Halbe Argumente, ganze Meinung: Warum man irrtümlich glaubt, im Recht zu sein
Oft glaubt man, mehr zu wissen als tatsächlich der Fall ist. Das Phänomen heißt „Illusion der adäquaten Informationen“, das zeigt ein aktuelles Experiment.
Manchmal fällt jemand eine Entscheidung, ohne alle Argumente dafür oder dagegen zu kennen. Dennoch wird der Standpunkt selbstbewusst vertreten, weil Menschen ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass sie alle Informationen haben, um sich eine Meinung bilden zu können. Das zeigt das Ergebnis einer Studie aus den USA, die kürzlich im Journal Plos One veröffentlicht wurde.
Meinungsbildung ohne komplette Argumente

„Wenn man den Menschen ein paar Informationen gibt, die zusammenzupassen scheinen, werden die meisten sagen ‚Das hört sich richtig an‘ und sich danach richten“, sagt Mitautor Prof. Angus Fletcher gegenüber Ohio State News. Für das Experiment haben die Wissenschaftler drei Gruppen eingerichtet, die jeweils unterschiedliche Ausgangsinformationen über ein fiktionales Thema erhalten haben. Konkret ging es um zwei Schulen, die zusammengelegt werden könnten, weil eine nicht mit genügend Grundwasser versorgt werden könne:
- Gruppe 1: Hat nur Informationen bekommen, warum die Schulen zusammengelegt werden sollten.
- Gruppe 2: Hat nur Gründe erhalten, die dafür sprechen, die Schulen eigenständig zu lassen und an einer anderen Lösung zu arbeiten.
- Gruppe 3: Hat alle Argumente für und gegen die Zusammenlegung bekommen.
Dabei ist herausgekommen, dass Gruppe 1 und 2 – also jeweils die, die nur die Hälfte der Informationen hatten – dachten, sie hätten genug Informationen, um eine gute Entscheidung zu treffen. Die meisten wäre einfach den Argumenten in ihrem Artikel gefolgt, so Fletcher gegenüber Ohio State News. Damit waren die Menschen, die nur einen Teil der Informationen hatten, selbstbewusster in ihrer Antwort als die Kontrollgruppe, die Pro- und Kontraargumente kannte. Als sie alle Informationen hatten, haben einige noch einmal ihre Meinung geändert.
Eine Meinungsänderung sei aber nur bei zwischenmenschlichen Alltagsthemen denkbar. Bei festgefahrenen ideologische Debatten gebe es diese Einsicht vermutlich weniger, so Fletcher.
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Über das Experiment
Bei dem Experiment gab es drei verschiedene Gruppen. Insgesamt wurden 1.261 Amerikaner online befragt.
Daran gearbeitet haben Prof. Hunter Gehlbach und Prof. Angus Fletcher von der Ohio State University sowie Dr. Carly D Robinson von der Standford University.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.