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Corona: Mehr als doppelt so viele Todesfälle – so gefährlich ist die neue Delta-Sublinie AY.4.2

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Von: Jennifer Köllen

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Dreidimensionale Abbildung einer einzelnen COVID-19 (Symbolbild)
Corona: Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt derzeit schon wieder rasch an. (Symbolbild) © Spectral/Imago

In England geht die neue Delta-Sublinie AY.4.2 um, die Todeszahlen steigen rapide. Auch in Deutschland steigt die Inzidenz auf 95. Rückt die Normalität in weite Ferne?

London – Vor kurzem sah es noch so aus, als wäre alles bald überstanden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verkündete, den Ausnahmezustand Ende November beenden zu wollen. Clubs öffneten, und Experten sagten ein Ende der Pandemie für nächsten Frühling voraus – vorausgesetzt, es gäbe keine neue, gefährliche Variante. Die lang ersehnte Normalität, sie erschien greifbar nahe.

Doch jetzt gibt es aus England und Deutschland neue Entwicklungen, welche diese Hoffnung schon wieder erschüttern könnten. In Großbritannien infizierten sich zuletzt ungefähr viermal mehr Menschen mit dem Coronavirus als in Deutschland. Außerdem wurden mehr als doppelt so viele Covid-19-Todesfälle registriert. Am Mittwoch (20.10.2021) warnte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen sogar auf 100.000 steigen könnten. Das berichtet der „Spiegel.“

Menschen im Londoner Soho Viertel Ende September 2021 (Symbolbild)
Nachdem die Corona-Maßnahmen gelockert wurden ist die Straße im Londoner Viertel Soho voll. Ein Grund für die steigenden Zahlen? (Symbolbild) © Belinda Jiao/Imago

Corona: Mehr als doppelt so viele Todesfälle – so gefährlich ist die neue Delta-Sublinie AY.4.2

Manche Experten sehen den Grund für die steigenden Zahlen in England in der vollständigen „Abschaffung der Schutzmaßnahmen zu einem Zeitpunkt, zu dem die Übertragung sehr hoch war“. Das vermutet zumindest Ravi Gupta, Professor für Mikrobiologie an der Universität Cambridge.

Die British Medical Association (BMA) fordert von der Regierung um Premierminister Boris Johnson die Wiedereinführung von Corona-Regeln. „Es ist bewusst fahrlässig von der Regierung in Westminster, keine Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen zu ergreifen wie das verpflichtende Maskentragen, Abstand halten und Lüften in Umgebungen mit hohem Risiko, vor allem beengten Innenräumen“, wurde der BMA-Vorsitzende Chaand Nagpaul in einer Mitteilung zitiert. Corona-Maßnahmen wie die Maskenpflicht und Abstandsregeln wurden in England mit dem „Freedom Day“ am 19. Juli gegen den Rat vieler Experten abgeschafft.

(Corona-Zahlen in Großbritannien drohen zu „explodieren“ – Minister mit besorgniserregender Prognose)*

Andere Experten, wie der US-amerikanische Arzt Scott Gottlieb, gehen hingegen davon aus, der jüngste Anstieg der Infektionszahlen in Großbritannien mit AY.4.2 zusammenhängen könnte. Auf Twitter schrieb er: „Das Vereinigte Königreich meldete den größten Anstieg der Covid-Fälle an einem Tag seit drei Monaten, gerade als die neue Delta-Variante AY.4 mit der S:Y145H-Mutation im Spike acht Prozent der sequenzierten Fälle erreichte. Wir brauchen dringend Forschung, um herauszufinden, ob diese Delta-Plus-Variante besser übertragbar ist, ob sie die Immunantwort teilweise umgeht?“

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Weitere Corona-Experten aus London vermuten laut der Zeitung „Financial Times“, dass AY.4.2 ungefähr zehn bis 15 Prozent ansteckender sein könnte als die Deltatypen, welche seit Monaten das weltweite Infektionsgeschehen bestimmen. In Großbritannien wird AY.4.2 genau beobachtet, heißt es in einem Bericht der britischen Gesundheitsbehörde vom 15. Oktober. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt an, dass die Subvariante von Delta seit Anfang Juli bisher etwa 280 Mal in Deutschland nachgewiesen worden ist.

Und jetzt? Wird es in Deutschland doch nicht so bald zu der lang erhofften Normalität kommen? Werden die (Todes-)Zahlen auch in Deutschland so steigen wie in England?

Corona: Auch in Deutschland steigen die Zahlen rapide. Wegen AY.4.2 ?

Es sieht so aus. Denn zwar ist die Verbreitung von AY.4.2 hierzulande noch sehr gering – bei Stichproben seit Juli nur zwischen null und 0,5 Prozent, wie die Zeitung „Berliner Kurier“ berichtet.

Doch auch in Deutschland steigt die Sieben-Tage-Inzidenz wieder stark an.* Das RKI meldete am Freitag (22.10.2021) 95,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Der Wert hat somit erstmals seit Mitte Mai die 90 überschritten. Am Donnerstag hatte er noch bei 85,6 gelegen, vor einer Woche noch bei 68,7. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 19.572 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 11.518 Ansteckungen gelegen. Auch die Todeszahlen steigen. Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 116 Todesfälle verzeichnet (Stand: 22.10.2021). Vor einer Woche waren es noch 65 Todesfälle gewesen.

Corona: Bayerns Gesundheitsminister sagt, „Wir werden weiter Schutzmaßnahmen brauchen“

Zwar gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn diese Woche bekannt, dass er den Ausnahmezustand Ende November erstmals nach 19 Monaten nicht mehr verlängern wolle. Doch hierbei stößt er bei vielen Politikern auf Gegenwind. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek sieht in der Pandemie-Bekämpfung keine Alternative zu einer Verlängerung der epidemischen Lage. „Sollte die epidemische Lage von nationaler Tragweite auslaufen, könnte das Infektionsschutzgesetz nicht mehr ohne weiteres angewendet werden“, sagt der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“. Die Maskenpflicht hätte dann etwa keine ausdrückliche Rechtsgrundlage mehr. „Das müssen wir unbedingt vermeiden – denn mit Blick auf möglicherweise steigende Infektionszahlen im Winter werden wir weiter Schutzmaßnahmen brauchen.“ Das Ende der Pandemie – es scheint zumindest in diesen Tagen in weite Ferne gerückt. *fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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