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WhatsApp: So verändert der Messenger den Schreibstil von Teenagern

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine Jugendliche in orangefarbenem Pulli und mit blauer Mütze tippt auf ihrem Handy vor einer orangefarbenen Wand (Symbolbild)
Messenger führen nicht dazu, dass Jugendliche sämtliche Sprachregeln über Board werfen, zeigt eine Studie (Symbolbild) © Westend61/Imago

Textmessenger sorgen nicht automatisch dafür, dass Jugendliche sämtliche Sprachregeln aufgeben. Im Gegenteil: Je nach Kontext gelten auch hier Rechtschreibfehler als peinlich.

Halle (Saale) – Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram sind aus dem Alltag vieler Jugendlicher nicht wegzudenken. Welchen Effekt die digitale Kommunikation auf ihren Schreibstil hat, hat der Linguist Dr. Florian Busch von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) kürzlich in einer Studie untersucht – mit überraschendem Ergebnis.

WhatsApp: 200 Schülerinnen und Schüler befragt

Kurznachrichtendienste gehören zu den beliebtesten Apps unter Teenagern und haben längst die Kommunikation über Festnetztelefone abgelöst.* „Häufig beginnt und endet ihr Tag mit dem Blick auf das Smartphone – und damit auch mit den Messengerdiensten“, sagt der Linguist Dr. Florian Busch von der MLU. Für seine Promotion untersuchte er die schriftliche Kommunikation von Teenagern im Netz und in der Schule. Dazu befragte er rund 200 Schülerinnen und Schüler nach ihrem Mediennutzungsverhalten, analysierte mehr als 19.000 Textnachrichten aus WhatsApp und knapp 80 Schulaufsätze. Darüber hinaus führte er ausführliche Interviews, um herauszufinden, wie Jugendliche in der Schule und Freizeit schreiben und welche sprachlichen Mittel sie dabei wann und warum einsetzen.

WhatsApp: Werfen Jugendliche Sprachregeln über Board?

„Es gibt sehr deutliche Unterschiede zwischen dem Schreiben in der Schule und dem Schreiben mit Freundinnen und Freunden“, erklärt Busch. Während Jugendliche in Kurznachrichten meistens auf Groß- und Kleinschreibung und Kommas verzichten, achten sie in Schulaufsätzen stark auf eine korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung. „Es zeigt sich, dass Jugendliche oft sehr wohl über Rechtschreibkompetenz verfügen, in der digitalen Kommunikation aber andere Normen gelten, die ein persönlicheres, adressatengerechtes Kommunizieren ermöglichen“, so Busch.

Egal ist ihnen die Rechtschreibung aber auch im Digitalen nicht: „Schreibfehler können auch in WhatsApp als peinlich wahrgenommen werden. Darauf weisen sich die Jugendlichen mitunter gegenseitig hin und korrigieren einander. Ihnen ist wichtig, nicht ungebildet zu wirken“, erklärt der Linguist.

WhatsApp: Die Rolle von Emojis

Den Experten interessierte auch, welche Funktion Emojis in der digitalen Kommunikation übernehmen. Immerhin enthielt knapp ein Viertel aller Textnachrichten diese Piktogramme. „Entgegen zahlreicher Behauptungen werden Emojis aber in der Regel nicht dafür genutzt, ganze Wörter oder Sätze zu ersetzen“, so Busch. Vielmehr nutzen sie die Jugendlichen als Interpretationshilfe, um zu zeigen, wie eine Nachricht gemeint ist. „An die Stelle von klassischen Satzzeichen tritt hier eine große Zeichenvielfalt, die eine erfolgreiche digitale Kommunikation ermöglicht“, fasst Busch zusammen.

Spannend ist auch, dass unter den Jugendlichen offenbar verschiedene Regeln gelten, je nachdem, in welcher Beziehung sie zueinander stehen:

Digitale Unterhaltungen über WhatsApp seien im Gegensatz zum Schulaufsatz da deutlich komplexer: „Hier gibt es viel mehr Möglichkeiten und Nuancen, mit denen Bedeutung transportiert werden kann.“ Das mache es deutlich schwerer, den richtigen Ton zu treffen.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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