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Panik und Angst beim Auskatern: „Hangxiety“ ist verbreitet

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Von: Laura Knops

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Kopfschmerzen, Müdigkeit und Unwohlsein sind die häufigsten Symptome eines Katers. Doch zu viel Alkohol kann auch Auswirkungen auf die Psyche haben.

Exeter – Der Morgen nach einer durchzechten Nacht ist meist weniger schön – vor allem wenn am Abend zuvor viel Alkohol geflossen ist. Wer unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Unwohlsein leidet, schwört sich daher häufig von nun an, nie wieder Alkohol zu trinken. Neben den typischen Beschwerden eines Katers leiden nicht wenige zudem an psychischen Symptomen wie Angstzuständen und Überforderung. Obwohl diese Beschwerden nur selten mit dem Konsum alkoholischer Getränke in Verbindung gebracht werden, ist „Hangxiety“ weit verbreitet. Woher kommt diese Angst können Sie dagegen tun?

Hangxiety: Darum leiden viele bei einem Kater unter Ängsten

Der Begriff „Hangxiety“ stammt aus dem englischen Sprachraum und setzt sich aus den beiden Wörtern Hangover (Kater) und Anxiety (Angst) zusammen. Hangxiety beschreibt also Angstzustände, die bei einem Kater entstehen können. Neben Angstgefühlen leiden Betroffene häufig allerdings auch unter Kopfschmerzen, Magenverstimmungen, Zittern, Herzrasen, Überforderung und Kurzatmigkeit.

Eine junge Frau liegt im Bed (Symbolbild).
Angstgefühle und Unsicherheit können Symptome eines Katers sein (Symbolbild). © Maskot / Imago

Während die meisten Menschen zwar um die körperlichen Begleiterscheinungen von zu viel Alkohol wissen, werden Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Verwirrtheit und Ängstlichkeit nur selten thematisiert. Tatsächlich ist „Hangxiety“ aber ein weitverbreitetes Phänomen. Einer Studie der Universität Utrecht zu Folge, die 2017 im Fachjournal „Human Psychopharmacology: Clinical & Experimental“ erschien, leiden rund 22 Prozent der Befragten bei einem Kater unter psychischen Begleiterscheinungen wie Ängsten. Doch warum ist das so?

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Hangxiety: Die Ursache liegt im Gehirn

Obwohl Alkohol dem Körper zunächst das Gefühl vermittelt, mehr Energie zu haben, wirken Wein, Bier und Co. eher beruhigend. „Alkohol wirkt ja chemisch auf das Gehirn, wirkt besonders auf die Rezeptoren, die für Dämpfung, Beruhigung, Angstlösung zuständig sind, das sind die GABA-Rezeptoren, die kennen wir beispielsweise auch von Valium“, erklärt Professor Falk Kiefer, Präsident der deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie gegenüber dem Deutschlandfunk.

Alkoholische Getränke dämpfen also das zentrale Nervensystem. Die Folge: Wir fühlen uns weniger gehemmt, aber auch Ängste und Sorgen werden reguliert. Denn nach dem zweiten oder dritten Drink blockiert das Gehirn den Neurotransmitter Glutamat. Sobald die Wirkung des Alkohols allerdings abklingt, versucht der Körper diesen „Entzug“ wieder auszugleichen. Nun setzt der Organismus die Hormone, die unter dem Alkoholeinfluss unterdrückt waren, wieder frei – und das mit voller Wucht.

Hangxiety: Auch die Persönlichkeit spielt eine Rolle

„Hangxiety“ kann verschiedene negative Gefühle auslösen. Auch am Tag nach einer Party können Betroffene sich daher nervös, unruhig und nicht selten ängstlich fühlen. Ob und wie stark diese Begleiterscheinungen von Alkohol wahrgenommen werden, ist allerdings individuell sehr verschieden. So spielen die genetischen Voraussetzungen, aber auch die Persönlichkeit eine Rolle.

Wissenschaftler fanden heraus, dass gerade schüchterne Menschen häufiger nach dem Konsum von Alkohol unter Angstzuständen leiden als extrovertierte Personen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Exeter aus dem Jahr 2018. Hinzukommt, dass introvertierte Personen möglicherweise eher dazu neigen, mit Alkohol ihre Unsicherheit überwinden zu wollen. Flacht die Wirkung ab und tritt infolgedessen die „Hangxiety“ wieder auf, kann dies zu einem Teufelskreis führen.

Hangxiety: Angstgefühle als Warnzeichen

Bis zu zwei Tage kann es dauern, bis die Symptome wieder abnehmen. So braucht das Gehirn etwas Zeit, um zum Status quo zurückzukehren. Wer allerdings große Menge alkoholischer Getränke zu sich genommen hat – und dies über einen langen Zeitraum – hat meist länger mit Angstgefühlen zu kämpfen. In manchen Fällen kann der Körper mehrere Wochen brauchen, bis er sein Gleichgewicht wiedergefunden hat.

Wie stark die Angst ausfällt, hängt auch von der Alkoholmenge ab, die sich im Blut befindet. Je mehr Alkohol getrunken wurde, umso stärker auch die Gegenreaktion. Ist der Kater besonders schlimm, nehmen sich viele Menschen vor, erst mal auf alkoholische Getränke zu verzichten. Das ist auch gut so. Denn „Hangxiety“ kann auch als Warnzeichen des Körpers angesehen werden, nicht zu viel und zu häufig zu trinken. Doch was tun, wenn doch mal zu tief ins Glas geschaut hat?

Hangxiety: Ausreichend Wasser trinken kann helfen

Treten Unsicherheit und leichte Angstgefühle auf, hilft es, den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen und viel Wasser zu trinken. Wer um die möglichen Begleiterscheinungen weiß, kann zudem besser damit umgehen und diese leichter aushalten. So klingen die Beschwerden in der Regel nach einigen Stunden wieder ab.

Doch auch schon während der Party kann man „Hangxiety“ vorbeugen. Wer zwischen jedem alkoholischen Getränk ein Glas Wasser trinkt, verringert meist nicht nur die körperlichen Symptome. Alkohol entzieht dem Gehirn Flüssigkeit und kann so die Funktionsweise enorm beeinträchtigen. Wasser kann diesem Effekt entgegenwirken. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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