Probiotika wirken auf unsere Stimmung – was die Studie zeigt

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Von: Constanze Julita

Fermentierte Lebensmittel.
Eine neue Studie zeigt, dass Probiotika einen Einfluss auf den Gemütszustand haben. © Zoonar/IMAGO

Wissenschaftler haben die Wirkungsweise von Probiotika untersucht. Die Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung der Stimmung hin. Doch Experten warnen.

Manchmal spüren wir es ganz deutlich: Wenn der Magen grummelt, leidet auch die Laune. Doch hinter dem sprichwörtlichen „Bauchgefühl“ steckt mehr als ein subjektiver Eindruck. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass die Bakterien in unserem Darm nicht nur die Verdauung, sondern auch das emotionale Wolfbefinden steuern. Nun zeigt eine aktuelle Untersuchung: Bestimmte Probiotika könnten tatsächlich helfen, negative Stimmung zu verringern – und das bereits nach wenigen Wochen. Dennoch mahnen Wissenschaftler, die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren.

Studie zu Probiotika enthüllt feine Unterschiede in der Stimmung

In der im April 2025 im Fachjournal npj Mental Health Research veröffentlichten Studie nahmen 88 gesunde junge Erwachsene teil. Sie nahmen vier Wochen lang entweder ein multispezies Probiotikum oder ein Placebo ein. Ziel war es, die Auswirkungen auf die Stimmung der Teilnehmenden zu untersuchen.

Die Studie zeigt, dass klassische psychologische Fragebögen zu Angst, Sorgen oder Depressionen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen erfasste. Dahingegen bracht ein tägliches digitales Stimmungstracking leichte Veränderungen ans Licht: Ab der zweiten Einnahmewoche zeigte die Probiotika-Gruppe eine Reduktion negativer Stimmung. Die positive Stimmung blieb dabei unverändert.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Probiotika bestimmte Aspekte des emotionalen Wohlbefindens fördern könnten, zumindest kurzfristig und bei gesunden Erwachsenen. Die Forschenden betonen jedoch, dass die genauen Mechanismen bislang nicht vollständig verstanden sind und weiterer Untersuchungen notwendig sind.

Darm-Hirn-Achse bildet Kommunikation zwischen Bauch und Kopf

Die sogenannte Darm-Hirn-Achse bildet ein komplexes Kommunikationssystem zwischen Verdauungstrakt und Gehirn. Ein Großteil des körpereigenen Serotonins (auch bekannt als „Glückshormon“) im Darm produziert. Somit kann die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf die neurochemischen Prozesse nehmen, die auch die Psyche betreffen.

Experten raten zu gezielter Anwendung von Probiotika

Auch wenn die Ergebnisse der Studie vielversprechend erscheinen, sind Probiotika kein Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Die Einnahme sollte gut überlegt und bestenfalls ärztlich begleitet erfolgen, da nicht alle Präparate gleich zusammengesetzt sind und die Wirkung von der individuellen Darmflora abhängen kann.

Prof. Dr. Peter Konturek, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten an der Thüringen-Klinik in Saalfeld, betont im Gespräch mit merkur, dass eine gezielte Anwendung von Probiotika wichtig ist. Er weist darauf hin, dass Probiotika insbesondere nach Antibiotikatherapien oder bei bestimmten Darmerkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom hilfreich sein können. Eine routinemäßige Einnahme ohne medizinische Indikation wird jedoch nicht empfohlen. Vielmehr sollte auf eine ausgewogene Ernährung mit natürlichen probiotischen Lebensmitteln gesetzt werden.

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