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Phänomen Schluckauf: Woher das Hicksen kommt und was tatsächlich dagegen hilft

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Von: Jasmina Deshmeh

Foto einer Karikatur, die mit einem Megafon erschreckt wird (Symbolbild)
Erschrecken gegen das lästige Hicksen: Meist lässt sich Schluckauf schnell wieder vertreiben (Symbolbild). © Shotshop/imago-images

Schluckauf ist zwar wirklich nervig, in den meisten Fällen jedoch harmlos. Wie das lästige Hicksen entsteht und wie wir es ganz schnell wieder los werden. 

Langenhagen – Jeder kennt ihn und findet ihn lästig: Den Schluckauf. Glücklicherweise hält das nervige Hicksen bei den meisten Menschen nicht allzu lange an. Das ist aber nicht immer so: Der Amerikaner Charles Osborne litt von 1922 bis 1990 an einem 68 Jahre anhaltenden Dauer-Schluckauf und schaffte es damit sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Der Schluckauf setzte ein, als Osborne ein Schwein vor dem Schlachten wiegen wollte und endete scheinbar ohne Grund ein Jahr vor seinem Tod. Auch wenn es nicht gleich der jahrelange Dauerschluckauf ist: Für Betroffene ist das Hicksen lästig und meist werden sie dafür auch noch belächelt. Woher der Schluckauf kommt, wie er sich schnell wieder vertreiben lässt und welche Krankheiten dahinterstecken können.

Lästiges Hicksen: Schluckauf ist meist harmlos, aber lästig

Schluckauf (unter Medizinern auch Singultus genannt) tritt nach Angaben der Deutschen Lungenstiftung durch eine Reizung des Zwerchfellnervs, des sogenannten Nervus Phrenicus auf. Dieser aktiviert die Muskeln des Zwerchfells, sodass es sich plötzlich und reflexartig zusammenzieht. Dadurch verschließt sich die Stimmritze zwischen den Stimmbändern und die Atemluft kann nicht mehr entweichen. Die Luft prallt gegen die verschlossenen Stimmbänder und es kommt zu dem typischen „Hicks“.

Welche Funktion der Schluckauf hat, ist nicht genau geklärt. Experten vermuten, dass die Ursache in der kindlichen Entwicklung liegt. Denn schon im Mutterleib hicksen wir oft. Dabei könnte es sich um einen abgebrochenen Atemreflex handeln, um zu verhindern, dass Fruchtwasser aus der Fruchtblase in die Lunge gelangt. Der Schluckauf dient also als Training der Atemmuskulatur, damit diese nach der Geburt voll funktionsfähig ist und den Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann.

Lästiges Hicksen: Wenn der Schluckauf länger anhält

Haben wir einen Schluckauf ist das zwar lästig, in den allermeisten Fällen aber harmlos. Auslöser können zum Beispiel zu schnelles Essen, sehr kalte oder heiße Speisen, Alkohol, Kohlensäure oder Zigarettenrauch sein. In seltenen Fällen kann auch ein Zwerchfellbruch zu einem Rückfluss des Magensafts in die Speiseröhre führen, der das umliegende Gewebe, einschließlich der Nerven, irritiert, heißt es auf der Seite „Lungenärzte im Netz“ der Deutschen Lungenstiftung.

Nur in seltenen Fällen wird der Schluckauf chronisch, das heißt er hält länger als zwei Tage an. Für Betroffene ist das äußert unangenehm und belastend, vor allem beim Schlafen und Essen. Die Ursache kann dann ein Tumor im Gehirn sein. Bei regelmäßig auftretendem und hartnäckigem Schluckauf können eine Schilddrüsenerkrankung, Veränderungen an den Lymphknoten, Lebererkrankungen oder Wandaussackungen der Bauchschlagader dahinterstecken.

Lästiges Hicksen: Wann zum Arzt?

Wer immer wieder an Schluckauf leidet, sollte die Beschwerden beim Arzt abklären lassen. Vor allem dann, wenn der Schluckauf in Verbindung mit Sodbrennen, Aufstoßen, Bauchschmerzen oder Gelbsucht auftritt. Warnsignale sind auch Müdigkeit, Gewichtsverlust und Schwellungen im Halsbereich, informiert die Apotheken Umschau.

Schnelles Handeln ist geboten, wenn ein akuter Schluckauf zusammen mit Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen auftritt. In diesem Fall kann ein neurologisches Problem die Ursache sein, etwa ein Schlaganfall, weshalb sofort der Notarzt (112) gerufen werden sollte.

Lästiges Hicksen: Das hilft gegen akuten Schluckauf

Gegen akuten Schluckauf gibt es eine Reihe an Hausmitteln:

Alle Maßnahmen beruhen auf dem gleichen Prinzip: die Konzentration wird auf etwas anderes gelenkt. Ein weiterer Tipp der Deutschen Lungenstiftung: In eine Tüte atmen und die ausgeatmete Luft wieder einatmen. Durch die eingeschränkte Atmung sorgt unser Atemreflex dafür, dass wir wieder tief Luft holen und sich die Atmung normalisiert.

Bei chronischem Schluckauf ist es dagegen wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln. Das Hicksen selbst kann notfalls auch mit Medikamenten unterdrückt werden, die auf das zentrale Nervensystem wirken.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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