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Nägelkauen: Woher die Angewohnheit kommt und was dagegen helfen kann

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Von: Christine Pander

Eine Frau mit brünettem Pagenschnitt kaut auf ihrem Zeigefinger (Symbolfoto)
Nagelkauen ist eine lästige Angewohnheit (Symbolfoto) © MaraMK/imago images panthermedia

Schlechte Angewohnheit oder ernsthaftes Problem? Manche Menschen kauen an den Fingernägeln, wenn sie nervös sind. Das kann so weit gehen, dass sich das Nagelbett entzündet. Diese Tipps könnten helfen, das Knabbern endlich aufzugeben.

Zürich – Meistens beginnt es schon im Kindesalter: Bei Aufregung und Stress knabbern einige Kinder an den Fingernägeln. Mädchen sind Kinderärzten zufolge häufiger betroffen als Jungs. Manchmal kann sich dahinter eine große psychische Belastung verbergen. Nach Angaben des Berufsverbandes für Kinder und Jugendärzte (bvkj) sollten Eltern von Nägel kauenden Kindern zunächst abwarten, das Tun nicht überbewerten und das Kind genau beobachten.

Nägelkauen: Das hilft gegen das Knabbern aus Stress oder Langeweile

Wichtig ist vor allem, diese Frage einzuordnen: In welchen Situationen wird an den Nägeln gekaut? Erst wenn die Angewohnheit einige Wochen auftritt und vom Kind so stark an den Fingern geknabbert wird, dass das Nagelbett betroffen ist, sollte der Kinderarzt zu Rate gezogen werden. Neben mehr oder weniger erfolgreichen Hausmittelchen werden in Drogerien und Apotheken auch spezielle Klarlacke mit bitter schmeckenden Stoffen angeboten, die auf die Nägel aufgetragen werden und dem Knabbern Einhalt gebieten sollen.

Da sie das Problem nur oberflächlich bekämpfen und meist auch nur dann helfen, wenn das Verhalten nicht so stark ausgeprägt ist, raten Experten eher davon ab. Je nach Alter des Kindes sollten Eltern vielmehr versuchen, die Gründe für das nervöse Verhalten herauszufinden. Im Zweifel sollten sie in Rücksprache mit dem Kinderarzt eine psychologische Beratung in Anspruch nehmen, wenn sich das Verhalten verfestigt und das Nagelbett dauerhaft entzündet ist.

Nägelkauen: Methode der Entkoppelung könnte helfen

Michael Rufer, Professor und Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, weist auf eine Behandlungsmethode hin, die sich „Entkoppelung“ nennt: Im Gegensatz zum Vermeidungs- oder Verhinderungsgebot anderer Ansätze soll das Verhalten Betroffener mit der Entkoppelung umgeleitet werden.

Eine Übung zur Entkoppelung und gegen das Nägelkauen könnte dem Psychologen zufolge so aussehen:

Da sich vor allem Mädchen ab einem bestimmten Alter für die abgekauten Nägel schämen, was dazu führen kann, dass sie die Hände verstecken, können Eltern den Pflegeaspekt an den Fingern hervorzuheben: Regelmäßige Maniküre mit einem eigenen Nagel-Set kann helfen, die Nägel gesund zu halten und das Knabbern zu unterbinden.*

Mädchen verschönern sich vielleicht gerne ab einem bestimmten Alter mit farbigem Lack die Nägel, wie sie es bei ihren Stars und Vorbildern sehen. Auch das kann ein Anreiz sein, die Nägel besser zu pflegen. Denn wo Lack drauf soll, muss erst einmal ein Nagel wachsen. Wird jedoch dauerhaft sehr stark an den Nägeln gekaut, schlägt der Kinderarzt sicher ein passendes Mittel oder eine geeignete Therapie vor, damit sich Nagel und Nagelbett wieder vollständig erholen können.

Nägelkauen: Selten steckt eine tiefe, psychische Störung dahinter

Fazit: Meistens ist Nägelkauen ein Zeichen für eine mehr oder weniger starke, innere Anspannung oder eine lästige Angewohnheit. Nur in seltenen Fällen deutet es auf eine tiefergehende psychische Störung hin. Eltern sollten ihr Kind genau beobachten und - wenn es vom Alter her möglich ist - in einer ruhigen Minute das Gespräch suchen, um herauszufinden, was das Kind beschäftigt und bewegt. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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