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Mythos Männerschnupfen? Erhebung zeigt, dass Männer stärker unter einer Erkältung leiden

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Von: Christine Pander

Ein Mann liegt auf dem Sofa, mit Fieberthermometer im Mund und fasst sich an die Stirn, er schaut sehr leidend

Diagnose: Männerschnupfen. Jetzt benötigen Patienten viel Zuspruch, denn sie leiden sehr (Symbolfoto) © Uta Konopka/imago-images

Jeder, der mit einem Mann zusammenlebt, kennt das vermutlich: Hat er einen Schnupfen, kann das Leid groß sein. Eine Studie bestätigt nun: Männer sind genetisch tatsächlich benachteiligt beim Erleben von Erkältungssymptomen.

Innsbruck – Schnupfen, Heiserkeit und Halsschmerzen sind für manche Männer bereits schreckliche Vorboten einer Nahtoderfahrung. Wer eine Frau ist und dies bislang milde lächelnd abgetan hat, sollte seinen Liebsten nach dieser Lektüre künftig mit etwas mehr Mitgefühl betrachten: Einer Studie zufolge leiden Männer tatsächlich mehr unter Schnupfen, und sie können noch nicht einmal etwas dafür.

Mythos Männerschnupfen: Schuld am Leid ist die Genetik

In diesem Fall ist die Genetik schuld, sagen Forscher um Professor Günter Weiss von der Medizinischen Universität Innsbruck. Fazit: Je mehr Testosteron – das wichtigste männliche Geschlechtshormon – vorhanden ist, desto immunschwächer wird das starke Geschlecht möglicherweise. Um herauszufinden, warum das so ist, haben die Forscher aus Österreich einige Studien von Fachkollegen verglichen, um herauszufinden, wie sich das Immunsystem von Männer und Frauen nun eigentlich unterscheidet.

Dazu muss man zunächst wissen: Dringen Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien in den Körper ein, werden sie durch das Immunsystem bekämpft. Dafür gibt es den Medizinern zufolge zwei Systeme: Das spezifische und das unspezifische Abwehrsystem.

Mythos Männerschnupfen: Weibliches Sexualhormon bekämpft Viren aggressiver

Das unspezifische Abwehrsystem umfasst die allgemeine Immunreaktion, die nicht auf bestimmte Erreger optimiert ist. Das spezifische Abwehrsystem richtet sich mit speziellen Abwehrzellen gezielt gegen bestimmte Krankheitserreger. Die Zellen liegen jeweils nur in geringer Anzahl vor und müssen sich bei einer Infektion erst vermehren, bevor sie Erreger wirksam bekämpfen können.

Und jetzt kommt das eigentlich spannende: Das weibliche Sexualhormon Östrogen regt den Forschern zufolge die Vermehrung der spezifischen Abwehrzellen an. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wirkt sich dagegen gegenteilig aus. Deshalb reagiert das sogenannte spezifische Immunsystem von Frauen schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern.

Mythos Männerschnupfen: Frauen haben stärkeres Immunsystem

Männer sind also genetisch benachteiligt. Forscher der Universität von Pennsylvania in Philadelphia haben bereits 2015 in einer Studie geschrieben, dass Frauen ein besseres Immunsystem als Männer haben. Als Grund dafür wurde das zweite X-Chromosom genannt. Mit entsprechenden Genen ausgestattet, unterstützt es die Immunabwehr besser als das männliche Y-Chromosom. Auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Gene, die für Abwehrprozesse im Körper verantwortlich sind.

Frauen haben bekanntermaßen zwei X-Chromosomen, während Männer ein X- und ein Y-Chromosom haben. Die Doppelung der X-Chromosomen ist laut US-Forschern Grund für die Überlegenheit des weiblichen Immunsystems. Die stärkere Immunabwehr hat allerdings nicht nur Vorteile, denn Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift, kommen bei Frauen häufiger vor. So sind sie dafür öfter von Rheuma und Multiple Sklerose betroffen als Männer.

Mythos Männerschnupfen: Diese Tipps helfen gegen Männergrippe

Frauen haben den Wissenschaftlern zufolge noch einen weiteren klaren Vorteil: Ihr Immunsystem ist sehr anpassungsfähig. Je nach Hormonlage, die während des Zyklus stark schwanken kann, zielt es mal mehr auf Angriff oder mehr in Richtung Toleranz. Als Auslöser dafür wird der Einfluss des weiblichen Gelbkörperhormons Progesteron verantwortlich gemacht.

Für alle männlichen Leser kommt dafür jetzt ein kleines Trostpflaster: Als Prophylaxe gegen fiesen Männerschnupfen können diese speziellen Tipps helfen:

Der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit zufolge ist die Sterblichkeitsrate bei einer Grippe bei Männern übrigens ebenfalls höher als bei Frauen. Dass Männer stärker unter Erkältungen oder grippalen Infekten leiden, muss aber nicht nur am Testosteron-geschwächten Immunsystem liegen.

Wissenschaftler diskutieren auch Zusammenhänge, die sich mehr auf das unterschiedliche Veralten von Männern und Frauen in Bezug auf ihre Gesundheitsprophylaxe beziehen und auf die unterschiedliche Wahrnehmungen von Schmerz und Leidensfähigkeit im Allgemeinen.

Mythos Männerschnupfen: Auch Verhalten spielt eine Rolle

Während Frauen schon früh darin geübt sind, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt wahrzunehmen, ist das bei Männern nicht der Fall. Der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit zufolge leben Männer zudem immer noch risikoreicher, ernähren sich ungesünder, sind seltener geimpft und nehmen Gesundheits-Check-Ups nicht so häufig in Anspruch.* Fazit: Einen Teil ihrer Gesundheit haben auch Männer selbst in der Hand. *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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