Eine Frau sitzt im Außenbereich eines Cafés und niest in ein Taschentuch (Symbolbild).
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Heuschnupfen oder Erkältung? Wer häufig unter Schnupfen, Augentränen oder Niesreiz leidet, sollte sich vom Arzt auf mögliche Allergien testen lassen (Symbolbild).

Erkältung oder Allergie?

Erkältung oder Allergie? An diesen Symptomen erkennen Sie den Unterschied

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Schnupfen, tränende Augen und Niesreiz - eine Allergie ist nicht immer leicht von einer Erkältung zu unterscheiden. Anders als Infekte sind Allergien wie Heuschnupfen aber keine harmlose Erkrankung und sollten immer von einem Arzt diagnostiziert und medikamentös behandelt werden.

  • Ein wesentlicher Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Allergie liegt in der Dauer der Beschwerden
  • Während Erkältungen oft ohne Therapie auskommen, sollten Allergien medikamentös behandelt werden
  • Ohne Behandlung droht bei Allergien wie Heuschnupfen ein „Etagenwechsel“

Berlin – Trockener Hals, Husten, Kratzen und Fließschnupfen – bei diesen Symptomen denken viele Menschen zunächst an eine harmlose Erkältung. In einigen Fällen steckt aber auch eine Allergie hinter den Beschwerden, genauer genommen Heuschnupfen. Bei fehlender Diagnosestellung durch einen Arzt greifen viele Patienten zu abschwellenden Nasensprays, um die vermeintliche Erkältung zu lindern. Eine Behandlung der Heuschnupfen-Symptome mit antiallergischen Medikamenten ist aber wichtig, um einem Etagenwechsel in die unteren Atemwege vorzubeugen.

Erkältung oder Allergie: Das sind die Symptome

Die Symptome einer Erkältung können denen einer Allergie (Heuschnupfen) sehr ähneln. Es gibt aber einige wesentliche Unterschiede, durch die sich eine Allergie klar von einer Erkältung abgrenzen lässt: 

Symptome Erkältung:Symptome Allergie:
Bei einer Erkältung ist die eher verstopft und das Nasensekret wird im Verlauf der Erkältung gelbgrünlich und zähBei einer Allergie bleibt das Nasensekret flüssig und klar
Niesattacken treten bei Erkältungen punktuell auf Anfallsartige Niesattacken
Erkältungen dauern etwa zwei WochenAllergien können die gesamte Pollensaison über anhalten
Regen hat keinen Einfluss auf eine Erkältung Allergien verbessern oder verschwinden bei Regen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Erkältungen und Allergien besteht darin, dass eine Erkältung in der Regel nach zwei Wochen wieder abklingt, während Allergie-Beschwerden meist über die ganze Pollensaison anhalten. Diese beginnt oft schon in den späten Wintermonaten, wenn Frühblüher wie Hasel, Erle und Birken blühen. Eschen, Buchen und Weiden folgen in den Frühlingsmonaten bis in den Mai hinein, während Gräserpollenallergiker von Ende April bis August mit Beschwerden zu kämpfen haben. Das stark allergieauslösende Ambrosia-Kraut (auch „Asthma-Pflanze“) blüht dagegen erst recht spät im Jahr und kann bis November Allergie-Beschwerden hervorrufen.

Darüber hinaus haben erkältete Personen mit einer verstopften Nase, grüngelblichen Nasensekret und gelegentlichem Niesreiz zu kämpfen, während Allergiker flüssigen, klaren Schnupfen und Niesreiz kurz nach dem Allergen-Kontakt haben. Bei Pollenallergikern treten die Probleme meist dann auf, wenn sie sich Orten mit besonders vielen Pollen in der Luft nähern oder Pollen in Innenräume gelangen. Werden Pollen verschluckt, kann es auch zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Zudem können Kreuzreaktionen auftreten, bei denen Allergie-Symptome nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln auftreten. So reagieren viele Pollenallergiker beispielsweise auch auf Nüsse und verschiedene Obstsorten.

Erkältung oder Allergie: Das passiert im Körper

Schnupfen ist meist ein Anzeichen für eine harmlose Erkältung, von der in Deutschland jeder Erwachsene durchschnittlich ein- bis zweimal im Jahr betroffen ist. An Heuschnupfen leiden laut Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin dagegen etwa 20 Prozent der Kinder und 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, womit er die am häufigsten auftretende allergische Erkrankung ist. Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Eiweiße in den Pollen, sogenannte Allergene. Beim ersten Kontakt bildet es IgE-Antikörper gegen diese, es kommt zu einer Sensibilisierung. Gelangen die Pollen erneut auf die Schleimhäute, lösen sich die winzigen Eiweißverbindungen, durchdringen die Hautbarriere und docken an den IgE-Antikörpern an. Diese aktivieren wiederum Immunzellen, sogenannte Mastzellen, die den Entzündungsbotenstoff Histamin ausschütten. Es kommt zu typischen allergischen Symptomen.

Diese Prozesse ähneln denen einer normalen Immunreaktion bei einer Erkältung, bei der sich der Körper gegen Krankheitserreger wehrt. Während Abwehrreaktionen wie Fließschnupfen, Augentränen, Niesreiz und Husten bei Erkältungen bzw. viralen Infekten eine wichtige Funktion erfüllen - nämlich die „Eindringlinge“ loszuwerden, kann das Immunsystem bei einer Allergie nicht zwischen harmlosen und gefährlichen Substanzen unterscheiden. Ursache dieser „Fehlschaltung" ist vermutlich eine Kombination aus erblicher Veranlagung und dem westlichen Lebensstil mit übertriebener Hygiene. Dabei ist Heuschnupfen keine harmlose Erkrankung: Zum einen ist der Leidensdruck von Betroffenen oft hoch. So reichen meist schon kleinste Mengen des Allergens, um unangenehme Symptome auszulösen. Zum anderen kann die Erkrankung langfristig einen Etagenwechsel durchlaufen und nicht nur die oberen, sondern auch die unteren Atemwege (Bronchien) betreffen. In der Folge kann es zu allergischem Asthma kommen. Auch Begleiterkrankungen wie eine Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) können auftreten.

Erkältung oder Allergie: Wann eine Behandlung nötig ist

Eine Erkältung kommt meist ohne medikamentöse Behandlung aus, da die Symptome bereits nach wenigen Tagen abklingen und in der Regel nach spätestens zwei Wochen vollständig verschwinden. Eine Allergie sollten Betroffene hingegen nicht ohne ärztliche Behandlung aussitzen, da sie im schlimmsten Fall auf die Bronchien übergreifen und zu asthmatischen Anfällen führen kann. Bei Allergien des Soforttyps, zu denen auch Heuschnupfen zählt, kann es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren allergischen Reaktionen (Anaphylaxie) kommen.

Zur Diagnose der Allergie führt der Arzt einen Allergietest auf der Haut des Patienten durch. Sind die Allergene genau bekannt, können Betroffene versuchen, diese zu meiden. Da die „Allergenkarenz“ für Pollenallergiker oft schwierig ist, können Medikamente (sogenannte Antiallergika) die Reaktion des Immunsystems dämpfen. Wirksame Medikamente sind:

  • Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika: hemmen die Ausschüttung des Botenstoffs Histamin
  • Antientzündliches Cortison (z.B. als Nasenspray): Kommt zum Einsatz, wenn Antihistaminika keine ausreichende Wirkung zeigen
  • Als ursächliche Therapie kann der Arzt eine Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durchführen

Nicht sinnvoll ist bei Heuschnupfen dagegen der Einsatz von abschwellenden Nasensprays, die oft bei Erkältungen genutzt werden. Bei längerfristigem Gebrauch können sie die Nasenschleimhaut irreversibel schädigen. Im schlimmsten Fall kann es dann zu einer „Stinknase mit Gewebeschwund kommen.

Erkältung oder Allergie: Diese Hausmittel und Maßnahmen helfen

Ein bewährtes Hausmittel bei Pollenallergie ist die Nasendusche, bzw. Nasenspülung. Dabei wird die Nasenschleimhaut mit einer Salzlösung gespült, wodurch Pollen aus dem Nasenraum geschwemmt und allergische Reaktionen gemindert werden. Hilfreich können außerdem Kalender, beispielsweise Apps mit Pollenflugvorhersage, sein, die angeben, welche Pollen wann am intensivsten fliegen. So ist es möglich, Aktivitäten im Freien besser zu planen und wenn möglich, in pollenarme Zeiten oder auf Regentage zu verlegen. Zudem sollten Allergiker in der Pollensaison vor dem Schlafengehen duschen. Denn vor allem in den Haaren können sich lästige Pollen verfangen und Betroffene nachts um den Schlaf bringen. Pollengitter an den Fenster verhindern außerdem, dass Pollen beim Lüften ins Haus gelangen. Darüber hinaus hilft es, viel zu trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten. Pollenallergiker sollten auch darauf achten, Nahrungsmittel, die Kreuzreaktionen auslösen, von ihrem Speiseplan zu streichen. Um einer Mangelernährung vorzubeugen, sollten Ernährungsumstellungen aber immer von einem erfahrenen Arzt oder geschulten Ernährungsmediziner betreut werden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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