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Verblüffende Studie zeigt: Daran denkt unser Gehirn, wenn wir schlafen

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Von: Jasmin Pospiech

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Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen. Dabei ruhen wir uns nicht nur aus. Unser Gehirn ist dabei sehr aktiv, speichert Informationen – aber nur manche.

Genf – Die Schlafforschung ist eine Wissenschaft, die uns viel über uns selbst, aber auch unseren Körper sagen kann. Wenn die meisten eingeschlafen sind, erinnern sich die wenigsten am nächsten Morgen daran, was sie im Schlaf gemacht haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass unser Körper – und insbesondere unser Gehirn – in dieser Zeit untätig ist. Im Gegenteil. Stattdessen ist es in den Schlafstunden höchst aktiv.

Verblüffende Studie zeigt: Daran denkt unser Gehirn, wenn wir schlafen

Immer wieder haben Schlafforscher in Studien bei Probanden mit MRT-Scans nachweisen können, dass unser Hirn in dieser Zeit Erinnerungen verarbeitet oder auch schädliche Eiweiße und Stoffwechselprodukte abbaut. In einer neuen Untersuchung an der Universität Genf haben Forscher nun erstmals die Gehirnaktivität während des Schlafs entschlüsselt. Dabei haben sie herausgefunden, woran das Gehirn denkt, während wir schlummern.

Ein kleiner Hund schläft neben einer Person, wo nur die Fußsohlen zu sehen sind, in einem Bett. (Symbolbild)
Die Schlafphasen, wie zum Beispiel die REM-Schlafphase, sind am besten an der Hirnaktivität zu erkennen. (Symbolbild) © Imago

Das verblüffende Ergebnis: Es entsteht im Tiefschlaf eine Art Dialog zwischen verschiedenen Hirnregionen. Demnach sendet unter anderem der Hippocampus, der Teil des Gehirns, der die temporären Erinnerungen speichert, Eindrücke und Informationen, die er während des Tages gesammelt hat, an die Großhirnrinde. Infolgedessen kommt es zu einem Austausch, bei dem die Ereignisse des Tages nochmal Revue passiert, ins Langzeitgedächtnis übertragen und die Verbindung zwischen Neuronen verstärkt werden. Besonders interessant daran: Das Gehirn reaktiviert spontan und bevorzugt Informationen, die es als besonders schön erlebt hat und prägt sich diese schneller ein.

Verblüffende Studie: Hirn ist im Schlaf aktiver als gedacht

Für die Studie hat das Genfer Team um die Studienleiterinnen Sophie Schwartz und Virginie Sterpenich einen neuronalen Dekodierer entwickelt, um die Bedeutung der Hirnaktivität messen und entziffern zu können. „Wir wollten vor allen Dingen sehen, inwieweit positive Emotionen in diesem Prozess eine Rolle spielen“, wird Sterpenich in einer Pressemitteilung der Universität zitiert. Dazu haben sie Probanden zwei verschiedene Videospiele spielen lassen*, während sie ein MRI-Scan (Anm.d. Red.: eine Kernspintomografie-Aufnahme) durchgeführt haben.

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Beim ersten Spiel haben die Teilnehmer Gesichter erkennen, beim anderen haben sie aus einem 3D-Labyrinth wieder herausfinden müssen. Infolgedessen wurden zwei verschiedene Gehirnregionen aktiviert, wie der MRI-Scan zeigte. Was die Probanden nicht wussten: Die Forscher haben die Spiele so manipuliert, dass die eine Hälfte bei der Gesichtserkennung und die andere Hälfte beim Labyrinth-Spiel gewonnen hatte. Danach haben die Probanden einen gesamten Schlafzyklus lang, also ein bis zwei Stunden, in der MRI-Röhre unter Beobachtung des Teams geschlafen. Währenddessen wurden ihre Gehirnströme mit einem EEG (Elektroenzephalographie) gemessen.

Verblüffende Studie: Positive Erinnerungen bleiben im Gedächtnis

Anschließend haben die Forscher mithilfe ihres „neuronalen Dekodierer“ die Spielphase mit den Schlafphasen der Teilnehmer verglichen – mit einem erstaunlichen Ergebnis: Das Muster der Hirnaktivität war während eines bestimmten Spiels und der Tiefschlafphase sehr ähnlich. „Es war sehr klar zu erkennen, dass das Gehirn das gewonnene und nicht das verlorene Spiel erneut durchspielte, indem es die Hirnregionen aktivierte, die während des wachen Zustands aktiv waren“, so Sterpenich. „Sobald man schläft, verändert sich die Hirnaktivität. Nach und nach begannen unsere freiwilligen Teilnehmer, wieder an beide Spiele zu denken. Als sie in die Tiefschlafphase eintraten, dachten sie dann aber meistens nur noch an das Spiel, das sie gewonnen hatten.“ (Verblüffende Studie: Wenn Sie das ständig tun, sind Sie außergewöhnlich intelligent)

Zwei Tage nach der Untersuchung mussten die Teilnehmer schließlich einen Gedächtnistest absolvieren. Einerseits sollten sie versuchen, alle Gesichter aus dem ersten Spiel wiederzuerkennen und andererseits den Startpunkt des Labyrinths aus dem zweiten Spiel finden. Dabei hat sich gezeigt: Das Spiel, das gewonnen worden ist und damit positive Gefühle und Erinnerungen in den damit verbundenen Gehirnregionen im Schlaf ausgelöst hat, hat sich auch stärker ins Gedächtnis eingeprägt. Das Gehirn hat den Erfolg schließlich als Belohnung abgespeichert und dementsprechend war auch die Leistung der Teilnehmer im darauffolgenden Test am Ende insgesamt besser. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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