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Katia Saalfrank übersetzt: Was Kinder sagen und was sie meinen

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Von: Judith Braun

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Gefühle auszudrücken, fällt Kindern meist schwer. Erziehungs-Expertin Katia Saalfrank rät Eltern deshalb, die Bedürfnisse ihrer Kleinen zu erspüren.

Da Kinder erst lernen müssen, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu kommunizieren, machen sie dies zunächst auf andere Art und Weise. Die Kleinsten schreien beispielsweise, wenn sie entweder Schmerzen haben oder einfach nur unzufrieden sind. Eltern brauchen dann Übung darin, den Unterschied des Baby-Schreiens zu erkennen und richtig zu deuten. Genauso müssen sie lernen, versteckte Botschaften von Kleinkindern zu verstehen. Denn laut der ehemaligen RTL-Super-Nanny und Pädagogin Katia Saalfrank (50) wollen Kinder, wenn sie zum Beispiel etwas verweigern, ihre Eltern nicht stressen oder ärgern. Ganz im Gegenteil: Häufig drücken sie so ihre Liebe aus.

Erziehung: Was Kinder sagen und was sie tatsächlich meinen

Mutter spricht mit ihrer Tochter
Wenn Kinder sich weigern, in die Kita zu gehen, wollen sie Eltern nicht stressen. Im Gegenteil. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/IMAGO

„Eltern missverstehen im hektischen Alltag die versteckten Liebesbotschaften ihrer Kinder am häufigsten in Momenten, in denen sie selbst gestresst sind“, erklärt Saalfrank gegenüber Focus Online. Das kann bereits am Morgen sein, wenn Kinder quengeln und den „Alltagsbetrieb“ aufhalten, weil sie partout nicht in die Kita gehen möchten.

Oder sie wünschen sich am Nachmittag auf dem Nachhauseweg getragen zu werden oder, dass Mama ihnen abends ihr Brot schmiert, obwohl sie das schon längst selber können. Eltern sehen dann häufig nur einen zusätzlichen Aufwand und die Anstrengung, so die Erziehungsexpertin. Was ihre Kinder ihnen allerdings tatsächlich damit sagen wollen, überhören sie oft.

Wenn Kinder jedoch folgendes sagen, verstecken sich in ihren Forderungen eigentlich Liebesbotschaften:

Was Kinder sagen:Was Kinder meinen:
Kannst Du mir die Jacke anziehen?Ich mag es, wenn du nah an mir bist – kannst du mir die Jacke anziehen?
Du sollst mich tragen.Ich will dir ganz nah sein und dich spüren – du sollst mich tragen.
Ich will heute nicht in die Kita.Ich will bei dir sein – ich will heute nicht in die Kita.
Ich will mit dir spielen.Ich will mit dir Zeit verbringen – ich will mit dir spielen
Ich will mein Brot nicht selbst schmieren. Du sollst das machen!Von dir umsorgt zu werden ist wunderbar – ich will mein Brot nicht selbst schmieren. Du sollst das machen!

Kinder suchen Zuwendung und Rückversicherung ihrer Eltern

Meist wünschen sich Kinder, wenn sie sich so verhalten, nicht mehr als die Zuwendung ihrer Eltern. „Wenn Kinder uns um Unterstützung bitten, zum Beispiel bei den Schuhen, der Jacke oder anderen vermeintlich banalen Tätigkeiten, die sie auch selbst schaffen könnten, machen sie sich auch vor allem emotional satt“, erläutert Saalfrank und weiter: „Denn in einer Unterstützung beim Anziehen oder Essen, beim Aufräumen oder den Hausaufgaben liegen vor allem Kontakt und Zuwendung zueinander und Interesse aneinander und auch die Botschaft, ‚Du bist mir wichtig‘.“ Die Kleinen brauchen diese Rückversicherung und Form von Bindung schließlich, da sie ihnen die Sicherheit und das Gefühl gibt, dass sie wertvoll und geliebt sind.

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Erziehung: So gelingt es Eltern, ihre Kinder richtig zu „lesen“

Damit Eltern das Verhalten ihrer Kinder richtig einordnen können, hilft es laut Saalfrank, „präsent im Hier und Jetzt“ zu sein. Denn nur wenn Eltern mit sich selbst in Kontakt sind, dann könnten sie beim Blick in die Augen ihrer Kinder spüren, dass sie ihnen mit ihrem Verhalten eine versteckte Botschaft übermitteln wollen und „dass es um mehr als eine Hilfestellung und Tätigkeit geht“.

Es geht also darum, zu erspüren, was Kinder in bestimmten Momenten ausdrücken wollen und ihre Sehnsucht nach Zuwendung und Bindung mit einer Geste oder einem Satz zu beantworten. So können die Bindung zwischen Eltern und Kind verstärkt werden. Das Kind fühlt sich außerdem sicher und bekommt das Gefühl, dass es sich auf Mama und Papa verlassen kann.

Die Erziehungsexpertin warnt allerdings davor, dass Eltern wie beispielsweise sogenannte Helikopter-Eltern ständig um ihre Kinder kreisen oder wie Rasenmäher-Eltern ihnen alles abnehmen sollten. Neben dem Bedürfnis nach Bindung streben Kinder gleichzeitig auch nach Selbstständigkeit und Autonomie. „Deshalb: Ob ich meinem Kind vollständig in die Jacke helfe oder einfach nur wahrnehme, dass mein Kind gerade sein Herz auftanken möchte und darauf reagiere, zum Beispiel mit: ‚Oh, du willst, dass ich dir helfe. Versuch es noch mal selbst mit der Jacke, ich habe gerade die Hände voll. Bei den Schuhen bin ich dann aber bei dir‘, ist beides von Zuwendung und Kontakt geprägt.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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