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Online-Glücksspiel: Fast jeder Fünfte zeigt auffälliges Verhalten oder Abhängigkeit

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Von: Kristina Wagenlehner

Ein Smartphonebildschirm auf dem ein Glücksspiel zu sehen ist, das eine Frau spielt. (Symbolbild)
Online-Glücksspiel: Fast jeder fünfte Spielende zeigt suchtähnliches Verhalten. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago

Online-Glücksspiel: Fast jeder Fünfte, der online sein Glück versucht, zeigt ein auffälliges oder abhängiges Verhalten. Eine Gruppe ist besonders gefährdet.

Köln – Drei Klicks und schon winkt das große Geld: Glücksspiel findet schon lange nicht mehr nur in verrauchten Casinos statt. Online können Glücksspielende zu jeder Tages- und Nachtzeit Geld gewinnen oder verlieren. Mit dramatischen Folgen: Jeder Fünfte zeigt laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein „problematisches“ Glücksspielverhalten oder ist von einer Spielsucht betroffen.

Online-Glücksspiel: Viele zeigen auffäliges oder abhängiges Verhalten

In Deutschland sind laut einer aktuellen Studie der BZgA rund 430.000 Menschen von einem problematischen Glücksspielverhalten oder einer Glücksspielsucht betroffen. Zu den Risikogruppen gehören junge Männer bis 25 Jahre. Besonders gefährdet sind sie, wenn sie einen Migrationshintergrund haben oder ein eher niedriges Einkommen aufweisen. Prof. Dr. Martin Dietrich, kommissarischer Leiter der BZgA, sieht im Online-Glücksspiel eine besondere Gefahr: „Online-Glücksspiel ist – im Vergleich zu anderen Glücksspielarten – mit einem erhöhten Suchtrisiko verbunden. Das erhöhte Suchtrisiko ist dadurch bedingt, dass Online-Glücksspiele rund um die Uhr immer und überall gespielt werden können. Die BZgA-Studiendaten zeigen auf, dass nahezu jeder fünfte Spielende von Online-Casinospielen ein problematisches oder abhängiges Spielverhalten zeigt.“ Digital Detox, also der bewusste Verzicht auf das Handy, wäre zwar eine Möglichkeit aus dem Strudel zu kommen, ist aber für viele gar nicht mehr möglich.

Online-Glücksspiel: Spielsucht offizielle Krankheit

Krankhaftes (pathologisches) Glücksspiel-Verhalten ist mittlerweile als Krankheit anerkannt und wurde in den internationalen Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-5 aufgenommen. Im DSM-5 gehört die Glücksspielstörung („Gambling Disorder“) zu den Abhängigkeitserkrankungen. Symptome einer Glücksspielstörung sind:

Informationen, Hilfe und Selbsttest finden Betroffene unter anderem auf der Seite der BZgA unter www.check-dein-spiel.de. Oder per Telefon kostenfrei und anonym unter der Telefonnummer 0 800/1 37 27 00.

Online-Glücksspiel: Neuer Glücksspielstaatsvertrag

Seit 01. Juli 2021 ist der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft: Zukünftig können bundesweit Lizenzen für Online-Glücksspiele vergeben werden. Zudem wird eine Steuer auf Online-Glücksspiele erhoben. „Durch den Glücksspielstaatsvertrag erhoffen sich die Länder klare Strukturen und einen besseren Spieler- und Jugendschutz. Das ist auch dringend nötig! Immerhin ist es bisher kinderleicht, im Netz sein ganzes Hab und Gut zu verspielen. Ich erwarte, dass die Länder sich ihrer Verantwortung bei dem Thema bewusst sind. Die zuständige Aufsichtsbehörde darf kein zahnloser Tiger sein, sondern muss rigoros durchgreifen, sollte es irgendwelche Verstöße geben. Die Suchtgefahr bei Online-Glücksspiel ist einfach viel zu hoch, als dass man bei dem Thema ein Auge zudrücken könnte“, sagt Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Die Frage, die sich nun stellt, ist allerdings, ob mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag Spielende in den Schwarzmarkt getrieben werden.*

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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