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Digitalisierung: Femtech – Medizin muss weiblicher werden

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Von: Kristina Wagenlehner

Zwei junge Frauen sitzen an einem Tisch und gucken auf ein Tablet. Die eine hält ein Smartphone in der Hand. Auf dem Tisch steht ein Laptop. (Symbolbild)
Zyklus-Apps und smarte Armbänder finden bereits regen Anklang. (Symbolbild) © Eric Audras/Imago

Der männliche und weibliche Körper ist nicht derselbe. In der Digitalisierung der Medizin wurde das lange Zeit nicht beachtet. Das ändert sich jetzt.

Berlin – Femtech steht für Female Technologie (weibliche Technologie) und bezeichnet eine neue Sparte aus dem Bereich Medizintechnik, die sich speziell um die weibliche Gesundheit kümmert. Die digitalen Produkte sollen die Forschung und Datenlage zum weiblichen Körper verbessern. Und das ist dringend nötig.

Digitalisierung: Zyklus-App und smarte Armbänder – sinnvoll oder Spielerei?

Zyklus-Apps, Eisprungrechner oder smarte Armbänder gegen Hitzewallungen – Apps wie diese gibt es bereits und werden rege genutzt. Aber sind sie tatsächlich sinnvoll und können die Gesundheit von Frauen verbessern? Oder handelt es sich nur um reine Spielerei?

Dazu sagt Professorin Sylvia Thun vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung der Stiftung Charité gegenüber der Apotheken Umschau: „Für mich gehört beides zusammen: Nur, wenn ich Spaß an einer Software habe, nutze ich sie auch. Forscherinnen und Forscher, die sich mit dem weiblichen Körper beschäftigen, erhalten so Daten, die sie sonst nie bekommen hätten. So begreifen wir den Zyklus und Erkrankungen, die damit einhergehen, besser.“ Und nicht nur die Professorin denkt so: Mittlerweile werden verstärkt Lösungen für weibliche Bedürfnisse entwickelt.*

Digitalisierung: „Weibliche Körper werde in der Wissenschaft vernachlässigt“

Aber Femtech umfasst nicht nur Produkte für Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Verhütung oder für die Zeit der Wechseljahre. Die Digitalisierung in der Medizin müsse, so Thun, viel breiter angegangen werden: „Das ist ein entscheidender Schritt hin zu einem besseren Verständnis von geschlechterspezifischen Krankheitsbildern.“ Die „Blackbox Frau“ müsse nun endlich geöffnet werden. Denn nach wie vor werde der weibliche Körper in der Wissenschaft vernachlässigt. Beispielsweise unterscheiden sich die Anzeichen eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern. Oder: Für Frauen ist Alkohol noch schädlicher als für Männer.

Digitalisierung: „Vieles wäre erfolgreicher, hätte man vorher Frauen gefragt.“

Entscheidend für den Erfolg der Femtech-Produkte ist es aus Sicht von Sylvia Thun, dass Frauen an der Entwicklung beteiligt sind. Dies sei in Deutschland allerdings noch überhaupt nicht der Fall. Die digitale Medizin sei von Männern dominiert. „Vieles wäre erfolgreicher, hätte man vorher Frauen gefragt.“

Beim Thema Datensicherheit wünscht sich Thun generell mehr Mut zur Technik – und zu Daten: „Nur so kommen wir zu schnelleren Diagnosen und besseren Behandlungen. Aber die Angst der Deutschen vor dem Teilen von Daten ist ein Problem. Dabei sind wir alle froh, wenn es neue Therapien gibt.“

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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