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Jodtabletten: Nachfrage explodiert – hilft Kaliumiodid bei einem Atom-Vorfall?

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Von: Jasmin Farah

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Hierzulande decken sich Menschen aufgrund des Ukraine-Krieges massenhaft mit Jodtabletten ein. Doch eine zu frühe Kaliumiodid-Einnahme birgt Risiken.

Berlin – Seit über einer Woche tobt der Krieg in der Ukraine. Nachdem die russische Armee einmarschiert ist, kommt es jeden Tag zu neuen Hiobsbotschaften. Auch hierzulande machen sich viele Menschen große Sorgen, wie es weitergehen wird. Schließlich hat vor wenigen Tagen Russlands Präsident Wladimir Putin (69) seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

Zudem wurde berichtet, dass es zu heftigen Kämpfen um das Atomkraftwerk Saporischschja nahe der Stadt Enerhodar im Südosten der Ukraine gekommen ist. Dabei ist auch ein Feuer ausgebrochen, das zwar gelöscht und unter Kontrolle gebracht worden sein soll, dennoch haben viele Angst vor einer möglichen radioaktiven Verseuchung.

Jodtabletten: Nachfrage explodiert – hilft Kaliumiodid bei einem Atom-Vorfall?

Mit der Folge, dass jetzt die Nachfrage nach Jodtabletten massiv gestiegen ist, weiß das Apotheker-Fachportal „apotheke adhoc“. Das bestätigt auch G.L. Pharma, Hersteller des hoch dosierten Präparates „Kaliumiodid Lannacher“. Demnach bekäme der österreichische Hersteller extrem viele Anfragen sowie verzweifelte bis aggressive Anrufe, da es an vielen Stellen bereits ausverkauft sei, heißt es weiter. G.L. Pharma hat aber bereits angekündigt, mit Hochdruck am Lieferengpass zu arbeiten und bald für Nachschub zu sorgen.

Jodtabletten auf Warnschild Radioaktivität. (Symbolbild)
Viele haben wegen des Ukraine-Konflikts Angst vor möglicher Strahlung. Sind Jodtabletten jetzt schon nötig? (Symbolbild) © Steinach/Imago

Der Grund für die gestiegene Nachfrage: Das frei verkäufliche Jod-Präparat ist das einzige, das eine so hohe Menge an Kaliumiodid (65 Milligramm pro Tablette) aufweist, um vor einer Strahlung nach radioaktiven Vorfällen zu schützen. In solch einem „nuklearen Notfall“ können verschiedene radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen, darunter auch das Uran-Spaltprodukt Jod-131. Im Körper kann es die Schilddrüse aufnehmen, einbauen und in verschiedene Hormone umwandeln. Dadurch erhöht sich das Risiko für Kinder, Jugendliche wie Erwachsene, Schilddrüsenkrebs zu entwickeln.

Jodtabletten: Kaliumiodid-Nachfrage explodiert – doch Experten warnen

Und hier kommen die hoch dosierten Jodtabletten ins Spiel: Wer sie präventiv einnimmt, hofft darauf, der Schilddrüse so viel Kaliumiodid anzubieten, sodass das Organ am Ende übersättigt ist. Mit der Folge, dass es dann zusätzlich kein radioaktives Jod mehr aufnehmen kann.

Doch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) sieht den Trend kritisch und warnt. Es sei schließlich nicht ungefährlich, hoch dosiertes Kaliumiodid auf eigene Faust vorbeugend einzunehmen.

Das bestätigt auch die Endokrinologin Petra-Maria Schumm-Draeger, Professorin und ärztliche Direktorin im Zentrum Innere Medizin Fünf Höfe in München, gegenüber dem „Bayerischen Rundfunk“: „Es ist sehr, sehr wichtig, den genau richtigen Zeitpunkt der Einnahme zu haben, weder zu früh noch zu spät, um wirklich die Schilddrüse zu schützen. Wenn Sie es zu früh nehmen, ist der Effekt schon weg bis vielleicht, hoffentlich wird es nie geschehen, etwas notwendig ist zur Einnahme. Nimmt man es zu spät, so können ja schon radioaktive Jodteile in die Schilddrüse gelangt sein und Unheil anrichten.“

Jodtabletten: Nachfrage explodiert – Bundesamt für Strahlenschutz hat ausreichend Tabletten

Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, werden die Bürger hierzulande vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert. Dieses betreibt deutschlandweit 1.700 Messstationen, die die Radioaktivität in der Atmosphäre bestimmen.

Zudem schreibt das BfS auf seiner Internetseite, dass mehr als 189 Millionen Jodtabletten für die Bürger bereits vorrätig sind: Diese könnten dann von der Bevölkerung „an Feuerwehrwachen, Rathäusern, Apotheken oder bekannten Wahllokalen“ abgeholt werden. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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