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Trauer: „Ihre Haare sind binnen drei Tagen schlohweiß geworden“

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Von: Kristina Wagenlehner

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Mann sitzt allein auf einer Bank im Schnee und schaut auf einen Fluss. (Symbolbild)
Befindet sich ein Mensch in Trauer, leidet der gesamte Körper. (Symbolbild) © Blickwinkel/Imago

Stirbt ein geliebter Mensch, bringt das alles durcheinander: Gedanken, Alltag und Körper. Denn bei Trauer leidet der gesamte Körper.

Frankfurt am Main – Tod, Trennung, Krankheit: Schicksalsschläge bleiben im Leben nicht aus. Es folgt ein tiefes Gefühl der Trauer. Darauf reagiert auch der Körper. Was dahinter steckt und was gegen die Trauer hilft, erfahren Sie hier.

Trauer: „Ihre Haare sind binnen drei Tagen schlohweiß geworden“

„Im Verlustfall hängt alles zusammen. Körper und Geist sind kaum zu trennen“, sagt Heidi Müller, Wissenschaftlerin im Bereich der Trauerforschung. Zudem kommt: „Jeder Mensch trauert anders“, sagt Susanne Haller, Leiterin der Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie am Hospiz Stuttgart. Dementsprechend vielfältig seien körperliche Reaktionen auf einen einschneidenden Verlust.

Mögliche körperlich Reaktionen sind:

Wie Trauer wirkt: Der ganze Körper leidet

Einige Symptome der Trauer sind unsichtbar, andere nicht. Zum Beispiel die Körperhaltung: „Viele Trauernde gehen nicht mehr so aufrecht, der Kopf hängt ein wenig, sie bewegen sich langsamer“, sagt Annette Wagner, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung (BVT). In ihrer Arbeit mit trauernden Menschen fällt ihr immer wieder auf, dass diese – selbst an warmen Tagen – frösteln. Ein heißer Tee und eine kuschelige Decke sind dann nicht nur für die Seele wichtig, sondern auch für den Körper.

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Oft hört man auch, dass bei Trauer die Haare schneller ergrauen: Annette Wagner hat es nach eigenen Worten in 20 Jahren Trauerbegleitung aber nur einmal erlebt: „Ihre Haare sind binnen drei Tagen schlohweiß geworden“. Selbst wenn die Haare nicht schneller ergrauen, Trauernde wirken älter: „Die Mundwinkel fallen, die Haut ist aschig, unter den Augen sind dunkle Ringe – so sieht ein trauriger Mensch aus“, sagt Wagner.

Woher kommt das? Schuld sind laut Wagner die Lebensumstände. Personen in Trauer leiden oft an Schlaflosigkeit und haben weniger bis kaum Hunger. Bewegungsmangel führt außerdem zu fahler Haut.

Wie Trauer wirkt: Warum reagiert der Körper?

Warum der Körper so stark auf Trauer reagiert, ist noch nicht vollends klar. „Die dahinterliegenden Mechanismen kennen wir nicht genau“, sagt Trauerforscherin Heidi Müller. Klar ist: Verlust bedeutet enormen Stress.

Allerdings belegt eine Studie der Universität Sydney aus dem Jahr 2010, dass der Herzschlag von Personen, die zwei Wochen zuvor einen geliebten Menschen verloren hatten, im Durchschnitt höher ausfiel. Damit einher geht ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Sechs Monate nach dem Verlust hatte die Herzfrequenz wieder reguliert.

Wie Trauer wirkt: Was hilft?

Wichtig ist in diesen Situationen, dass Betroffene bei anhaltenden und starken Beschwerden zum Arzt gehen. Zudem sollten Sie sich nicht unter Druck setzen, wenn in Sie in dieser Phase keine Höchstleistungen erbringen. An den körperlichen Reaktionen ist nichts falsch. Denn trauern kostet den Körper viel Energie. Müller empfiehlt sich diese Phasen der Trauer zu erlauben und sich Zeit für Dinge nehmen, die ihnen guttun, zum Beispiel: Meditieren, Sport oder einen selbstgemachten Detox-Tee der Körper entlastet*.

„Aber: Sie ist ein ganz natürlicher Ausdruck. Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, sagt Trauerbegleiterin Annette Wagner. Was in Trauerphasen hilft, ist ein liebevoller und achtsamer Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper – bis sie irgendwann vorübergezogen ist. *24garten.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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