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Mikroplastik in Kosmetik: Greenpeace findet Kunststoff in Hunderten beliebten Produkten

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Von: Jasmina Deshmeh

Verschiedene Kosmetikartikel zum Schminken liegen in einem Drogerieregal (Symbolbild)
Viele Kosmetikprodukte enthalten Mikroplastik - entweder in Granulat-, Gel- oder flüssiger Form (Symbolbild) © ingimage/imago-images

Im letzten Jahr versprach die Kosmetikindustrie, Mikroplastik in ihren Produkten zu reduzieren. Bisher ohne Erfolg, wie eine Untersuchung von Greenpeace zeigt.

Hamburg – Die Umweltorganisation Greenpeace hat bei einer Untersuchung in hunderten Kosmetikartikeln Mikroplastik gefunden. Die Ergebnisse zeigen, dass bisherige freiwillige Maßnahmen der Kosmetikbranche zum Verzicht auf Kunststoffe nicht ausreichen. Das Problem: Mikroplastik reichert sich über das Abwasser in der Umwelt an und auch für die menschliche Gesundheit sind die Substanzen nicht unbedenklich. Die Experten fordern deshalb ein klares Verbot.

Greenpeace untersucht Kosmetikprodukte: Was ist Mikroplastik?

Nach Angaben des Umweltbundesamtes gelten Plastikstücke als Mikroplastik, wenn sie kleiner als fünf Millimeter und damit mit dem bloßen Auge schwer erkennbar sind. Das in der Kosmetikindustrie eingesetzte Mikroplastik ist sogenanntes primäres Mikroplastik, also feinstes Granulat oder flüssiges Plastik, das schon als Mikroplastik produziert wurde. Darüber hinaus gibt es auch sekundäres Mikroplastik, das durch Verwitterung von Makroplastik entsteht.

Greenpeace untersucht Kosmetikprodukte: Die Untersuchung

Anlass der Greenpeace-Untersuchung war, dass sich die Kosmetikindustrie 2020 im sogenannten „Kosmetik-Dialog“ mit der Bundesregierung bereit erklärt hatte, Mikroplastik in ihren Produkten nicht länger zu nutzen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Selbstverpflichtung. Die Umweltschützer wollten prüfen, inwiefern diese umgesetzt wurde. Dazu untersuchten sie 664 Artikel von elf beliebten Marken.*

Bereits ein Blick auf die Webseiten der Hersteller verriet: In 76 Prozent der Produkte steckt Plastik, wobei 26 Prozent feste Plastikpartikel und die restlichen Produkte flüssiges, halbfestes oder gelöstes Plastik enthalten. Im Labor prüften die Experten außerdem elf ausgewählte Artikel auf ihre gelisteten Inhaltsstoffe und weitere Plastikarten – mit alarmierendem Ergebnis: Ausgerechnet die Kosmetik, die mit empfindlichen Körperstellen wie Augen oder Lippen in Berührung kommt, enthält Mikroplastik, das auf diese Weise eingeatmet oder verschluckt werden kann. Einmal im menschlichen Körper, können die Nanopartikel sogar die menschliche Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta durchdringen.

Kosmetik, in der am häufigsten Plastik gefunden wurde:

Die fünf Marken mit dem höchsten Anteil an mikroplastikhaltigen Produkten waren:

Greenpeace untersucht Kosmetikprodukte: Auch Produkte mit der Bezeichnung „mikroplastikfrei“ enthalten Kunststoffe

Einige Hersteller gehen sogar soweit, dass sie ihre Produkte als „mikroplastikfrei“ bewerben, obwohl sie suspendierte, flüssige, wachs- oder gelartige Kunststoffe enthalten, heißt es in dem Bericht. Das ist möglich, da es bisher keine allgemeingültige, offizielle Definition von Mikroplastik gibt. Die Hersteller legen also selber fest, was sie unter Mikroplastik verstehen. Nicht selten sind das lediglich feste Plastikpartikel, obwohl auch die Wirkung ihrer flüssigen Verwandten auf Mensch und Umwelt weitgehend ungeklärt ist.

Greenpeace untersucht Kosmetikprodukte: Experten fordern klares Verbot

Nach Ansicht der Greenpeace-Experten ist damit der Weg der Regierung, auf freiwillige Selbstverpflichtung zu hoffen, gescheitert. Sie fordern vom Umweltministerium eine gesetzliche Regelung für den Einsatz von Mikroplastik in Kosmetik und den Versuch, ein europaweites Verbot aller Arten von zugesetztem Plastik in Kosmetikartikeln anzustoßen. Denn dass es auch anders geht, zeigen Anbieter von zertifizierter Naturkosmetik: Ihre Produkte müssen frei von Erdölprodukten sein. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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