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Gefährliche Krebs-Mythen: „Der basische Körper kennt keinen Krebs“

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Von: Kristina Wagenlehner

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Auf einem Tisch stehen Gläser mit verschiedenen Säften und Gemüse liegt als Dekoration daneben. (Symbolbild)
Häufig wird empfohlen nach einer Krebsbehandlung Detox-Kur durchzuführen. Sie soll den Körper entschlacken und entsäuern. Ein Mythos? (Symbolbild) © Agefotostock/Imago

Zucker lässt Tumore wachsen und eine basische Ernährung heilt Krebs. Mythen und Halbwissen zu diesem Thema und Ernährung sind gefährlich.

Heidelberg – Den einen Krebs gibt es nicht. Jede Krebsart ist so vielfältig wie unser Körper selbst. Und komplett erforscht ist Krebs, also die bösartige Gewebeneubildung, bei weitem nicht. Ebenso wenig gibt es ein Allheilmittel dagegen. 2019 starben insgesamt 231.000 Menschen an Krebs. Nur verständlich, dass der Mensch sich nach einfachen Lösungen sehnt, was leider viele Ernährungsmythen zum Thema Krebs hervorbringt. Wer erkrankt ist, aber blindlings auf solche Versprechen vertraut, riskiert im schlimmsten Fall sein Leben.

Krebs und Ernährung: Der basische Körper kennt keine Krankheit?

Ein weit verbreiteter Mythos besagt zum Beispiel, dass Zucker das Wachstum von Tumoren ankurbelt. „Tatsächlich gibt es Beobachtungen, die darauf hinweisen, dass Krebszellen einen anderen Energiestoffwechsel haben als normale Zellen. Doch klar ist auch: Das gilt längst nicht für alle Zellen, längst nicht für jede Krebsart und jede Krankheitssituation“, sagt Frau Dr. Weg-Remers, Leitern des Deutschen Krebsforschungszentrums. Komplett auf Zucker zu verzichten, ist daher gar nicht notwendig. Der Nutzen einer Ernährungsweise, bei der man völlig auf Zucker und womöglich noch alle anderen Kohlenhydrate verzichtet, sei, laut Weg-Remers, bisher nicht belegt.

Zu viel Zucker gilt dennoch als Risikofaktor für Krebs. Denn eine zuckerreiche Ernährung, beispielsweise mit vielen Softdrinks und Fast Food, steigert die Wahrscheinlichkeit Diabetes und Übergewicht zu entwickeln. Beide erhöhen das Krebsrisiko. Ein gesunder Lebensstil ist daher essenziell bei der Krebsprävention. Ihr Risiko können Sie senken, indem Sie stille Entzündungen abbauen.*

Krebs und Ernährungsmythen: Er lässt sich „aushungern“

Dass man mit einer Ernährung ohne Kohlenhydrate den Krebs „aushungern“ könne, ist Humbug. „Krebs lässt sich nicht aushungern, indem man auf Zucker verzichtet“, sagt Dr. Tilman Kühn der Apotheken Umschau. In den Leitlinien zur „Klinische Ernährung in der Onkologie“ steht: „Bisher liegen keine klinischen Untersuchungen vor, die eine antitumorale Wirksamkeit einer kohlenhydratarmen oder ketogenen Kost belegen.“

Personen, die von heute auf morgen Kohlenhydrate vom Speiseplan streichen, können sich sogar schaden. Denn Kohlenhydrate sind wichtige Energie- und Nährstofflieferanten. Wer sie über längere Zeit verschmäht, dem drohen Untergewicht und Mangelernährung.

Krebs und Ernährungsmythen: Vom bösen Kaffee

Kaffee musste schon viele Schläge einstecken: Er solle das Risiko für Herzinfarkte steigern und Krebs verursachen. Die Studien, die den Zusammenhang zwischen Herzinfarktrisiko und Kaffee verkündeten, sind mittlerweile lange widerlegt. Und dass Kaffee Krebs verursacht, dafür gibt es bisher keine repräsentativen Studien. Im Gegenteil: Er enthält sogar eine beachtliche Menge an Polyphenolen, die Krebs vorbeugen können.

Krebs und Ernährungsmythen: Ein basischer Körper kennt keinen Krebs

Im Internet und den sozialen Medien kursieren immer wieder spektakuläre Artikel und scheinbare Studien, die belegen, dass basische Ernährung Krebs heilen kann. Grundsätzlich ist eine Ernährung mit vielen Lebensmittel, die basisch verstoffwechselt werden, nicht verkehrt. Im Gegenteil, sie kann sehr gesund sein. Schließlich beinhaltet eine basische Ernährung viel Obst und Gemüse. Basisch verstoffwechselt werden beispielsweise:

Die steilen Thesen „Ein basischer Körper kennt keinen Krebs“ und „Basische Ernährung kann Krebs heilen“ klingen zwar toll, entbehren aber jeder wissenschaftlichen Grundlage. Verfechter dieser Thesen sehen in sauren Lebensmitteln eine Ursache für Krebs. Vermeidet man Lebensmittel, die ein saures Milieu produzieren, dazu gehören raffinierter Zucker und Milchprodukte, entzieht man dem Krebs die Lebensgrundlage – so die Behauptung. Der Haken an der These, die heute als veraltet gilt: Untersuchungen haben gezeigt, dass die Krebszellen das saure Milieu selbst erzeugen.

„Viele Hypothesen hinter dieser Idee sind aus heutiger Sicht nicht mehr haltbar. Die oft schon Jahrhunderte alten Theorien stimmen längst nicht mehr mit dem überein, was wir heute über den Stoffwechsel des Menschen und den Verlauf von Krankheiten wie Krebs wissen. Ich befürchte, dass es bei solchen Angeboten, auf die Krebspatienten beispielsweise im Internet stoßen, vielfach um Geschäftemacherei geht.“, sagt Weg-Remers.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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