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Weniger geschützt? Wie Antibiotika den Impfschutz bei Kleinkindern beeinflusst

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Von: Laura Knops

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Eine Reihe von Impfungen soll Kinder in den ersten Lebensjahren vor schweren Infektionskrankheiten schützen. Antibiotika können den Impfschutz jedoch verringern.

Rochester – Impfungen sollen den Körper vor möglichen Erkrankungen schützen. Kleinkinder erhalten daher bereits in den ersten Lebensmonaten eine Reihe von wichtigen Schutzimpfungen. Doch die Einnahme bestimmter Medikamente kann die lebensrettende Schutzwirkung nachhaltig beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe US-amerikanischer Wissenschaftlern in einer aktuellen Studie. Demnach verringert sich die Bildung von Antikörpern und damit auch der Impfschutz bei Kleinkindern, die zuvor Antibiotika eingenommen haben, deutlich.

Weniger geschützt? Wie Antibiotika den Impfschutz bei Kleinkindern beeinflusst

Vater hält seinen Sohn, während er von einem Kinderarzt geimpft wird (Symbolbild).
Die Gabe von Antibiotika kann die Wirkung bestimmter Schutzimpfungen beeinflussen (Symbolbild). © Westend61 / Imago

Die Darmflora beeinflusst nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem. Neben der Ernährung spielt auch die Einnahme von Medikamenten bei der Zusammensetzung der Bakterien im Darm eine entscheidende Rolle. So kann jedes Antibiotikum, das wir zu uns nehmen, die Vielfalt der Bakterienstämme verringern.

Nicht nur aus diesem Grund sollten Ärzte und Ärztinnen Antibiotika möglichst zurückhaltend verschreiben. Denn Antibiotika scheinen jedoch nicht nur die „schlechten“ Bakterien im Darm zu schwächen, sondern auch die Wirkung verschiedener Schutzimpfungen zu beeinflussen, wie US-amerikanische Forscher nun herausfanden. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Pediatrics“ veröffentlicht.

Weniger geschützt? Antibiotika beeinflussen Antikörperlevel

Im Rahmen ihrer aktuellen Studie hat das Team des Rochester General Hospital Research Institutes in New York rund 560 Kleinkinder im Alter von 6 bis 24 Monaten untersucht. Die Blutproben waren dabei bei mehreren Vorsorgeuntersuchungen sowie beim Auftreten einer akuten Mittelohrentzündung entnommen worden. Besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftler allerdings auf die Antikörperlevel wichtiger Schutzimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten, Influenza und Pneumokokken.

Etwa 342 der untersuchten Kleinkinder erhielten in dem Forschungszeitraum Antibiotika. Welchen Einfluss die Verschreibung von Antibiotika auf das Immunsystem hat, konnten die Forscher anhand der Blutproben schnell beurteilen. So wiesen die Kinder, die Antibiotika eingenommen haben, geringere Antikörperlevel vor. Zudem lagen die Werte deutlich unter den für den Impfschutz als relevant geltenden Konzentrationen.

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Weniger geschützt? Geschichte Immunantwort durch Antibiotika

Gerade bei Kindern, die im Alter von 9 bis 12 Jahren eine Behandlung erhalten hatten oder bereits mehrmals Antibiotika einnehmen mussten, wiesen die Blutproben nur geringe Antikörpermengen vor. Dies könnte schwerwiegende Folgen haben: In diesem Alter erhalten Kleinkinder die meisten Schutzimpfungen. „Besonders bei Kindern mit Antibiotikagaben zwischen dem 9. und 24. Lebensmonat wurden signifikant geringere Antikörpertiter gemessen. Damit hätten sie ein erhöhtes Risiko, an Infektionen zu erkranken, die durch die Erreger, gegen die geimpft wurde, ausgelöst werden“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Schaible, Direktor am Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften (FZB). Sind die Antikörperwerte zu gering, erhöht sich damit also auch das Risiko, an einer der Infektionen zu erkranken, gegen die bereits geimpft wurde.

Laut den Forschern um Timothy Chapman vom Rochester General Hospital in New York wirkt sich jedoch nicht nur die Menge der eingenommenen Antibiotika auf den Impfschutz aus. Auch die Art des Antibiotika beeinflusst die Bildung der schützenden Antikörper. Demnach schnitten Medikamente, die auf ein breites Spektrum an Bakterien abzielen, besonders schlecht ab. Ebenfalls negativ wirkte sich eine längere Therapiedauer aus. Es scheint also auch einen dosisabhängigen Effekt der Antibiotika auf die Antikörper zu geben.

Weniger geschützt? Antibiotika beeinflussen den Darm

Bereits frühere Studien konnten zeigen, dass Antibiotika die Wirkung von Impfungen auch bei Erwachsenen verringert. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen diesen Effekt auch bei Kleinkindern. Verantwortlich für den geringeren Impfschutz könnte die Wirkung der Antibiotika auf das Darmmikrobiom sein. „Antibiotika, die in der frühen Kindheit oft gegen eine Mittelohrentzündung verschrieben werden, greifen nicht nur die gefährlichen Bakterien im Ohr an, sondern auch die nützlichen Bakterien des Darmmikrobioms“, erklärt Dr. Cornelia Gottschick, Arbeitsgruppenleitung Infektionsepidemiologie am Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Die Folge: Gerät das Darmmikrobiom aus der Balance, können Impfungen nicht mehr ihre volle Wirkung zeigen. Trotzdem raten die Experten davon ab, von nun an ganz auf Antibiotika zu verzichten. So bedeuten die Ergebnisse der Studie keineswegs, dass Kinder, die Antibiotika benötigen, dieses nicht mehr einnehmen sollten. Die Ergebnisse der Studie sind sehr interessant und zeigen erneut, wie wichtig es ist, dass Antibiotika nicht leichtfertig verabreicht werden«, sagt Cornelia Gottschick. Zudem sei laut Prof. Dr. Ulrich Schaible interessant, dass Kombinationspräparate nach fünf Tagen einen geringeren Effekt auf die Antikörperproduktion hatte als nach einer Gabe für zehn Tage. Eine kürzere Antibiotikagabe scheint also besser zu sein.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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