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Ketamin: Wundermittel gegen Depressionen? Das sagen Studien

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Von: Jasmin Farah

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Ketamin ist eigentlich ein Narkosemittel. Doch eine Studie zeigt, dass sie auch zweckentfremdet werden kann und zwar im Kampf gegen psychische Erkrankungen.

Stockholm – Mehr als fünf Millionen Menschen erkranken hierzulande jedes Jahr an einer Depression. Durch den Corona-Lockdown hat sich die Situation für viele noch verschärft. Frauen sind oftmals häufiger betroffen als Männer. Um diesen den Alltag zu erleichtern, kommen bereits einige wirksame Stimmungsaufheller wie Antidepressiva zum Einsatz. Seit einiger Zeit tritt in der Forschung immer mehr das Mittel Ketamin in den Fokus.

Ketamin: Neues Wundermittel gegen Depressionen? Das sagen Studien

Dabei handelt es sich ursprünglich um ein Schmerz- und Narkosemittel, das vor allem in der Tiermedizin, aber auch unter bestimmten Bedingungen beim Menschen angewendet wird. Lange war es als Partydroge verpönt. Wie es allerdings genau bei schweren psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen wirkt, ist noch nicht ganz klar. Doch eine Studie vom Karolinska-Institut in Stockholm gibt jetzt neue Hinweise. Das Team um Vesna Lazarevic hat ihre Ergebnisse von Zell- und Tierversuchen mit Ketamin im Fachjournal Molecular Psychiatry veröffentlicht.

Ein Nasenspray steht auf einer Glasfläche, darin spiegelt sich eine blonde Frau. (Symbolbild)
Ketamin in Form eines Nasensprays wird bereits seit längerer Zeit bei Depressionen eingesetzt. (Symbolbild) © Wolfram Kastl/dpa

Grundsätzlich ist seit längerem bekannt, dass eine stark erhöhte Freisetzung des Botenstoffs Glutamat Stress, Depressionen und Stimmungsstörungen hervorrufen kann. Und hier kommt Ketamin ins Spiel: Es soll die verantwortlichen Bindestellen im Gehirn, die auf bestimmte Reize reagieren und Signale weiterleiten, blockieren, sodass das Glutamat nicht länger andocken und für depressive Reaktionen sorgen kann. Zudem soll das Ketamin die Verbindung zwischen verschiedenen Gehirnarealen stimulieren.

Ketamin: Forscher entdecken mehr über Wirkung bei Depressionen

Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass noch weitere zusätzliche Mechanismen eine wichtige Rolle spielen, weshalb Ketamin solch eine vielversprechende Wirkung erzielt. Ketamin sowie seine Metaboliten, also Substanzen, die als Zwischenstufen oder als Abbauprodukt bei der Verstoffwechselung im Körper entstehen, aktivieren gemeinsam direkt auf diese Bindestellen im Gehirn, wodurch mehr des Botenstoffs namens Adenosin ausgeschüttet wird. Dieses ist für seine beruhigende, blutdrucksenkende Wirkung bekannt.

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Dieses wiederum bindet wiederum an andere Bindestellen und hemmt darüber wieder die Glutamat-Freisetzung zwischen Nervenzellen. Die Wirkung tritt rasch ein: Bereits nach 30 Minuten haben die Wissenschaftler in Tierversuchen nach der Anwendung von Ketamin und seinen Metaboliten Erfolge gesehen. Die Schmerzempfindung wurde unterdrückt und das Bewusstsein vermindert.

Ketamin: Partydroge als Nasenspray bei Depressionen

Schließlich wird Esketamin in Form eines Nasensprays (Handelsname Spravato) bereits seit 2019 bei Erwachsenen mit schweren Depressionen eingesetzt, die auf andere antidepressive Therapien nicht ansprechen. Zudem wird es auch bei akuten Episoden depressiver Symptome oder psychiatrischen Notfällen von Ärzten verwendet.

Doch einige Patienten berichten nach Verwendung von Symptomen wie Schwindel, Übelkeit, Dissoziation, Kopfschmerzen und Schläfrigkeit. Die neuen Einblicke könnten den Forschenden zufolge dabei also helfen, Antidepressiva zu entwickeln, die ähnlich wie Ketamin wirken, aber weniger potenzielle Nebenwirkungen haben. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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