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Zuckerfallen: Hinter diesen Decknamen in der Zutatenliste verbirgt sich Zucker

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Von: Jasmina Deshmeh

Ein großer Haufen Würfelzucker liegt auf einem Teller, daneben Messer und Gabel (Symbolbild).
Zucker steckt in vielen Lebensmitteln, allerdings häufig ohne, dass Verbraucher es bemerken. Dabei wird getrickst und geschummelt, denn Zuckerstoffe sind vielseitig einsetzbar (Symbolbild). © Future Image/imago-images

Zucker steckt in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln – und das in großen Mengen . Um von dem hohen Zuckergehalt abzulenken, bedienen sich die Hersteller zahlreicher Tricks.

Hamburg – Viele Hersteller tricksen und schummeln bei Zuckerangaben von industriell hergestellten Lebensmitteln, wo sie nur können. Denn Zucker verbessert nicht nur den Geschmack, er hat auch viele weitere praktische Eigenschaften und ist obendrein noch günstig in der Produktion. Da die Zutaten in der Zutatenliste in absteigender Reihenfolge aufgelistet sind, sollte Verbrauchern ein hoher Zuckergehalt eigentlich auffallen. Viele Hersteller greifen aber zu verschiedenen Mitteln und Tricks, um ein Lebensmittel gesünder erscheinen zu lassen. Wie Konsumenten diese Schummeleien erkennen und Zuckerfallen künftig meiden können.

Unterschätzte Zuckerfallen: Vorsicht bei diesen Decknamen

Zucker verleiht Lebensmitteln nicht nur eine gewisse Süße, er hat auch Einfluss auf die Konsistenz, dient als Konservierungsstoff und Geschmacksverstärker. Kein Wunder also, dass viele Lebensmittelproduzenten die preisgünstige Zutat gerne in großen Mengen einsetzen. Um den hohen Zuckergehalt der Produkte zu verschleiern, werden dabei häufig verschiedene Decknamen eingesetzt. Tatsächlich gibt es in der Lebensmittelindustrie 70 verschiedene Bezeichnungen für Zuckerstoffe, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Die häufigsten Zutaten, die den Zuckergehalt eine Lebensmittels erhöhen, sind:

Unterschätzte Zuckerfallen: Seien Sie bei Hinweisen wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „ungesüßt“ skeptisch

Vorsicht ist auch bei Hinweisen auf der Verpackung wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „ungesüßt“ geboten, denn sie vermitteln den Eindruck, dass ein Lebensmittel keinen oder kaum Zucker enthält. Dabei gibt es eine Reihe von natürlichen Zutaten wie Trockenfrüchte und Molkenerzeugnisse, die natürlicherweise (reichlich) Zucker enthalten. Gesetzlich festgelegt ist bei solchen Angaben nur, dass dem Produkt keine Ein- und Zweifachzucker wie Trauben- oder Haushaltszucker oder andere Lebensmittel mit süßender Wirkung (zum Beispiel Fruchtsirup) zugesetzt wurden. Trotzdem sollten Verbraucher genau hinschauen: Bei einigen Produkten, wie Cappuccinopulver, treiben es die Hersteller laut den Verbraucherschützern wirklich auf die Spitze, indem sie das Lebensmittel als „ungesüßt“ bewerben. Dabei enthält es bis zu 40 Prozent Zucker durch die Zutat Süßmolkenpulver.

Auch Werbeversprechen wie „40 % weniger Zucker“ sollten Verbraucher kritisch hinterfragen und selbst prüfen. Gesetzlich geregelt ist, dass ein Produkt diese Bezeichnung nur tragen darf, wenn es mindestens 30 Prozent weniger Zucker als ein vergleichbares Lebensmittel enthält. Außerdem muss bei dem zuckerreduzierten Produkt der Energiegehalt gleich oder niedriger sein als der des Vergleichsproduktes. Trotzdem ist diese Aussage schwammig. Es kann laut Verbraucherzentrale nämlich sein, dass im Supermarktregal ähnliche Produkte mit dem gleichen oder einem geringeren Zuckeranteil stehen, allerdings ohne dass sie diesen Hinweis tragen (zum Beispiel bei Fruchtaufstrich).

Unterschätzte Zuckerfallen: Vorsicht bei kleinen Mengenangaben

Ein weiteres beliebtes Mittel der Hersteller, um von einem hohen Zuckergehalt abzulenken, ist, den Zuckergehalt pro Portion (zum Beispiel pro 100 Milliliter) anzugeben statt pro Flasche, Becher oder Verpackung. Während zum Beispiel ein Zuckergehalt von 9,7 Gramm pro 100 Milliliter akzeptabel klingt, bedeutet das bei einem Erfrischungsgetränk in einer 1,75-Liter-Flasche, dass diese 170 Gramm Zucker enthält. Das sind immerhin fast 57 Würfelzucker!

Oft entsprechen die Portionsangaben nicht der Realität, sind „verwirrend, unverständlich und unsinnig“ um die „Nährwerte gesundrechnen zu wollen“ urteilen die Verbraucherzentralen nach einem gemeinsamen Marktcheck aus dem Jahr 2018. Denn wer isst schon ein Drittel eines Schokoriegels oder nur einen Teil eines nicht-wiederverschließbaren Fertiggerichts?

Übrigens steckt Zucker nicht nur in süßen Lebensmitteln. Auch der Geschmack pikanter Gerichte wird oft mit Zucker abgerundet. Manchmal entpuppen sich herzhafte Speisen sogar als echte „Zuckerbomben“, wie etwa Weißkrautsalat, in dem bei einer durchaus üblichen 1000 Gramm-Packung ganze 20 Teelöffel Zucker stecken.

Unterschätzte Zuckerfallen: „Kinderlebensmittel“ oft besonders süß

Besonders verwerflich: Speziell als Kinderprodukte beworbene Lebensmittel enthalten häufig eine extra Portion Zucker. Der Grund ist naheliegend: Die meisten Kinder mögen es süß. Doch als gesunder „Snack für zwischendurch“ sind diese zuckerhaltigen Lebensmittel keinesfalls geeignet. Eltern sollten Kinderprodukte also besser im Regal stehen lassen oder die Zutatenliste vor dem Kauf genau prüfen.

Gesünder als fertige Lebensmittelist sind meist selbst gekochte oder angemischte Gerichte. Statt einen Fruchtjoghurt zu kaufen, kann zum Beispiel Naturjoghurt mit pürierten Früchten gemischt werden.* Statt zuckerhaltiges Fertig-Müsli zu frühstücken, können Verbraucher die einzelnen Zutaten wie Haferflocken, Kerne, Nüsse und frisches Obst zuhause selbst zusammenstellen. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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