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Studie zum Lügen: Wer langsamer antwortet, steht eher unter Verdacht der Schummelei

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Von: Christine Pander

Eine Frau hält sich eine auf ein Blatt aufgemalte Verlängerung der Nase an ihr Gesicht (Symbolfoto)
Würden Nasen beim Lügen wachsen, wäre Unwahrheit schneller zu entlarven (Symbolfoto). © iko/imago images

Steuererklärung, Korruptionsskandale, Alters- oder Gewichtsangaben: Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Französische Forscher kommen in einer Studie zum Schluss, dass sich vor allem ein Personenkreis der Lüge verdächtig macht: Menschen, die langsam auf Fragen antworten.

Grenoble – Wer nur zwei Sekunden mit seiner Antwort zögert, hat verloren: Einer Studie aus Frankreich zufolge reicht das schon aus, um an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Bereits dieser kleine Moment lässt das Gegenüber unter Umständen an der Ehrlichkeit des Antwortenden zweifeln. Publiziert wurden die Ergebnisse im Journal of Personality and Social Psychology. Den Forschern zufolge kann das vor allem für Polizeiverhöre oder Gerichtsverhandlungen Folgen haben.

Studie zum Lügen: Zwei Sekunden zögern bei Antworten wirkt unehrlich

Ein Wissenschaftler-Team der Grenoble Ecole de Management und der Psychologe Deming Wang von der James-Cook-Universität Singapur führten dazu eine Serie von Experimenten mit mehr als 7500 Teilnehmern durch. Die Probanden hörten beispielsweise Audioaufnahmen oder sahen Videos, in denen eine Person auf eine simple Frage antwortete. Zum Beispiel, ob der Kuchen eines Freundes geschmeckt habe.

Dabei variierten die Reaktionszeiten der Antwortenden. In allen Experimenten wurden verzögerte Antworten durchweg als weniger aufrichtig eingeschätzt. Dabei reichte schon eine Pause von zwei Sekunden, damit eine Antwort als unehrlicher wahrgenommen wurde.

Studie zum Lügen: Im Alter von drei Jahren geht es los

Lügen werden nicht erst thematisiert, seit Pinocchio in unser Leben trat: Die Holzpuppe, deren Nase beim Lügen immer länger und länger wurde. Lügen beschäftigen die Wissenschaft seit eh und je. Wer lügt wann, warum, wie oft? Und haben Lügen wirklich kurze Beine, sprich: Sind vor allem Kinder Meister im Lügen? Schon im Alter von drei bis vier Jahren beginnen sie, bewusst zu schwindeln.

Und das ist auch gut so: Wissenschaftlern zufolge lernen sie dabei einen zentralen Mechanismus. „Lügen zu verstehen, ist sehr wichtig: Wenn in unserer Gesellschaft jemand lügen kann, hat er einen sehr großen Vorteil. Deshalb müssen alle anderen auch verstehen lernen, was da geschieht, wenn man lügt, um dem entgegenhalten zu können“, sagt Prof. Josef Perner, Lügenforscher der Universität Salzburg, in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Forscher der University of California haben diese Fakten zum Lügen ermittelt:

In der Vergangenheit wurde immer wieder durch Studien bestätigt, dass Lügen der soziale Schmierstoff einer Gesellschaft sind; zumindest, wenn sie von geringer Relevanz sind und keinen Schaden anrichten. Gemeint sind damit eher Ausflüchte in die Kategorie Notlüge, wenn das Geschenk der Schwiegermutter zwar völlig geschmacklos, aber durchaus gutgemeint ist und die betagte Dame durch ein echtes Feedback nicht verletzt werden soll.

Gelogen wird übrigens auch je nach Geschlecht völlig anders, das haben Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts (MPI) für Bildungsforschung und des Technion-Israel Institute of Technology ermittelt: Männer lügen, wenn es um den Job,* das Auto und die Freizeitaktivitäten geht. Frauen schwindeln eher, wenn es um ihr Alter, ihr Gewicht und ihre Einkäufe geht.

Studie zum Lügen: Männer lügen öfter als Frauen

Generell lügen Männer häufiger als Frauen. In Experimenten logen 42 Prozent aller teilnehmenden Männer, aber nur 38 Prozent der beteiligten Frauen. Auch konnten die Forscher feststellen, dass Jüngere eher lügen als Ältere. So liegt laut der Studie die Wahrscheinlichkeit, dass ein 20-Jähriger lügt bei etwa 47 Prozent, bei einem 60-Jährigen hingegen nur noch bei 36 Prozent. Für die Metaanalyse haben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts Daten von 565 Studien mit insgesamt 44 050 Probanden berücksichtigt.

Die Lügenaktivität ihrer Probanden haben die Forscher mit dem Münzwurf-Spiels ermittelt. Dabei werfen die Teilnehmer eine Münze, ohne dass sie jemand dabei beobachtet. Das Ergebnis geben sie per Computer an die Versuchsleiter durch. Bei Kopf bekommen sie Geld, bei Zahl gehen sie leer aus. Führt man diesen Versuch öfter und mit vielen Probanden durch, müsste das Verhältnis von Kopf zu Zahl insgesamt fünfzig zu fünfzig betragen. Doch zeigen fast alle Studien, dass Probanden öfter Kopf als Zahl nennen. Das heißt: Mindestens einige Probanden lügen, um mehr Geld zu erspielen.

Studie zum Lügen: Umweltbedingungen sind entscheidend, ob jemand lügt

In anderen Studien des MPI bezog sich Unehrlichkeit auf das Ausmaß der eigenen Fertigkeiten. Zum Beispiel, ob ein mathematisches Rätsel richtig gelöst wurde. Die Forscher konnten zeigen, dass solche strukturellen Unterschiede im Versuchsaufbau das Verhalten der Probanden beeinflussen und somit zu unterschiedlichen Ergebnissen über das Ausmaß der Unehrlichkeit führen.

„Möchte man wissen, in welchem Ausmaß Menschen geneigt sind, sich unehrlich zu verhalten, muss man unbedingt berücksichtigen, mit welchen experimentellen Situationen und Versuchungen man Menschen konfrontiert“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs „Adaptive Rationalität“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Dies deute daraufhin, dass Unehrlichkeit nicht einfach nur die Eigenschaft einer Person ist, sondern systematisch mit den Bedingungen der Umwelt zusammenspiele. Übrigens: Direkter Blickkontakt erschwert das Lügen Forschern zufolge ungemein. *Merkur. de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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