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Sind Pflanzendrinks immer besser? Was Verbraucher wissen sollten

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Von: Kristina Wagenlehner

Egal ob Hafer-, Soja- oder Reisdrink: Pflanzendrinks gelten als gesünder und nachhaltiger als herkömmliche Kuhmilch. Aber stimmt das tatsächlich? Die Verbraucherzentrale NRW hat das geprüft.

Düsseldorf – Mandel-, Reis-, Soja-, Hafer- und Kokosnussdrinks sind Milchersatzprodukte. Weil sie nicht durch das Melken von Säugetieren hergestellt werden, dürfen sie nicht als Milch bezeichnet werden. Sie haben ein grünes Image und werden von Tier- und Umweltschützern bevorzugt. Für Menschen mit einer Milcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz sind sie zudem eine wahre Erleichterung. Aber sind sie tatsächlich immer besser als herkömmliche Milch? Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat 71 Pflanzendrinks aller Preiskategorien untersucht. Auf diese Punkte sollten Sie bei einem Pflanzendrink achten.

Sind Pflanzendrinks immer besser? Preis meist höher als bei Milch

Der Preis für einen Liter Pflanzenmilch variiert stark: Er liegt je nach Sorte und Herstellung (biologisch oder konventionell) zwischen 0,95 Euro und 2,99 Euro und ist damit im Durchschnitt teurer als Kuhmilch. Dazu trägt auch die unterschiedliche Besteuerung der Produkte bei. Während der Steuersatz bei Milchprodukten bei sieben Prozent liegt, werden auf Pflanzendrinks 19 Prozent Steuern erhoben. Dem Durchbruch der Pflanzendrinks hat das aber bisher nicht geschadet. Die Produktpalette der Milchersatzdrinks ist mittlerweise groß, es gibt:

Sind Pflanzendrinks immer besser? Nährwerte und Inhaltsstoffe

In Pflanzendrinks steckt hauptsächlich Wasser. Wie hoch der Rohstoff-Anteil ist, ist unterschiedlich. So lag der Soja-Rohstoffanteil in den Pflanzendrinks zwischen 5,6 und 13 Prozent, der Hafer-Anteil bei Haferdrinks zwischen 8,7 und 16 Prozent und der Mandel-Anteil bei Mandeldrinks zwischen 2 und 7 Prozent. Der Energiegehalt der Produkte lag zwischen 12 und 81 Kilokalorien pro 100 Gramm. Im Schnitt enthielten Sie 48 Kilokalorien pro 100 Gramm – und damit weniger Energie als fettarme Milch.

Der Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ist bei Pflanzendrinks aufgrund der Rohstoffbasis kaum mit Kuhmilch vergleichbar. Milch und Milchprodukte enthalten viel Calcium, aber auch andere Nährstoffe wie Vitamin B2, B12, A und D oder Jod. Die Pflanzendrinks sind zwar manchmal mit Mineralstoffen wie Calcium, Vitamin B12, D, E und B2 angereichert, der Großteil der Produkte enthält jedoch keine zugesetzten Nährstoffe. Menschen, die sich vegan ernähren, sollten daher darauf achten, ihren Nährstoffbedarf anderweitig zu decken. Bezüglich Eiweiß müssen sich Verbraucher zumindest bei Sojadrinks keinen Kopf machen: Der Gehalt ist genauso hoch wie bei Kuhmilch. Eine größere Rolle spielt Calcium. Hier sollten besonders Veganer darauf achten, dass die Pflanzendrinks mit dem Mineralstoff angereichert wurden.

Sind Pflanzendrinks immer besser? Zusatzstoffe und Aromen

Wer Zusatzstoffe und zugesetzte Aromen vermeiden möchte, ist mit Pflanzendrinks gut beraten. Die Mehrheit der Produkte, die von der Verbraucherzentrale getestet wurden, verzichtet darauf. Wer ganz sicher gehen will, wählt Bio-Produkte. Auch hier lohnt sich der genaue Blick auf die Verpackung: Was drin ist, steht auf der Zutatenliste. Im Test enthielt jeder fünfte Drink Aromen, wobei überwiegend „natürliches Aroma“ verwendet wurde. 38 Prozent der erfassten Produkte enthielten Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Säureregulatoren und Emulgatoren.

Sind Pflanzendrinks immer besser? Achtung Werbeversprechen!

Von Aussagen wie „Ohne Zuckerzusatz“ oder „100% Natur“, die auf der Verpackung präsentiert werden, sollten Sie sich nicht verwirren lassen. Was wirklich in dem Produkt enthalten ist, steht in der Nährwerttabelle und der Zutatenliste. So heißt „Ohne Zuckerzusatz“ nicht, dass in dem Produkt kein oder wenig Zucker enthalten ist, sondern nur, dass keiner hinzugefügt wurde. Ein „ungesüßter“ Pflanzendrink kann durchaus mehr natürlichen Zucker beinhalten als ein gesüßter anderer Drink. Hafer- und Reisdrinks besitzen beispielsweise selbst ohne Zusatz bereits eine Süße.

Der Begriff „Natur“ oder „natürlich“ ist nicht geschützt. Was die Hersteller unter natürlich verstehen und hinzufügen kann daher mit dem eigenen Empfinden kollidieren. So enthielten einige Produkte mit dem „Natur“-Label Zucker, Aroma oder Zusatzstoffe. Ähnlich ist es bei „regional“ und „Hergestellt in Deutschland“. Wer wissen möchte, wo der Rohstoff angebaut wurde, sollte die Informationen auf der Packung genau lesen. Womöglich wurde der Drink nur in Deutschland abgefüllt, die Sojabohnen stammen aber aus Italien. Den Begriff „regional“ sollte man auch nicht geografisch zu eng ziehen. Mit „regionaler Herstellung“ warben manche Produzenten, selbst wenn der deren Rohstoff in Italien angebaut wurde.

Sind Pflanzendrinks immer besser? Nachhaltigkeit

Neben dem Tierwohl ist der Klimaschutz einer der wichtigsten Gründe für den Kauf eines Pflanzendrinks. Das ist auch tatsächlich so. Ein Liter Pflanzendrink verursacht nur etwa ein Viertel bis die Hälfte der Treibhausgasemissionen, die bei der Produktion von derselben Menge Kuhmilch entstehen, selbst wenn die Basis tropische Kokosnüsse sind. Auf den Verpackungen konnten die Verbraucherschützer einen solchen Vergleich allerdings nicht finden, lediglich zur Verpackungsherstellung.

Mandel- und Reisdrinks haben den Nachteil, dass für den Anbau sehr viel Wasser verbraucht wird. Kokosnüsse haben eine lange Reise hinter sich. Die reine Wasserbilanz von Mandeldrinks kann sogar schlechter sein als die von Milch. Innerhalb der Pflanzendrinks schneiden Haferdrinks aus Deutschland und Haselnussdrinks im ökologischen Vergleich besonders gut ab. Der Grund: Hafer wächst auch in kälteren Regionen gut und minimiert somit die Transportemissionen. Haselnusssträucher verringern zudem die CO2-Werte in der Atmosphäre und die Blüten werden über den Wind bestäubt.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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