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Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo: Vorsicht, allergische Reaktionen sind möglich

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Von: Jasmina Deshmeh

Weichkapseln liegen neben einem Gingkoblatt (Symbolbild).
Ginkgohaltige Nahrungsergänzungsmittel werden oft mit einer „positiven Wirkung auf Konzentration und Gedächtnisleistung“ beworben. Mit standardisierten Arzneimitteln haben die Produkte aber wenig gemeinsam (Symbolbild). © IMAGO / agefotostock

Während die positive Wirkung von Medikamenten mit Ginkgo auf die Gesundheit gut erforscht ist, fehlen solche Belege für Nahrungsergänzungsmittel bisher. Bei zu hoher Dosierung drohen sogar Gesundheitsschäden.

Düsseldorf – Ginkgo biloba ist eine aus China stammende Baumart, die in Arzneimitteln gegen Demenz, Schwindel und Gedächtnisstörungen zum Einsatz kommt. Während seine Wirkung in Medikamenten gut belegt ist, fehlen diese Nachweise für Nahrungsergänzungsmittel (NEM). Oft sind Ginkgo-Extrakte in ihnen nur werbewirksame „Schmuckzutat“ warnt die Verbraucherzentrale, deren Menge für eine Wirkung nicht ausreichend ist, dafür aber unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. 

Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo: Keine standardisierte Zusammensetzung

Seine Heilwirkung verdankt der Ginkgo den sekundären Pflanzenstoffen in den Blattextrakten wie Flavonoiden (Quercetin), Terpenoiden, Sitosterinen und Anthocyanen. Für die Arzneimittelherstellung ist genau vorgeschrieben, wie viel Prozent wirksame Inhaltsstoffe enthalten sein müssen und wie hoch die Obergrenze für die unerwünschte Ginkgol-Säure sein darf. Aufgrund der gut untersuchten Wirkung, zählen Ginkgo-Präparate nach Angaben der Pharmazeutischen Zeitung heute zu den häufigsten eingenommenen pflanzlichen Präparaten in Europa. Durch den guten Ruf versuchen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln den Trend aufzugreifen und zunehmend NEM sowie Teemischungen mit Ginkgoblättern auf den Markt zu bringen. Für diese fehlen aber wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit ebenso wie Daten zur Lebensmittelsicherheit. Aus diesem Grund dürfen Werbeaussagen zum Arzneimittel auch nicht auf Nahrungsergänzungsmittel übertragen werden.

Problematisch sind fehlende Standards bei der Zusammensetzung von NEM vor allem wegen den potenziell gesundheitsschädlichen Gingkolsäuren, die bis zu zwei Prozent des Blattes ausmachen kann. Bei der Herstellung von Arzneimitteln werden sie auf ein Minimum reduziert. Ginkgolsäuren zählen zu den Alkyl- und Alkenylphenolcarbonsäuren, die Allergien auslösen können. Auch zellschädigende, nervenschädigende und erbgutverändernde Wirkungen sind bekannt. Außerdem können Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo: Sekundäre Pflanzenstoffe aus anderen Quellen

Die Verbraucherzentrale weist außerdem darauf hin, dass Untersuchungen des Zentral­laboratorium der Deutschen Apotheker den Verdacht ergeben haben, dass ein Großteil der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel Ginkgo-Extrakte enthalten, denen sekundäre Pflanzenstoffe aus anderen Quellen zugesetzt wurden – zum Beispiel Quercetin und Rutin aus Buchweizen oder aus Extrakten des Japanischen Schnurbaums.

Wer Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo-Extrakten einnehmen möchte, sollte deshalb Folgendes beachten:

Experten raten außerdem: Wer sein Gehirn fit halten möchte, sollte, statt zu Nahrungsergänzungsmitteln, besser zu Gedächtnistraining wie Kreuzworträtsel und Sudoku greifen.* Auch Zeitung lesen sowie ein neues Instrument oder eine neue Sprache lernen, trainieren das Gehirn und halten die grauen Zellen fit.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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