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Elektronische Patientenakte (ePA): Was sind die Vor- und Nachteile?

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Von: Jasmina Deshmeh

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Ein Arzt erklärt Befunde auf einem Ipad (Symbolbild).
Mit der elektronischen Patientenakte (ePA) sind seit 1. Januar 2021 alle Gesundheitsdaten per App überall auf der Welt abrufbar (Symbolbild). © imago images / Westend61

Blutwerte, Vorerkrankungen, Allergien und Medikamente: All diese Informationen speichert die elektronische Patientenakte (ePA). Einige Patienten fürchten dabei um die Sicherheit ihrer Gesundheitsdaten. Alles was Sie zur digitalen Krankenakte wissen müssen.

Bonn – Die elektronische Patientenakte (ePA) speichert Gesundheitsdaten wie medizinische Befunde und Informationen aus vorhergehenden Untersuchungen und Behandlungen digital und macht sie weltweit über Apps abrufbar. Sie steht Patienten seit dem 1. Januar „freiwillig“ zur Verfügung, das heißt, sie wird von den Krankenkassen kostenlos angeboten und Patienten entscheiden selbst, welche Daten sie in die ePA eintragen und welche nicht. Ziel der ePA-Einführung ist es, das Gesundheitswesen weiter zu digitalisieren und seine Vernetzung voran zu treiben. Doch wie sieht es mit möglichen Risiken aus?

Elektronische Patientenakte: Wie funktioniert die ePA genau und wie komme ich an sie?

Welche Vorerkrankungen hat ein Patient, welche Medikamente nimmt er ein und wie verliefen frühere Untersuchungen und Therapien? All das steht bisher in Papierakten und damit in Aktenregalen diverser Praxen und Kliniken. Bei einem Arztwechsel sind diese Informationen nicht sofort verfügbar. Einige Untersuchungen müssen dann möglicherweise wiederholt werden. Das soll die elektronische Patientenakte (ePA) ändern.

Dazu werden Patienten nach und nach mit einer NFC-fähigen elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ausgestattet, über die sie sich für die ePA authentifizieren können. Die ePA wurde am 1. Januar 2021 eingeführt, wobei die Einführung in drei Phasen unterteilt ist:

Später soll die Dokumentenablage strukturiert werden können und ab 2022 auch Impfausweis, Mutterpass und das Untersuchungsheft für Kinder sowie das Zahnbonusheft beinhalten.

Elektronische Patientenakte: Wo liegen die Vorteile der ePA?

Die Idee hinter der ePA ist klar: Je besser Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken, Psycho- und Physiotherapeuten über die Krankengeschichte eines Patienten bescheid wissen, desto einfacher lässt sich eine passende Behandlung umsetzen. Arbeitsschritte, die bisher in Papierform abliefen, sollen mit der digitalen Akte künftig vereinfacht sowie Mehrfachuntersuchungen vermieden werden.

Elektronische Patientenakte: Kritische Stimmen

Zu Beginn können Versicherte bestimmen, welchen Arztpraxen sie Zugriff auf die elektronische Patientenakte geben wollen und diesen zeitlich eingrenzen. Später soll diese Einstellung für jedes einzelne Dokument separat möglich sein. Dass diese Funktion nicht von Anfang an zur Verfügung steht, sorgt für Kritik, etwa vom Datenschutzbeauftragten des Bundes, Ulrich Kelber. Er äußerte gegenüber der Deutschen Presseagentur, gegen die ePA vorgehen zu wollen. Neben „wesentlichen datenschutzrechtlichen Defiziten“ kritisiert Kelber die Ungleichbe­hand­lung von Patienten mit mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets und jenen, die darüber nicht verfügen und das Angebot nur mit der elektronischen Gesundheitskarte und einer PIN in der Arztpraxis nutzen können. Im November letzten Jahres warnte er schließlich die gesetzlichen Krankenkassen in einem offenen Brief vor dem „Defizitären Berechtigungsmanagement“ und forderte die Kassen auf, die ePA nur mit einem entsprechenden „feinen“ Zugriffsmanagement anzubieten.

Auch Mediziner sehen die ePA kritisch, wie die stellvertretende Bundesvorsitzende der freien Ärzteschaft, Silke Lüder. In einem Interview mit Deutschlandfunk erklärt sie, warum sie die aktuelle dezentrale Speicherung von sensiblen Patientendaten für sinnvoller hält: So verweist sie auf die Schweigepflicht der Ärzte, die bei einer dezentralen Datenspeicherung besser gewahrt werden könne. Würden die Daten zentral bei einer Firma (IBM) gespeichert und diese werde Opfer eines Hackerangriffs, seien gleich die „sensibelsten Daten überhaupt“ von Millionen von Menschen in Gefahr.

Elektronische Patientenakte: Wie sicher sind meine Daten in der ePA?

Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) werden die Daten in der ePA verschlüsselt abgelegt. Die Anwendungen, die auf die ePA zugreifen, seien Teil der Telematikinfrastruktur. Es handele sich dabei also um ein geschlossenes verschlüsseltes System, an das Ärzte, Krankenkassen, Krankenhäuser und Praxen angebunden sind und das durch kryptografische Verfahren abgesichert ist. Zudem versichert das BSI, dass die Daten auf Servern in Deutschland verarbeitet werden und den europäischen Datenschutzbestimmungen unterliegen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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