übergewicht: Kindern droht Folge bis ins Erwachsenenalter

Wenn Kalorienaufnahme und -verbrauch langfristig nicht in Balance sind, führt das dem Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner zufolge zwangsläufig zu Übergewicht. In Deutschland sei bereits schon jedes sechste Kind davon betroffen, so Hauner.

Schon als Kinder haben sie dann im schlimmsten Fall gesundheitliche Probleme, die auch im Erwachsenenalter bestehen bleiben. Dazu gehören Herz- Kreislauferkrankungen oder Gelenkprobleme. Auch Depressionen können eine Folge sein. Und da auch Kinder an Covid erkranken können, ist Übergewicht ein Risiko, das bei einer Ansteckung für den Krankheitsverlauf ebenfalls nicht unterschätzt werden sollte.*

Nur 14 Prozent aller befragten Familien ernähren sich gesünder als vor der Pandemie. Sieben Prozent ernähren sich weniger gesund, und bei 79 Prozent gibt es keine Veränderung beim Speiseplan. Diese Trends sind der Studie zufolge weitgehend unabhängig von Einkommen und Bildungsstand.

Corona-Pandemie und Übergewicht: Eltern nehmen noch mehr zu als Kinder

Haben sich jedoch bereits Ernährungsfehler vor der Pandemie eingeschlichen, wurden diese in den vergangenen Monaten auch nicht besser. Da in vielen Fällen wochenweise Schul-, Kindergarten und Kitaverpflegung weggefallen ist, entfiel für manche Kinder schlimmstenfalls damit auch die einzig vollwertige, gesunde Mahlzeit am Tag.

Noch stärker als bei den Kindern macht sich die Pandemie allerdings auf den Hüften der Eltern bemerkbar: Gut ein Viertel der Frauen als auch der Männer berichten der Umfrage zufolge, zugenommen zu haben.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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