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Warum gehen Männer nur selten zum Arzt? Mediziner nennt fünf Gründe

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Von: Jennifer Köllen

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Frauen gehen häufiger zum Arzt als Männer. Dafür haben Männer gute Gründe, wie ein Oberarzt erklärt. Doch sie zahlen dafür einen hohen Preis.

München – Männer gehen nicht gerne zum Arzt, zeigen immer wieder unabhängige Umfragen und Studien. Wenn man bedenkt, dass Männer im Schnitt auch fünf Jahre kürzer leben als Frauen, könnte man hier einen Zusammenhang herstellen. Schließlich werden bei Vorsorgeuntersuchungen auch Krebsarten frühzeitig erkannt und könnten somit schneller und besser behandelt werden.

Auch aus diesen Gründen wäre ein häufigerer Check-Up beim Arzt wichtig: Männer rauchen häufiger (begünstigt unter anderem Lungenkrebs) und ernähren sich ungesünder (begünstigt Bluthochdruck, Schlaganfälle) wie die Krankenkasse Barmer berichtet.

Warum gehen Männer nur selten zum Arzt? Mediziner nennt fünf Gründe

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse hat Angaben ihrer 1,7 Millionen Versicherten ausgewertet und kam zu dem Ergebnis: 94 Prozent der versicherten Frauen suchten im Jahr 2017 einen Arzt auf, etwa einen Allgemein- oder Fachmediziner. Bei den Männern waren es nur rund 84 Prozent. „Gesundheit bedeutet für Frauen in der Regel Wohlbefinden, für Männer eher Funktionsfähigkeit. Sie gehen oft erst dann zum Arzt, wenn sie eben nicht mehr funktionieren“, sagte Uwe Stark vom KKH-Serviceteam im Gespräch mit dem deutschen „Ärzteblatt“.

Auch eine Studie der Männergesundheitsplattform Spring in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) unter 11.500 Teilnehmern fand heraus: 63,5 Prozent der Männer gehen mit ihren Krankheiten und Leiden nicht zum Arzt. Das betrifft vor allem unangenehme Themen wie wie Erektionsstörungen und Haarausfall, aber auch die Darmkrebsvorsorge.

Ist Männern ihre Gesundheit schlicht nicht so wichtig? Nein. Denn Männer sind zwar Praxismuffel, aber keine Gesundheitsmuffel, zeigen Studien und Umfragen. Sie gehen aus verschiedenen Gründen einfach nicht gerne zum Arzt. Unter anderem aus diesen....

Ein Mann mit einer Verletzung am Bein wird von einem Arzt ins Behandlungszimmer geholt. (Symbolbild)
Studien zeigen, dass Männer nicht gerne zum Arzt gehen. (Symbolbild) © Artmann Witte/Imago

Warum gehen Männer nur selten zum Arzt? Aus Scham, Unwissenheit und Antriebslosigkeit

Dr. Simon Senner, Oberarzt Psychiatrie im Klinikum rechts der Isar der TU München und Vertreter für mentale Gesundheit im medizinischen Beirat von Wellster Healthtech, nennt hier fünf Gründe, warum Männer ungern zum Arzt und der Vorsorge gehen:

1. Aus Scham
„Vielen Männern ist ein Arztbesuch unangenehm, sie schieben ihn immer weiter hinaus oder er findet gar nicht erst statt. Manche Menschen möchten nicht in einer Arztpraxis mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert werden – man spricht hier von Vermeidungsverhalten. Gerade psychische Erkrankungen sind noch immer stark stigmatisiert.“

2. Aus Unwissenheit
„Oft wissen sie es nicht besser, dass es sich um ein medizinisches Problem handelt. Und dass es dafür Diagnosen gibt, die Effluvium, erektile Dysfunktion und depressive Episode heißen – mit entsprechenden Therapiemöglichkeiten. So wird zum Beispiel Haarausfall als Lifestyle-Problem abgetan, ohne zu berücksichtigen, dass es für viele eine psychische Belastung darstellt.“

 3. Aus Antriebslosigkeit
„Erschöpfung und Antriebslosigkeit können Symptome einer psychischen Erkrankung sein. Das hindert Männer leider auch daran, ‚normale‘ ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

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4. Aus Angst
„Immer wieder haben Männer Angst zum Arzt zu gehen. Bei psychischen Erkrankungen ist ihre Sorge ‚abgestempelt‘ zu werden besonders groß. Patienten vermeiden daher den klassischen Arztkontakt. Wer aus Angst kaum mehr aus dem Haus geht und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann – der setzt sich kaum in ein volles Wartezimmer.“

5. Wegen Zugangsbarrieren
„Die Zugangsbarrieren zum konventionellen Medizinsystem sind oft zu hoch und nicht mehr zeitgemäß. Wenn man beruflich oder privat gerade viel Stress hat, kümmert man sich oft nicht um die eigene Gesundheit.“

Warum gehen Männer nur selten zum Arzt? Nicht, weil sie Gesundheitsmuffel wären

Diese Gründe zeigen, dass Männern ihre Gesundheit nicht per se egal ist. Männer interessieren sich durchaus für Gesundheitsthemen, hat auch die Krankenkasse Barmer in Umfragen herausgefunden. Sie würden sich aber klare Informationen dazu wünschen, welchen möglichen Nutzen einzelne Maßnahmen haben. Es ginge in Zukunft darum, Männer bei ihrer Gesundheitsvorsorge zu unterstützen.

Dass Männer ein vielfältiges Interesse an primärpräventiven Maßnahmen haben, hat auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) herausgefunden. Im Rapid Report „Primärprävention und Gesundheitsförderung bei Männern“ schreibt das IQWiG nach Sichtung von 36 relevanten Studien, Männer würden sich insgesamt mehr Erläuterungen zu diesen Themen wünschen:

Generell wünschen sich Männer mehr Informationen dazu, wie sie ihr Verhalten und ihren Lebensstil ändern können. „Die befragten Männer sind vor allem an konkreten Tipps interessiert, die dabei helfen, entsprechende Aktivitäten ohne größeren Aufwand in den beruflichen oder privaten Alltag einzugliedern“, heißt es in dem Report.*bw24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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