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Fingerknacken: Nur lästige Angewohnheit oder ist das Knacken schädlich?

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Von: Christine Pander

Ein muskulöser Mann mit Mütze sitzt vor dunklem Hintergrund und lässt seine Finger knacken (Symbolfoto).

Fingerknacken ist nicht angenehm (Symbolfoto). © Javier De La Torre Sebastian/imago-images

Manche Menschen lassen ihre Finger knacken und treiben damit ihr Umfeld in den Wahnsinn. Doch hat es auch negative Folgen für die Knacker?

Sacramento – Erstaunlicherweise haben sich Forscher in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder mit dem Fingerknacken und seinen Folgen beschäftigt. Es gibt einige bestätige Erkenntnisse aus größeren Erhebungen. Klar ist inzwischen zum Beispiel, woher das Geräusch kommt, das manch Zuhörer fürchterliche Schauer über den Rücken jagt.

Fingerknacken: Geräusch kommt von platzenden Gasbläschen

Der gängigsten Theorie nach, so schreibt das Ärzteblatt, hängt das Geräusch mit einem Vakuum zusammen: In der Gelenkschmiere, so führen es die Mediziner aus, ist Kohlenstoffdioxid in gelöster Form enthalten. „Zieht der Knacker seine Gelenke lang, geht das CO2 in Gasform über, es bilden sich Bläschen.“ Wenn diese dann platzen, ploppt es. Eine kleine Studie von kanadischen Forschern, die im Fachmagazin PlosOne erschien, bestätigt, dass das Geräusch durch ein Vakuum ausgelöst wird.

Die Herkunft des Geräuschs wäre also hinreichend geklärt, doch hat die Angewohnheit auch einen Nutzen? Passionierte Knacker behaupten zumindest, dass es eine Art Entspannung bringt. Zwischen 25 und 45 Prozent der Menschen sind Studien zufolge in der Lage, ihre Gelenke absichtlich knacken zu lassen. Meist wollen sie damit aber nicht provozieren. Die Angewohnheit, die Fingergelenke knacken zu lassen, hat Studien zufolge keine wirklich messbare funktionelle Relevanz, zumindest nicht kurzfristig.

Fingerknacken: Wer das kann, kann meist auch andere Gelenke knacken lassen

Kurz und gut: Eigentlich bringt es nichts. Zu diesem Ergebnis kommt eine kalifornische Studie, in der 400 Gelenke unmittelbar vor und nach dem Knacken untersucht wurden. Und wenn es schon nichts bringt, schadet es dann womöglich auch noch? Robert D. Boutin und sein Team von der University of California können diesbezüglich Entwarnung geben, zumindest, was kurzfristige Folgen angeht.

Die Forscher haben die Gelenke von insgesamt 40 asymptomatischen Freiwilligen untersucht. 30 Teilnehmer waren in der Lage, ihre Gelenke knacken zu lassen, die restlichen zehn konnten das nicht. Alle Teilnehmer hatten zuvor das Verbot erhalten, vier Stunden lang nicht mehr an ihren Gelenken zu ziehen. Dann sollten sie in Gegenwart der Forscher ihre Finger am sogenannten Grundgelenk auseinanderziehen. Sowohl vor als auch nach dem Versuch wurden die Teilnehmer auf Schwellungen, Zugriffstärke der Hand sowie auf Beweglichkeit der Finger untersucht. Eine Ultraschalluntersuchung sollte außerdem in Echtzeit beobachten, was während des Fingerknackens passiert.

Fazit: Bei den Knöchelknackern war der Winkel zwischen maximal gestrecktem und gebeugtem Finger im Schnitt neun Grad größer als bei den Nicht-Knackern. Schwellungen traten in beiden Gruppen nicht auf. Probanden, die in der Lage waren, ihre Finger knacken zu lassen, konnten das übrigens meist auch an anderen Gelenken.

Immer wieder beschäftigen sich Mediziner auch mit der Frage, ob häufiges Fingerknacken das Arthrose-Risiko steigen lässt. Ein Allergologe wollte das ganz genau wissen und wagte den Selbstversuch: Donald Unger ließ dafür 50 Jahre lang jeden Tag mindestens zwei Mal die Fingern seiner linken Hand knacken. Die rechte Hand ließ er dafür aus. Addiert dehnte Unger ungefähr 18 520 Mal die Knöchel seiner linken Hand.

Fingerknacken: Exzessives Ploppen scheint ungefährlich zu sein

In einer Röntgenuntersuchung konnten 50 Jahre später keine Veränderungen zwischen linker und rechter Hand festgestellt werden. Bis heute habe er keine negativen Folgen von dem Experiment, ließ Unger verlauten. In einem wissenschaftlichen Artikel dokumentierte er seine Ergebnisse und kam zu dem Schluss: Knacken ist nicht schädlich.

Was das Fingerknacken langfristig mit den Gelenken macht, kann durch diese Einzelbeobachtung von Donald Unger nicht wirklich beantwortet werden. Andere kleine Studien kamen jedoch auch zum Ergebnis, dass das Fingerknacken wohl eine ungefährliche Angewohnheit ist. Möglich wäre jedoch, dass exzessives Ploppen das Gegenüber in den Wahnsinn treibt. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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