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Fleisch-Haltungsform: Welches Siegel überhaupt etwas über das Tierwohl aussagt

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Von: Kristina Wagenlehner

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Tierwohl-Label auf einer Fleischverpackung. (Symbolbild)
Siegelwüste: Es gibt kein staatliches Siegel für das Tierwohl. Dafür jede Menge Einzelsiegel. (Symbolbild) © Paul Eckenrot/Imago

Auf einer Packung Fleisch klebt Siegel neben Siegel. Welches Label etwas über das Tierwohl und die Haltungsform aussagt, lesen Sie hier.

Bonn – Den Deutschen sind die Tiere wichtig: Wie sie gehalten und geschlachtet werden und was sie zum Essen bekommen. Aus dem Ernährungs­report der Bundes­regierung 2021 geht hervor, dass 92 Prozent der Befragten beim Kauf von unverarbeiteten Fleisch wichtig ist, wie das Tier gehalten wurde.

Fleisch-Haltungsform: Staatliches Siegel? Fehlanzeige!

Fast genauso viele der Umfrageteilnehmer – 86 Prozent – wünschen sich ein staatliches Siegel. Ein staatliches Tierwohl-Logo kommt aber wieder nicht*, vor allem nicht vor der Wahl. Derweil existieren Pläne für ein staatliches Tierwohlsiegel bereits seit 2017, ein Gesetz­entwurf seit September 2019. Laut Spiegel legen die Parteien das Gütesiegel jetzt ad acta, weil die SPD die Entwürfe für ungenügend halte. Während die Politik bummelt, prescht ein Unternehmen nach vorn. Discounter Aldi verspricht, spätestens ab 2030, kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr zu verkaufen.*

Aktuell findet sich der Verbraucher am Ende der Fleischnahrungskette noch in einer Wüste von Tier­wohl-Siegeln wieder. Wir stelllen einige vor.

Fleisch-Haltungsform: Supermärkte geben Orientierung

Haltungsform heißt das Kennzeichen, das mittlerweile auf vielen Fleischprodukten in Supermärkten zu finden ist. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Siegel oder ein neues Programm. Vielmehr erkennen die Verbraucher anhand der Stufen eins bis vier, wie viel Tierwohl in dem Produkt steckt. Für jedes Tier gelten andere Kriterien und Mindestanforderungen für die Bereiche: Platz, Haltung, Beschäftigung, Zuchtlinie, Fütterung, Tiergesundheitsmonitoring. Haltungsform soll außerdem dabei helfen, die Siegel, die weiterhin auf den Verpackungen zu finden sind, besser einschätzen zu können. Das sind die Stufen:

Logo der Haltungsform-Kennzeichnung. Hier Stufe 1: Stallhaltung
Fleisch der Haltungsform Stufe 1 genügt lediglich den gesetzlichen Mindeststandards. © Sebastian Gollnow/Picture alliance

Je höher die Stufe, desto mehr Tierwohl, desto teurer ist aber auch das Produkt. Stiftung Warentest fand heraus, das Bio-Hähn­chen aus Stufe 4 etwa fünf­mal mehr kosten als Stan­dard­fleisch der Stufe 2. Fleisch der Stufe 3 kostete eineinhalb mal so viel wie das aus Stufe 2. Am besten hatten es Tiere der Stufe 4. Welche Stufen ein Supermarkt anbietet, entscheidet jeder Markt selbst.

Fleisch-Haltungsform: Siegel Initiative Tier­wohl

Putenfleisch in einer Plastikschale mit Angabe der Haltungsform und den Siegeln Initiative Tierwohl und Pro Planet. (Symbolbild)
Nur einen kleinen Beitrag zum Tierwohl leisten, laut Verbraucherzentrale, Produkte mit dem Label Initiative Tierwohl. © Gottfried Czepluch/Imago

Produkte mit dem Label Initiative Tierwohl leisten laut Verbraucherzentrale nur einen kleinen Beitrag für eine verbesserte Tierhaltung. Die Anforderungen an solche Produkte liegen nur wenig über denen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Das zeigt sich auch in der Haltungsform: Produkte die das Label tragen, fallen nur in die Stufe 2 „Stall­haltung Plus“.

Fleisch-Haltungsform: Tier­schutz­label vom Tier­schutz­bund

Logo des Tierschutzlabels
Das Tierschutzlabel steht für besonders viel Tierwohl, aber es ist noch Luft nach oben. © dpa/Picture alliance 

Ein weiteres Siegel ist das Tierschutzlabel vom Tierschutzbund. Ein Produkt, das dieses Label trägt, soll aus tiergerechter Produktion kommen. Dabei wird zwischen einem Stern, der Einsteigerstufe und zwei Sternen der Premiumstufe unterschieden. Ein Stern auf dem Label bedeutet für Schweine beispielsweise, dass sie 45 Prozent mehr Platz haben als das Gesetz vorschreibt. Zwei gelbe Sterne auf dem Label heißt: Das Tier hatte vor seiner Schlachtung Zugang zu Frisch­luft und Auslauf. Aber selbst die Premiumstufe entspricht nur der „Haltungs­form Stufe 3“.

Fleisch-Haltungsform: Bio-Siegel

Egal ob pflanzlich oder tierisch: Lebensmittel, die in der EU biologisch hergestellt deren Produzenten zertifiziert sind, tragen das grüne Blatt des EU-Bio-Siegels. Neben den ökologischen Anforderungen an die biologische Land­wirtschaft gelten auch strenge Kriterien für die Tierhaltung. Dazu gehören die Herkunft der Tiere, die verwendeten Futtermittel, die Krank­heits­vorsorge und die tier­ärzt­liche Behand­lung sowie die Reinigung der Ställe. Tierische Bio-Produkte fallen deshalb in die höchste Tierwohl-Stufe der Haltungsform.

Das Logo des Bio-Siegel.
Für Fleischprodukte mit dem Bio-Siegel gelten besonders hohe Standards in Sachen Tierwohl. © EU/dpa-tmn/picture alliance

Neben dem grünen Blatt gibt es auch Siegel größerer Bioverbände – Bioland, Naturland und Demeter. Auch sie beinhalten Tier­wohl­stan­dards, die in einigen Punkten sogar noch strenger sind, als beim EU-Siegel. Für Tierschützer, die sich nicht vegetarisch oder vegan ernähren, sind deshalb Fleischprodukte, die ein Bio-Siegel tragen die bessere Wahl.

Fleisch-Haltungsform: Neuland-Siegel

Das Neuland-Siegel weist Fleisch aus, deren Tiere besonders artgerecht behandelt wurden. Allerdings sind die Lebensmittel nicht biologisch, sondern konventionell hergestellt. Nichtsdestotrotz entspricht es nach dem Kennzeichnungssystem Haltungsform der Stufe 4 „Premium“ und steht für besonders viel Tierwohl. Und wie sieht es aus? Das Neuland-Logo zeigt schwarze Hoftiere vor einem blauen Hintergrund.

Fleisch-Haltungsform: Das Siegel Pro Planet

Putenfleisch in einer Plastikschale mit Angabe der Haltungsform und den Siegeln Initiative Tierwohl und Pro Planet. (Symbolbild)
Das Siegel Pro Planet ist eine Eigenmarke der Rewe Gruppe. © Gottfried Czepluch/Imago

Man findet es auf Billigmarken und Eiern aus Freilandhaltung. Das Label Pro Planet ist eine Eigenmarke der Rewe Gruppe und zertifiziert nur Produkte, die Teil der Eigenmarke Rewe sind. In der Mitte des Siegels steht eine Kennziffer, über die man sich über die Nachhaltigkeit des Produkts informieren kann. Das Label zertifiziert nur konventionelle Produkte und anhand orientiert sich an den Standards und Zertifizierungssystemen anderer. Nach eigenen Angaben sind die Produkte sozial und ökologisch nachhaltiger produziert oder erfüllen erhöhte Tierwohlstandards. Eine richtige Einschätzung wie viel Tierwohl in einem Pro Planet gelabelten Produkt steckt ist, aber nicht wirklich möglich. Putenfleisch mit dem Pro-Planet-Label kann beispielsweise in die Stufe 2 der Haltungsform fallen – für besonders viel Tierwohl steht die aber nicht.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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