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Schwanger, ohne es zu wissen: 250 Frauen pro Jahr merken es erst bei der Geburt

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Von: Jennifer Köllen

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Eine Frau schaut sich das Ultraschallbildes ihres ungeborenen Kindes auf dem Smartphone an (Symbolbild)
Unbemerkt schwanger: Manche Frauen merken die Schwangerschaft lange nicht – manche sogar bis zur Geburt (Symbolbild) © Pau Novell/Imago

In Finnland hat eine Frau spontan entbunden – sie hatte nicht gemerkt, dass sie schwanger ist. Ärzte sagen, das passiert häufiger, als man denkt. Wie kann das sein?

Turku (Finnland) – Tilda Kantala ist gerade mit ihren Eltern im Urlaub, als sie Bauchschmerzen bekommt. Zunächst denkt die 23-Jährige, sie hätte etwas Falsches gegessen. Doch plötzlich hat sie den Drang, zu pressen – und das zunächst ohne große Schmerzen. Das erinnert sie an ihre Geburt der zweijährigen Aleia. Die Gebärende kann gerade noch ihre Mutter zu Hilfe rufen, die Handtücher und Wasser holt, schon ist ihr Sohn Alec auf der Welt.

Schwanger, ohne es zu wissen: 250 Frauen pro Jahr merken es erst bei der Geburt

Tilda hatte in den Monaten zuvor immer ganz regulär ihre Periode gehabt, erzählt die Finnin der britischen Tageszeitung „Daily Mirror“. Auch einen großen Babybauch hatte sie nicht. Die Schwangere hatte zwar ein paar Kilo zugelegt, das aber für normale Gewichtsschwankungen gehalten. Auch andere Schwangerschaftsanzeichen wie Übelkeit hätte sie nicht gehabt, wie sie sagt.

Schwanger, ohne es zu merken: Und plötzlich ist das Baby da.* Frauen und besonders Mütter schütteln bei solchen Nachrichten vermutlich mit dem Kopf. Man stellt sich die Frage: Wie soll das denn gehen?

Dafür gibt es eine Erklärung, die gleichzeitig einfach und komplex ist: So sehr sich viele Frauen ein Baby wünschen – natürlich gibt es auch Frauen, die gar nicht schwanger werden wollen. Werden sie es doch, verdrängen manche alle Anzeichen – um sich nicht damit beschäftigen zu müssen. So, als wäre gar nichts passiert. Dass das „Problem“ und auch das Baby, immer größer werden, ignorieren sie einfach. Und zwar so sehr, dass sie wirklich überrascht sind, wenn plötzlich die Wehen einsetzen.

Eine Frau, die ihr Baby nach der Geburt im Arm hält. (Symbolbild)
Unbemerkt schwanger? Das geht, sagen Ärzte. (Symbolbild) © IMAGO/Westend61

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Unbemerkt schwanger: Manche Schwangere verdrängen Anzeichen

„Wir sprechen von einer verdrängten Schwangerschaft, wenn sie bis zur 20. Woche nicht bemerkt wurde. Die betroffenen Frauen sind unbewusst sehr geschickt darin, ihre körperlichen Veränderungen umzudeuten“, erklärt Dr. Ilka Lennertz, Psychologin in der Klinik für Psychosomatik des Universitätsklinikums Dresden im Gespräch mit dem Magazin „Eltern“. „Der Bauch ist halt gebläht, und für Schwindel und Übelkeit ist vielleicht die Sommerhitze verantwortlich.“

Darüber hinaus gäbe es noch das sogenannte Silhouetten-Phänomen: „Bei Frauen, die ihre Schwangerschaft verdrängen, bleibt der Bauch meist viel kleiner als bei anderen Schwangeren. Wir nehmen an, dass sie unbewusst ihre Bauchmuskeln anspannen und ihre Körperhaltung nicht verändern. Das Baby liegt vermutlich näher in Richtung Wirbelsäule. Einigen dieser Babys sieht man nach der Geburt regelrecht an, dass sie sehr wenig Platz im Bauch hatten.“

Unbemerkt schwanger – gar nicht so selten

Das alles klingt für die meisten Frauen so unglaublich, dass man annehmen könnte, dieses Phänomen träte nur sehr selten auf. Doch dass eine Frau ihre Schwangerschaft verdrängt, passiert viel häufiger, als man denkt. In Deutschland passiert das jedes Jahr etwa 1.500 Mal. Und ganze 250 Frauen erfahren erst während der Geburt, dass sie ein Baby bekommen.

„Es handelt sich um eine enorme Verdrängungsleistung, die im Nachhinein selbst für die Betroffenen schwer nachvollziehbar ist. Ich habe mit Frauen gesprochen, die ihre Wehen für unerträgliche Rückenschmerzen hielten und erst im Krankenhaus erfuhren, dass sie gerade ein Kind bekommen“, erklärt Lennertz. Betroffene Frauen würden dann später sagen: „Ich hatte schon mal gehört, dass es so etwas gibt. Aber ich hätte niemals gedacht, dass mir das selbst passieren könnte.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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