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Depression: Narzissmus in der Erziehung macht Kinder krank, wie eine Studie zeigt

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Narzisstische Eltern sehen eher die eigenen Bedürfnisse, als die ihrer Kinder. Laut Experten kann dies folgenschwer für die Entwicklung sein.

Narzissmus, hat das etwas mit der Blume Narzisse zu tun? Tatsächlich soll beides auf eine Sage der griechischen Mythologie zurückgehen, laut derer sich ein Jüngling namens „Narkissos“ in sein eigenes Spiegelbild verliebt – und letztlich an seiner Selbstverliebtheit zugrunde geht. Anstelle seines Leichnams soll nur eine Blume, die Narzisse, zurückgeblieben sein. Bis heute hat sich der Begriff des Narzissten gehalten und gewinnt wieder an Bedeutung, in einer vermeintlich Erfolgs-getriebenen, selbstbezogenen Gesellschaft.

Tatsächlich handelt es sich bei einer narzisstischen Persönlichkeit um Menschen mit einem großen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bewunderung. Oft stechen sie durch Arroganz und Selbstidealisierung heraus. Kritik ertragen sie nur schwer. Narzisstische Personen können sich wenig in andere hineinversetzen, Empathie hegen sie vielmehr für sich selbst. Welche drastischen Auswirkungen narzisstische Züge für die Beziehung und Erziehung von Eltern und Kind haben kann, konnten Forscher im Rahmen einer Studie aufzeigen.

Erziehung: Narzisstische Eltern machen Kinder depressiv, wie eine Studie zeigt

Mädchen sitzt traurig über ihren Hausaufgaben
Narzisstische Eltern reagieren durchaus kalt und zurückweisend, wenn ihre Kinder nicht die gewünschte Note in der Klassenarbeit erzielen. Kinder können sich dadurch wertlos und ungeliebt fühlen. (Symbolbild) © manae/Imago

Kinder werden durch die Erziehung Ihrer Eltern schon sehr früh in ihrer Entwicklung geprägt. So gibt es die sogenannten Helikopter-Eltern, durch deren Verhalten Kinder verhaltensgestörte Merkmale entwickeln können. Oder Rasenmäher-Eltern, die aufgrund ihres Erziehungsstils die Kinder unglücklich machen sowie Eltern, die mit ihrer „Schneepflug-Mentalität“ in der Erziehung ihre Kinder komplett überfordern. Kinder von narzisstischen Eltern leiden häufig unter der geringen Zuwendung und fehlenden Empathie. „Narzissten sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass für die Liebe zu Kindern kein Platz bleibt“, wie die Psychologin Prof. Dr. habil. Silke Wiegand-Grefe, Leiterin der Familienambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, gegenüber Spektrum äußert.

Eine Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnte aufzeigen: Kinder von psychisch kranken Eltern entwickeln mit einer 1,8- bis 2,9-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit selbst eine seelische Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung. „Durch die hohe Vererbbarkeit von Narzissmus sind die Kinder außerdem gefährdet, selbst narzisstisch zu werden“, zitiert Spektrum den Psychiater und Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin, Professor Dr. med. Stefan Röpke.

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Welche Folgen krankhafter Narzissmus eines Elternteils auf die Entwicklung der Kinder mit sich bringen kann, konnte im Rahmen einer norwegischen Studie unter der Leitung der Psychologin Professor Dr. Silje Steinsbekk bereits 2019 gezeigt werden. Es wurden über 600 Mütter, Väter und deren Kinder im Alter von vier bis acht Jahren begleitet und anhand von validierten Interviews befragt. Bei den Kindern narzisstischer Eltern zeigten sich ca. zwei Jahre nach der Studie Symptome von Depressionen mit Angstzuständen. Laut Forscher könne man davon ausgehen, dass sich der Einfluss der Persönlichkeitsstörung der Eltern auf die Kinder über die Zeit sogar noch verstärke.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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