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Pflegekosten: Das soll die „kleine Pflegereform“ ändern

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Von: Kristina Wagenlehner

Eine alte Frau geht mit ihrem Rollator durch einen Eingangsbereich in einem Altenheim. (Symbolbild)
Im bundesweiten Schnitt kostet die Pflege im Heim Pflegebedürftige 2125 Euro pro Monat. (Symbolbild) © Rainer Droese/Imago

Der Platz in einem Pflegeheim wird seit Jahren immer teurer. Ändern soll das ab dem nächsten Jahr die „kleine Pflegereform“.

Berlin – Rund 800.000 Pflegebedürftige leben in Deutschland in Heimen. Und das Leben dort ist teuer und wird es immer mehr. Eine Pflegereform, die ab 01. Januar 2022 greift, soll das jetzt ändern.

Pflegekosten: Wie teuer die Pflege im Heim tatsächlich ist

Die Pflege im Heim wird seit Jahren immer teurer. Und das nicht zu wenig. Mittlerweile liegen die selbst zu zahlenden Anteile im Schnitt bei 2125 Euro im Monat. Das sind 57 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 110 Euro mehr als Mitte 2020. Das ergeben neue Daten des Verbands der Ersatzkassen vom 1. Juli. Nach wie vor gibt es große regionale Unterschiede: Am teuersten sind Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 2496 Euro im Monat. Am günstigsten sind Plätze in Sachsen-Anhalt mit 1539 Euro.

Pflegekosten: Wie hoch ist der Eigenanteil

Es ist schon ein längerer Trend: Anfang 2018 musste für die reine Pflege im Bundesschnitt noch 593 Euro aus eigener Tasche bezahlt werden, aktuell sind es 873 Euro. In den Beträgen ist der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen aber noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen dazu. Wie hoch der Eigenanteil allein für die reine Pflege ist, ist unterschiedlich:

Laut den neuen Daten sind allerdings nicht nur die Zuzahlungen für die reine Pflege gestiegen. Für Unterkunft und Verpflegung waren im bundesweiten Schnitt pro Monat 791 Euro fällig. 774 Euro waren es Mitte 2020. Die Spanne reicht aktuell von 606 Euro in Sachsen-Anhalt bis 1062 Euro in Nordrhein-Westfalen. Als Zuzahlung für Investitionskosten in den Heimen fielen nun im Bundesschnitt 461 Euro im Monat aus eigener Tasche an.

„Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, werden immer mehr Menschen auf Leistungen der Sozialhilfe angewiesen sein, weil sie die Kosten nicht mehr selbst aufbringen können.“, sagt Ulrike Elsner, Vorstandschefin des Verbandes der Ersatzkassen. Die Länder und die neue Bundesregierung müssen sich daher dringend noch mehr mit der Pflege befassen.

Pflegekosten: Neue „kleine Pflegereform“

Entlastung bringen soll jetzt eine neue Reform von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Bundestag und Bundesrat gerade noch beschlossen haben.* Ab 1. Januar 2022 soll der Eigenanteil für die reine Pflege im ersten Jahr im Heim um fünf Prozent sinken, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent.

Die „kleine Pflegereform“ reiche bei weitem nicht aus, sagt Elsner. Es gelte, Pflegebedürftige spürbar zu entlasten und die Finanzierung langfristig zu sichern. Sie schlägt vor: Ein dauerhaft höherer Steuerzuschuss für die Pflegeversicherung und die Übernahme von Investitionskosten der Einrichtungen durch die Länder. Zudem müsse sich die private Pflegeversicherung am Finanzausgleich beteiligen.

Pflegekosten: Bessere Löhne für Pflegekräfte

Ein weiterer Baustein der Pflegereform: bessere Löhne für Pflegekräfte. Ab September 2020 darf es Versorgungsverträge nur noch mit Einrichtungen geben, die nach Tarif oder in ähnlicher Höhe zahlen. Versorgungsverträge werden zwischen öffentlich-rechtlichen Krankenkassen oder Pflegekassen der sozialen Pflegeversicherung und dem Träger einer öffentlich-rechtlichen oder privaten Einrichtung geschlossen. Aktuell werden laut Arbeitsministerium knapp die Hälfte der 1,2 Millionen Beschäftigten in der Altenpflege nach Tarif bezahlt. Der Versuch einen Tarifvertrag für die gesamte Branche verbindlich zu machen, scheiterte allerdings.

Doch wer soll das bezahlen? Finanzieren soll das der Pflegebeitrag für Menschen ohne Kinder, der von 3,3 auf 3,4 Prozent steigt. Ab 2022 bezuschusst der Bund zudem jährlich die Pflegeversicherung mit einer Milliarde Euro. (Mit Material der dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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