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Eltern altern schneller bei mehr als zwei Kindern – Grund ist Stress

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Kinder halten jung, heißt es häufig im Volksmund. Doch was ist dran an der aktuellen These, Kinder machen dumm? Eine neue US-Studie geht dem nach.

Durham – Für manche Eltern ist es das größte und langersehnte Glück, für andere wiederum eine tägliche Herausforderung mit weniger erfüllten Momenten. Für die einen endet der Kinderwunsch nach einem Kind, andere wünschen sich mindestens zwei Kinder zum Familienglück. So unterschiedlich die einzelnen Menschen, so verschieden sind auch die Bedürfnisse der einzelnen Eltern und ihr subjektives Glücksempfinden.

Und wie verhält es sich mit dem individuellen Stressempfinden und Umgang mit schwierigen Situationen? Auch in der Hinsicht kompensieren Eltern unterschiedlich. Und doch lassen sich möglicherweise übergreifende Aussagen treffen, wenn es um einen negativen Einfluss auf das Gehirn und die Hirnfähigkeit von Eltern durch ihren Nachwuchs geht. Dieser Annahme geht eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Columbia University in den USA sowie der Université Paris-Dauphine in Frankreich nach, die im Journal „Demography“ der Duke University Press veröffentlicht wurde.

Studienergebnisse deuten auf zunehmend schlechtere Kognition der Eltern hin

Die Forscher analysierten Daten aus der europaweit größten Langzeitstudie „Share – Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“, die Einblicke in die Bereiche öffentliche Gesundheit und sozioökonomische Lebensbedingungen von Menschen aus Europa ermöglicht. Die Wissenschaftler wollten den Einfluss von drei oder mehr Kindern im Vergleich zu zwei Kindern auf das elterliche Gehirn und dessen Kognition im Verlauf des menschlichen Lebens untersuchen. Hat Nachwuchs Einfluss auf die Stressresistenz, die Häufigkeit von Streit und die Bereitschaft, zu Schimpfen und wenn ja, was hilft dagegen?

Negativer Stress hat Einfluss auf die Gehirnaktivität der Eltern – insbesondere, wenn sie mehr als zwei Kinder haben.
Die Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten darauf hin, dass das Familienleben mit mehr als zwei Kindern eine schlechtere Kognition der Mutter wie auch des Vaters zur Folge haben kann. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/Imago

Im Rahmen ihrer Untersuchung werteten die Forscher die für ihre Zwecke relevanten Informationen zum Thema Kognition von Eltern im Rahmen der Share-Studie aus, die Menschen im Alter von mindestens 65 Jahren mit mindestens zwei Kindern aus 20 europäischen Ländern sowie Israel befragte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Familienleben mit mehr als zwei Kindern eine schlechtere Kognition der Mutter wie auch des Vaters im späteren Leben zur Folge haben kann.

Negativer Stress hat Einfluss auf die Gehirnaktivität der Eltern

Die Forscher sehen eine Ursache für den negativen Einfluss auf die elterliche Kognition des Gehirns in negativem Stress. Gerade in Corona-Zeiten ist Dauerstress mit Kindererziehung und Job ein Thema für Eltern. Dieser Stress kann wiederum auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein. Jedes weitere Kind innerhalb der Familie ist mit zusätzlichen finanziellen Kosten verbunden – auch, da möglicherweise mindestens ein Elternteil eine Zeitlang in Teilzeit berufstätig ist – wodurch das Familieneinkommen sich verringert und sich gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit erhöht, unter die Armutsgrenze zu fallen. Dadurch sinkt der Lebensstandard aller Familienmitglieder und finanzielle Sorgen und Unsicherheiten können möglicherweise entstehen. Eine anhaltende Sorge um Geld in der Familie kann negativen Stress begünstigen, der wiederum Einfluss auf die Hirnfähigkeit nehmen kann.

Darüber hinaus ist laut der Studie in vielen Fällen der Eltern mit mehr als zwei Kindern weniger Schlaf und weniger Selbstfürsorge die Folge, was ebenfalls negativen Stress begünstigen kann. „Der negative Effekt von drei oder mehr Kindern auf die kognitive Funktion ist nicht zu vernachlässigen, er entspricht 6,2 Jahren Alterung“, erklärt Wirtschaftsprofessor Eric Bonsang der Universität University Paris-Dauphine und Leiter der aktuellen Kognitionsstudie.

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Durch Nachwuchs verringert sich gleichzeitig das Risiko sozialer Isolation und einer Demenz-Erkrankung

Zwar kann ein Familienleben mit Nachwuchs – ob Einzelkind, zwei oder mehrere Kinder – mit Herausforderungen und Stress verbunden sein. Doch letztlich empfinden viele Eltern ihre eigenen Kinder auch als Segen und Bereicherung. Und laut deutscher Wissenschaftler profitieren auch Großeltern von ihren Enkelkindern: durch Babysitten sollen sie sogar länger leben. Ein positiver Umstand für älter werdende Eltern ist der in der Regel soziale Kontakt mit ihren Kindern und Enkelkindern, wodurch sie sich nicht nur weniger alleine fühlen – somit das Risiko sozialer Isolation sinkt. Auch ihr Gehirn wird dadurch kognitiv gefördert, sodass das Risiko für Demenz und Alzheimer im Alter möglicherweise sinken kann.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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