Bergretter erklärt, warum kleine Fehler in den Bergen große Folgen haben können

Die Berge faszinieren – doch kleine Fehler können hier schnell gefährlich werden. Der neue Teil unserer Serie beleuchtet, warum Vorbereitung und Achtsamkeit den Unterschied machen.
Ein klarer Himmel, frische Bergluft und das Knirschen der Schuhe auf dem Wanderweg: Die Berge versprechen Freiheit und Abenteuer. Doch hinter der Idylle lauern oft unterschätzte Gefahren. Ein Moment der Unachtsamkeit, ein plötzlicher Wetterumschwung oder mangelhafte Ausrüstung können aus einem entspannten Ausflug schnell einen Notfall machen. „Die Natur verzeiht keine Fehler“, warnt Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern im Gespräch. Was wie eine Kleinigkeit erscheint, kann dramatische Folgen haben – und genau deshalb ist Vorbereitung das A und O.
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Warum die Berge mehr Respekt verlangen
„Draußen ist anders“, betont Ampenberger. Dieser einfache Satz fasst eine zentrale Botschaft zusammen: Wer in die Berge geht, muss sich bewusst sein, dass die Natur andere Regeln schreibt als der Alltag. „Die Kletterhalle ist nicht der Fels, der Hochseilgarten ist nicht der Klettersteig“, erklärt er und weist darauf hin, dass es an Erfahrung und Vorbereitung liegt, wie sicher eine Tour verläuft. Doch selbst die beste Planung schützt nicht vor allem: „Fehler können passieren, und manchmal hat man einfach Pech.“
Die häufigsten Fehler: Von falscher Ausrüstung bis zur Fehleinschätzung
Viele Wandernde unterschätzen die Witterungsbedingungen in den Bergen. „Am Berg in der Höhe ist es kälter als im Tal, Wind und Regen können sehr heftig ausfallen. Das Wetter ändert sich auch schnell als im flachen Land“, erklärt der Experte. Essenziell sind daher Funktionskleidung, Wechselklamotten und ein Erste-Hilfe-Set. Besonders wichtig: „Nach einem Sturz kühlt der Körper schnell aus. Ohne Rettungsdecke oder Biwaksack kann das schnell auch lebensgefährlich werden.“
Notfälle: Warum zögern fatale Folgen haben kann
„Manche versuchen, noch selbst den Berg hinunterzukommen, statt Hilfe zu rufen oder drehen zu spät um. Auf den Berg hinauf gehen ist in der Regel einfacher als herunter, das vergessen viele bei der Entscheidung auf dem Weg zum Gipfel. Dieser ist aber erst die halbe Strecke. Die meisten Unfälle passieren beim Abstieg“, berichtet Ampenberger. Seine Empfehlung bei Unfällen oder in Notsituationen: „Die Situation ganzheitlich einschätzen, abwägen, welche Optionen es gibt, konsequent umdrehen und/oder den Notruf absetzen“. Besonders wichtig sei es, die Ruhe zu bewahren: „Panik verschlimmert die Situation.“
Dabei können GPS-Tracker und Notfall-Apps die Arbeit der Bergwacht erheblich erleichtern. Doch der Experte gibt zu bedenken: „Das Handy ist ein wertvoller Begleiter. Was am Ende zählt, ist aber nicht die Anzeige am Display, sondern die Wirklichkeit vor Ort und meine persönlichen Fähigkeiten“. Eine analoge Karte und ein gutes Orientierungsvermögen sind hier ein wertvolles Backup, wenn der Akku leer ist oder das Netz fehlt. „Die schwarze Wolke über mir ist Realität, die Vorhersage in der Wetter-App mit einem einzelnen Symbol oder einer Prozentangabe nur eine Prognose.“
Es wird spannend! Am 30. Oktober gibt es den nächsten faszinierenden Einblick in die Arbeit der Bergretter.
Der Experte
Roland Ampenberger ist seit 2012 Vorstand der Stiftung Bergwacht und Pressesprecher der Bergwacht Bayern. Zuvor sammelte er jahrelang Erfahrung als aktiver Bergretter. Die Bergwacht Bayern ist spezialisiert auf Rettungseinsätze und Kriseninterventionen in alpinem und unwegsamem Gelände.
Mehr Menschen, mehr Einsätze: Der Bergsport-Boom und seine Folgen
In unserem letzten Artikel haben wir mit Roland Ampenberger über die steigende Beliebtheit des Bergsports in den letzten Jahrzehnten und damit verbundene Risiken gesprochen – mehr dazu lesen Sie hier. Außerdem gibt Ampenberger Expertentipps für sicheres Wandern in den Bergen.