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Mikroplastik im Körper: Forscher finden Partikel im Blut

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Von: Laura Knops, Natalie Hull-Deichsel

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Winzige Plastikteilchen gelangen bis ins menschliche Blut. Das haben niederländische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie herausgefunden.

Amsterdam – Plastik gibt es zwar erst seit ein paar Jahrzehnten. Trotzdem scheint das billige Verpackungsmaterial beinahe überall zu sein. Egal ob auf Feldern, im Ozean oder in den Eingeweiden von Meeressäugern und Fischen – Plastikpartikel sind mittlerweile bis in den letzten Winkel vorgedrungen. Aber Plastikmüll findet sich nicht nur in der Natur. Über die Nahrung und Wasser können Rückstände von Plastik sogar bis ins menschliche Blut gelangen. Das haben Forscherinnen und Forscher der Freien Universität Amsterdam nun in einer aktuellen Studie herausgefunden. Ob und welche Folgen das für unsere Gesundheit hat, bleibt allerdings weiterhin unklar.

Mikroplastik im Körper: Forscher finden Partikel im Blut

Es sind Mikroplastikpartikel auf einem Finger zu sehen (Symbolbild).
Kleinste Plastikpartikel können möglicherweise über die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen (Symbolbild). © Shotshop/Imago

Das Team um Heather Leslie und Marja Lamoree konnte erstmals winzige Plastikpartikel im menschlichen Blutkreislauf nachweisen. Im Rahmen der aktuellen Studie, die im Fachmagazin „Environmental International“ veröffentlicht wurde, analysierten die Wissenschaftler Blutproben von insgesamt 22 gesunden Spendern auf Mikroplastik. In 17 Proben fanden sie Rückstände des Plastiks. Rund 80 Prozent der untersuchten Blutproben enthielten demnach Plastikteilchen.

Rund die Hälfte der untersuchten Proben enthielt PET-Kunststoff, der üblicherweise zur Herstellung von Getränkeflaschen verwendet wird. Etwa ein Drittel war mit Polystyrol, einem Stoff, der vor allem in Lebensmittelverpackungen wie in Joghurtbechern vorkommt, angereichert. Und in einem Drittel der Blutproben fanden die Wissenschaftler Polyethylen, aus dem Plastiktüten, Folien und Müllbeutel hergestellt werden.

Mikroplastik im Körper: Wissenschaftler geben Grund zur Sorge

Die Plastikpartikel hatten den Forschern zufolge eine Größe von 0,0007 Millimetern. Welche Sorte Kunststoff enthalten war, variierte allerdings zwischen den Blutproben. So fanden die Wissenschaftler zwar in den meisten Proben nur eine Kunststoffsorte, in einigen konnten sie jedoch auch zwei oder sogar drei verschiedene Arten nachweisen. Zudem schwankte auch die Menge des nachgewiesenen Kunststoffes deutlich: Während sich bei manchen Freiwilligen gut ein Mikrogramm Kunststoff pro Milliliter Blut in den Proben befand, zirkulierten bei anderen bis zu zwölf Mikrogramm.

Obwohl die Studie nur sehr wenige Teilnehmer untersuchte, scheinen die Ergebnisse allen Grund zur Sorge zu geben, wie der an der Studie beteiligte Umwelttoxikologe Dick Vethaak gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“ berichtete. Trotzdem scheinen die Ergebnisse belastbar zu sein, wie Alice Horton Expertin für menschenverursachte Umweltbelastungen vom britischen Oceanography Centre erklärt. Demnach belegen die Daten eindeutig Kunststoff in den untersuchten Proben. Zukünftige Studien sollen die Untersuchung nun bestätigen.

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Mikroplastik im Körper: Wie gelangen die Plastikpartikel in unseren Körper?

Verschiedene Untersuchungen konnten bereits nachweisen, dass Mikroplastik – über das Wasser in Plastikflaschen und in anderen Lebensmitteln – in den menschlichen Körper gelangt. So fanden Forscher Plastikpartikel in Stuhlproben und im menschlichen Darm. Laut Wissenschaftlern der MedUni Wien landen demnach rund fünf Gramm Plastik pro Woche im menschlichen Magen-Darmtrakt – so viel wie das Gewicht einer Kreditkarte. Wie sich die im Blut zirkulierenden Partikel auf unsere Gesundheit auswirken, muss allerdings noch untersucht werden. Die Studienautoren befürchten jedoch, dass sich das Mikroplastik möglicherweise in den Organen anreichern könnte.

Normalerweise kann der Körper auch kleinste Partikel abwehren. So schützen uns Schleimhäute in Mund, Nase, Rachen und Darm nicht nur vor Sandkörnern im Essen und der Umwelt, sondern auch vor Plastik. Da Mikroplastik allerdings eine andere Zusammensetzung hat, könnte es möglicherweise doch passieren, dass sie in den Organismus gelangen und sich dort nach und nach ansammeln. Die Folge: Entzündungen im Darm und in der Leber sowie die Entstehung von Krebs.

Plastikverschmutzung und Mikroplastik: Konsequenzen für den Menschen und die Erde

Auf der fünften Tagung der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA-5), die vom 28. Februar bis 2. März in Nairobi stattfand, wurde eine Resolution für ein rechtsverbindliches Abkommen verabschiedet – dies ist ein zentraler Schritt zur Eindämmung der weltweiten Verschmutzung durch Kunststoffe.*

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Wissenschaftler warnen zusehends vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die Plastik auf die menschliche Gesundheit hat. Kleinste Plastikteilchen, sogenanntes Mikro- und Nanoplastik, gelangen über Nahrungsmittel, Kosmetik und sogar eingeatmete Luft in den menschlichen Organismus. Plastik konnte beispielsweise in der Plazenta schwangerer Frauen nachgewiesen werden – laut einer in der Fachzeitschrift Environment International veröffentlichten Studie. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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