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Läuft während des Sterbens der „Film des Lebens“ ab? Studienergebnis überrascht

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Von: Judith Braun

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Bildcollage aus Kopf mit Gehirn. (Symbolbild)
Was passiert während des Sterbens? Läuft das Leben „wie im Film“ ab? Eine Studie liefert neue Erkenntnisse. (Symbolbild) © kentoh/IMAGO

Ob kurz vor dem Tod tatsächlich das Leben wie ein Film vor den Augen abläuft, ist bislang ein Rätsel. Ein tragischer Zufall liefert nun neue Erkenntnisse.

München – Was während des Sterbens genau passiert, weiß niemand. Menschen, die bereits eine Nahtoderfahrung machen mussten, berichten von unterschiedliche Phänomenen. Einige sahen ein weißes, warmes Licht am Ende eines Tunnels. Andere wiederum erlebten ein tiefes Gefühl von Glück oder aber Panikzustände. Viele schilderten, wie ihnen ihr Leben in der Rückblende „wie ein Film“ vor den Augen ablief.

Tod: Läuft vorher der „Film des Lebens“ ab? Studienergebnis überrascht

Das Seltsame daran ist, dass es diese Erlebnisse aus medizinischer Sicht eigentlich gar nicht geben kann. Laut dem Online-Wissensmagazin „scinexx“ endet die Aktivität des Gehirns nämlich wenige Sekunden nach einem Herzstillstand. Nach 20 Sekunden erscheint auf dem Elektroenzephalographie (EEG) eine Nulllinie.

Da die Ärzte in dieser Situation meist damit beschäftigt sind, den Sterbenden durch Reanimation wieder ins Leben zurückzuholen, gibt es kaum neurologische oder neuropsychologische Daten zur Übergangsphase zwischen Leben und Tod. Ganz anders beim Schlafen: Eine Studie verblüffte bereits mit Erkenntnissen darüber, was wir während der Nachtruhe denken. Dank eines tragischen Zufalls konnten Wissenschaftler nun aber auch die Abläufe im Gehirn eines Sterbenden beobachten.

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Was passiert während des Sterbens im Gehirn? Tragischer Zufall gibt Einblicke

Was sich bereits bei Laborexperimenten mit Ratten erkennen ließ, zeigte sich nun bei einem 87-jährigen Patienten in Estland. Nach einem Sturz wurde er in die Universitätsklinik Tartu eingeliefert. Aufgrund seiner Epilepsie-Erkrankung schloss ihn der behandelnde Arzt zur Kontrolle und Überwachung an ein kontinuierliches EEG an. Als er kurze Zeit später schließlich an einem Herzinfarkt verstarb, wurden seine Gehirnaktivitäten weiter aufgezeichnet. So konnten Mediziner zum ersten Mal sehen, was in diesem Zustand genau im Gehirn abläuft.

Wissenschaftler werten Hirnwellen während des Sterbens aus

Die Aufzeichnungen wurden anschließend an der Universität von Louisville im US-Bundesstaat Kentucky von einem Forscherteam um den Neurochrirugen Ajmal Zemmar ausgewertet und als Studie im Fachmagazin „Frontiers in Aging Neuroscience“ veröffentlicht. Wie der Wissenschaftler gegenüber „Frontier Science News“ erklärte, konnten um den Todeszeitpunkt herum 900 Sekunden Gehirnaktivität gemessen werden. Besonders die 30 Sekunden vor und nach dem Eintreten des Todes interessierte das Forscherteam. Durch diese medizinische Sensation* entdeckten sie Veränderungen in den Hirnwellen.

Erinnerungen kurz vor dem Tod: Messung von Gehirnaktivität verblüfft

Das Ergebnis der Auswertungen der neuronalen Oszillationen war verblüffend. Denn sowohl 30 Sekunden vor als auch nach dem Herzstillstand läuft das Gehirn wohl auf Hochtouren und ist in einem ähnlichen Zustand wie bei hoch kognitiven Prozessen wie bewusstes Wahrnehmen, Konzentration, Meditation, Gedächtnisabruf und der Verarbeitung von Informationen. Für Zemmar deutet deshalb vieles daraufhin, dass das Gehirn weiterhin aktiv bleiben könnte, eben auch während des Sterbens. Somit könnte der Sterbende tatsächlich in dieser Zeitspanne Erinnerungen abgerufen haben und sein Leben wie ein Film vor seinen Augen abgelaufen sein.  

Ob ein Mensch sich in dieser Übergangsphase eher an gute oder schlechte Momente seines Lebens erinnert, dazu konnte der Forscher allerdings keine Aussagen treffen. Und auch keine allgemeingültigen Aussagen sind möglich, da der Patient unter Krampfanfällen und epileptischen Anfällen litt. Eine andere Studie zeigte übrigens, dass nicht nur erhöhter Alkoholkonsum früher zum Tod führen kann, sondern auch der komplette Verzicht. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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